Tief unten im Toplitzsee, umgeben von den malerischen Bergen der Steiermark und Wasserfällen rotten sie vor sich hin: Druckplatten, Fälscherzubehör und Millionen an britischen Pfundnoten. Verpackt in Kisten, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Panik von den Nazis versenkt - und seitdem Gegenstand unzähliger Gerüchte, Mythen und Schatzsuchen.
Fakt ist: Das "Unternehmen Bernhard" hat es tatsächlich gegeben. 1941 brüteten die Nazis an unkonventionellen Ideen, wie der Krieg gegen Großbritannien nach der Niederlage in der Luftschlacht und der abgeblasenen Invasion wohl doch noch zu gewinnen sei - und begannen in Konzentrationslagern mit der Massenfälschung von britischen Noten.
Mit denen, so das Kalkül, könnte man durch Abwürfe über Großbritannien oder dem Transfer in den Devisenmarkt Chaos stiften, die Inflation anheizen - oder einfach selbst auf Einkaufstour im Ausland gehen, etwa bei Rohstoffen. Einige Scheine kamen ab 1942 tatsächlich in Großbritannien an, wenngleich es keine groß angelegten Abwürfe von Blüten gab, denn die Briten waren gewarnt, verbesserten die Fälschungssicherheit ihrer Scheine und isolierten die unerwünschten Importe, wie die belgische Nationalbank zu berichten weiß. Sie stellt einige der Pfund-Blüten in ihrem Brüsseler Museum aus.
Die Angst vor dem Konzept des "Unternehmens Bernhard" trieb offenbar auch die Bundesbank im Kalten Krieg um. Denn auch in ihrem Frankfurter Geldmuseum stellt sie noch bis Ende der Woche Scheine aus, die nie im Umlauf waren und nun in der Vitrine "Das besondere Objekt" stehen.
Ihr Aussehen galt über Jahrzehnte als das wohl bestgehütete Geheimnis der Deutschen Bundesbank. Die Banknoten waren in der breiten Öffentlichkeit noch nie zu sehen. Es handelt sich um D-Mark-Scheine, die sich im Aussehen von den regulären und im Umlauf befindlichen Exemplaren deutlich unterschieden und als Ersatzgeld für den Notfall vorgesehen waren. Gedruckt wurden von 1961 bis 1965 zwei getrennte Ausgaben: eine für Westdeutschland in den Nennwerten von 10 bis 100 D-Mark, und eine für Westberlin in den Wertstufen von 5 bis 100 D-Mark. Diese Ersatznoten trugen zwar die gleichen Kopfbildnisse wie die offizielle Umlaufserie, hatten aber ansonsten eine völlig unterschiedliche grafische Gestaltung.
In den 70er-Jahren - mit dem Warschauer Pakt an den Ostgrenzen der Bundesrepublik und einer hohen Inflation obendrein - geisterten immer wieder Meldungen durch den Blätterwald, dass solche Scheine existieren. Die Bevölkerung reagierte besorgt, und die Bundesbank wiederholte gebetsmühlenartig ihre offizielle Begründung für die Existenz des Ersatzgeldes: Es sollte im Falle von "schweren Störungen des Geldumlaufs" Einsatz finden. Also etwa einer großen Menge umlaufenden Falschgelds. Oder einer nicht zu beherrschenden Inflation. Oder beidem.
Teil 2: Falls der Kalte Krieg heiß wird