Schon das Timing ist kritikwürdig. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitzenden Klaus-Peter Müller hatte den Gehaltsanstieg im Dezember genehmigt. Da kämpfte die teilverstaatlichte Bank mal wieder um ihre Existenz. Nach 2008 schienen erneut Staatshilfen nötig, um das beim Stresstest ermittelte Kapitalloch von 5,3 Mrd. Euro zu schließen. Dies ist der Bank später aus eigener Kraft gelungen, doch das war im Dezember nicht absehbar. Dass Müller in einer Phase, in der die Bank jeden Cent gebrauchen kann, das Gehaltsplus genehmigt, ist taktlos. Zumal den Mitarbeitern gleichzeitig große Einsparungen zugemutet werden.
Auch Müllers Begründung, Blessing habe einen guten Job gemacht, überzeugt nicht. Seine Leistung ist gewiss schwer zu beurteilen, allen kann er es ohnehin nicht recht machen. Die Aktionäre werden ihm die Kapitalerhöhung von 11 Mrd. Euro nicht verzeihen, die ihre Anteile stark verwässerte. Der Steuerzahler dagegen freut sich, den Großteil der Hilfen schnell zurückbekommen zu haben. Dabei hat Blessing aber zu sehr aufs Tempo gedrückt und die Bank wieder in Gefahr gebracht – den Vorwurf kann man ihm machen.
Es wäre ungerecht von der Commerzbank zu verlangen, länger als nötig an der Gehaltsdeckelung festzuhalten. Immerhin hat der Bund als Großaktionär selbst die Regeln gelockert. Die Commerzbank hätte von sich aus aber die höheren Gehälter für 2012 davon abhängig machen sollen, ob sie den Stresstest besteht. Die Demut kann man gerade von Müller verlangen: Schließlich hat er als Ex-Chef einen großen Anteil an der fragilen Lage der Bank.