Eine belgische Investmentfirma wirft der französischen Großbank vor, ihre Anleger bewusst getäuscht zu haben. Manager des Instituts hätten Falschinformationen gestreut - und die bevorstehende Pleite vertuscht.
Die zweite staatliche Rettung der belgisch-französischen Großbank Dexia im Oktober hat ein juristisches Nachspiel. Die belgische Investment-Firma Lynx Capital warf dem Institut und seinem Chef Pierre Mariani am Mittwoch vor, die Anleger vor dem staatlichen Eingriff mit beruhigenden Aussagen zum Zustand der Bank getäuscht zu haben. Die Aktien büßten in Folge der Rettung rund drei Viertel ihres Wertes ein.
Aufsichtsratschef Jean-Luc Dehaene hatte nach der Rettung selbst darüber berichtet, dass Mariani ihm bei der Amtsübernahme nach der ersten staatlichen Stützung während der Finanzkrise 2008 gesagt habe, Dexia sei "keine Bank, sondern ein Hedgefonds". Diese Aussage belegt nach Darstellung des Klägers, dass sich Mariani bereits seit 2008 über den prekären Zustand des Instituts bewusst war.
Dexia lehnte eine Stellungnahme ab. Dem Kläger zufolge dürfte eine erste Anhörung in dem Fall Ende Januar stattfinden. Um eine drohende Pleite zu verhindern, entschlossen sich Frankreich, Belgien und Luxemburg im Oktober dazu, das stark in Griechenland engagierte Geldhaus zu verstaatlichen und aufzuspalten.
Dieser Plan nahm am Mittwoch eine erste Hürde, weil die EU-Kommission die Staatsgarantien im Volumen von 45 Mrd. Euro genehmigte. Dexia habe eine systemische Relevanz für Frankreich, Belgien und Luxemburg und könne durch die Hilfen einen Restrukturierungsplan erstellen, begründete die als Wettbewerbshüter fungierende Kommission ihre Entscheidung. Dexia hatte sich die genehmigten Garantien zur Finanzierung Anfang Dezember von den drei Ländern gesichert.
Für Frankreich ist Dexia vor allem wegen der Finanzierung von Städten und Kommunen wichtig, die die französische Dexia-Tochter zu einem maßgeblichen Teil stemmt. Das gesunde Filialgeschäft in Belgien wurde verstaatlicht, die in Luxemburg ansässige Vermögensverwaltung nach Katar verkauft. Dexia gilt als die erste Großbank, die der Euro-Krise zum Opfer fiel.
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