Kippen Portugal und Spanien als Nächste?
Investoren und Analysten reagierten mit Skepsis auf die Entscheidungen zum Rettungspaket für Irland. Der Euro fiel zeitweise auf ein Zweimonatstief von 1,3064 Dollar. Aktienindizes in Ländern wie Spanien und Italien verzeichneten Einbußen. Die Renditen auf irische Staatsanleihen fielen zunächst, legten dann aber wieder zu, ebenso wie jene auf portugiesische und spanische Bonds. Die Rendite auf zehnjährige spanische Staatsanleihen erreichte zeitweise 5,48 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Renditen bewegen sich bei Anleihen gegenläufig zu den Kursen.
Auch Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) auf die Staatsanleihen kritisch beäugter Euro-Staaten legten zu: CDS auf spanische und portugiesische Papiere erreichten Rekordwerte. Am späten Nachmittag lagen spanische CDS laut dem Datendienstleister Markit 29 Basispunkte höher bei 354, portugiesische legten um 41 Basispunkte auf 543 zu. Damit kostete es 543.000 Euro im Jahr, Anleihen im Wert von 10 Mio. Euro gegen einen Ausfall zu versichern.
Dahinter steckt die Sorge, das Rettungspaket für Irland werde nicht verhindern, dass weitere Euro-Staaten aufgrund des wachsenden Misstrauens an den Märkten Hilfe brauchen. "Das große Risiko liegt in der Psychologie der Ansteckung, das heißt darin, dass Investoren immer wieder den nächsten Schwachpunkt testen, wenn ein Land mit größeren Problemen durch irgendeine Art von Rettung vom Markt genommen wird", warnen Ökonomen von Morgan Stanley.
Im Fokus stehen dabei vor allem Portugal und Spanien. "Die Herausforderung für diese Länder wird darin liegen, dass sie zeigen, dass die sehr bedeutsamen Kürzungen, die sie für das kommende Jahr planen, durchsetzen können", schreiben Ökonomen von Barclays Capital. Zudem müssten Portugal und Spanien die Märkte davon überzeugen, dass ihre Bankensektoren stark genug sind, durch die Sparkurse entstehende wirtschaftliche Probleme auszuhalten.
Viele Marktakteure und Beobachter halten es allerdings für unausweichlich, dass Portugal nach Griechenland und Irland als dritter Euro-Staat Hilfe annehmen muss. "Das Risiko bleibt, dass die Euro-Zone unter erneuten Druck gerät, zumindest für Portugal ein Paket zu schnüren", schrieb Gillian Edgeworth von Unicredit.
Spanien macht vielen Beobachtern mehr Sorgen. Skeptiker fürchten, eine Stützung des Landes könne den Euro-Rettungsfonds überfordern. Francesco Garzarelli von Goldman Sachs argumentiert zwar, sowohl Hilfen für Portugal als auch weitere Rekapitalisierungen spanischer Sparkassen könnten aus den Mitteln bezahlt werden.
Neil Mellor, Devisenstratege bei der Bank of New York Mellon, ist aber deutlich skeptischer. Er verweist auf die deutsche Weigerung, den Fonds aufzustocken. "Die Tatsache, dass nicht mit einer Stimme über das Thema gesprochen wird, bringt Investoren dazu, ihre eigenen Rechnungen anzustellen und nervös zu dem Schluss zu kommen, dass die Krise Spanien nicht umfassen kann und darf."