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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
14. März 2010 15:08 Uhr

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Dezember in Deutschland

Nicholls | 10. Dezember 2009 08:54 Uhr
Vor ungefähr einem Jahr saß ich in einem Vorlesungssaal und musste mit den anderen in meinem Jahrgang vom Auslandsjahr in Deutschland berichten.

Die meisten sagten, sie hätten gern mehr Unterstützung von der Fakultät gehabt (oder in einigen Fällen wohl gar keine). Andere haben darüber gestritten, ob es für die Deutschkenntnisse besser sei, in einer Klein- oder in einer Großstadt zu wohnen. Die Veranstaltung schien nur dazu zu dienen, dass diejenigen, die kein glückliches Jahr hatten, ihrem Ärger Luft machen konnten. Plötzlich kam etwas Unerwartetes von einer Studentin:Sie meinte, wenn man das Jahr zwischen Sprachen und Ländern teilen müsse, dann solle man unbedingt im Dezember in Deutschland sein, denn die Weihnachtsstimmung und die Weihnachtsmärkte seien einfach toll. Ich spreche jetzt nicht im Konjunktiv: Die deutschen Weihnachtsmärkte strahlen gute Laune aus und erwärmen das Herz im tiefsten Winter. Sie sind tatsächlich das Allerbeste.

"German Christmas Markets" werden in England immer beliebter. Birmingham rühmt sich, den größten Weihnachtsmarkt außerhalb Deutschlands zu haben. Sogar Nottingham, das auf Platz 18 der größten Städte Englands rangiert und wo ich studiert habe, lässt sich von der deutschen Tradition anstecken. Was bei uns in den Innenstädten auftaucht, ist jedoch nur eine billige Fälschung dieses wundervollen Brauchtums. Leider musste ich gerade feststellen, dass es für zwölf Tage diesen Dezember auch einen "German Christmas Market" in meiner Heimatstadt Bristol gibt. "The streets are lined with 30 beautifully decorated wooden chalets selling a range of products from handcrafted decorations and toys, to German bier and traditional Gluhwein." Oje, wenn sich Glühwein ins Englische falsch als "Gluhwein" einschleicht, raste ich aus - unsere Aussprache ist ja schon schlimm genug.

Mag sein, ich reagiere ein wenig empfindlich. Dass Kultur sowieso nur eine Erfindung ist, weiß ich natürlich. Dennoch habe ich wirklich Angst, dass - so wie die Engländer zum Oktoberfest nur zum Saufen hinfahren oder dank Easyjet auf einem Junggesellenabschied in Berlin die Sau rauslassen - die "Christmas Markets" nur dazu dienen, dass sich meine Landsleute besaufen können, und damit eine schöne Tradition zum Klischee verkommt. Eigentlich wollte ich meine Liebe für das deutsche Weihnachten kundtun, aber irgendwie bin ich schon wieder dabei, mich für die "Inselaffen" zu schämen. Allerdings würde ich mich in England vor so einem Christmas Market mit einem Plakat postieren, auf dem steht: "Fahrt alle nach Deutschland, und schaut euch an, wie man das richtig macht!" Vielleicht könnte ich mir noch ein Paar Franzosen holen, die sind immer für einen Protest zu begeistern.

Aber zurück zum Thema, über das ich schreiben wollte: das himmlische deutsche Weihnachten. Meiner Meinung nach ist die weihnachtliche Begeisterung in der deutschen Sprache vorhanden. Die Deutschen haben sogar ein Verb, das so etwas ausdrückt! "Es weihnachtet sehr." Die englischen Entsprechungen sind dagegen richtig langweilig: "It's Christmassy" oder "It's beginning to look a lot like Christmas" zum Beispiel. Letzteres ist natürlich von Bing Crosby geborgt und wird mir wahrscheinlich den ganzen Tag im Kopf herumgeistern. Normalerweise ginge mir das sehr schnell auf die Nerven. Aber da mir hier in Deutschland in den Geschäften noch keine schrecklichen Weihnachtsalben aufgefallen sind, zumindest nicht vor der Adventszeit (in England geht's schon ab Oktober los), kann ich schon damit leben.

Ich sitze hier im Büro und sehe einen Weihnachtsbaum auf einem Kran, er wird sogar abends beleuchtet. Was für eine schöne Idee! Vielleicht erweise ich den Engländern einen Bärendienst, aber so etwas habe ich bei uns noch nie gesehen, und auf die Idee käme ich auch selbst nicht. Ich frage mich, wie sie den bloß hochbekommen haben. An den Weihnachtsmann hatte ich nie wirklich geglaubt, meine Mutter musste die Geschichte ständig verteidigen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie der Weihnachtsmann es logistisch fertigbringt, dass alle Kinder der Welt gleichzeitig ihre Geschenke bekommen - ganz abgesehen davon, wie er überhaupt durch den Kamin kommt. Jedoch glaube ich in diesem Fall, dass die Bäume auf den Kränen stehen, weil der Weihnachtszauber das gemacht hat. Genau deswegen bin ich im Dezember in Deutschland.

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