Kreditkarten- und Datendiebe haben ihre Betrügereien im Internet in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Die Summe der von den eigentlichen Karteninhabern reklamierten Zahlungen im Netz und via Telefon sei von 2007 bis 2010 von 571 Mio. Euro auf 648 Mio. Euro gestiegen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch mit. Seinen vorläufigen Höhepunkt habe der Betrug mit Zahlkarten im Internet mit 684 Mio. Euro im Rezessionsjahr 2009 erreicht. Die EZB trug für ihre Untersuchung die Angaben der Betreiber von 24 Zahlkartensystemen zusammen, die alle 27 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, die Schweiz und Norwegen abdecken.
Nimmt man den Einsatz gestohlener und gefälschter Karten an Geldautomaten und im Einzelhandel hinzu, ergibt sich für 2010 insgesamt ein Schaden von 1,26 Mrd. Euro - 0,7 Prozent mehr als 2007. Diese Summe wurde den Inhabern des missbrauchten Plastikgelds von Kreditkartenunternehmen und Banken ersetzt. Fälle, in denen die Institute den Karteninhabern ein eindeutiges Selbstverschulden nachweisen konnten, sind also nicht erfasst.
Der leichte Anstieg der Schadenssumme gehe mit einem deutlichen Zuwachs an unbeanstandeten Transaktionen einher, betonte die EZB. Bezogen auf das Volumen sämtlicher Kartenzahlungen in den untersuchten Ländern sei der bei betrügerischen Transaktionen entstandene Schaden von 0,05 auf 0,04 Prozent zurückgegangen. Denn während der Missbrauch von Karten-Nummern im Internet floriert, geht der Einsatz gefälschten oder gestohlenen Plastikgelds an Geldautomaten und in Geschäften zurück.
Das zeigt sowohl die Entwicklung der Fallzahlen als auch der Schadenssummen: 2007 wurden 4,4 Millionen Transaktionen an Geldautomaten oder Zahlungsterminals reklamiert, den Kartenanbietern entstand dadurch ein Verlust von rund 630 Mio. Euro. 2010 wurden weniger als vier Millionen Fälle mit einem Volumen von 609 Mio. Euro bekannt. Die EZB führt den Rückgang auf einen verbesserten Schutz vor Fälschungen zurück: Die meisten Bezahlkarten sind mittlerweile mit einem Mikrochip ausgestattet, aus dem sensible Daten nicht so leicht ausgelesen werden können wie von Magnetstreifen.
Die Manipulation von Geldautomaten zwecks Auslesen von Karten sei deutlich seltener geworden, bestätigt auch die deutsche Euro Kartensysteme GmbH. Dennoch beschafften sich Kriminelle im In- und Ausland im ersten Halbjahr 2012 die Daten von insgesamt 11.000 der 94 Millionen deutschen Girocards. Im Vorjahreszeitraum waren es 9.000 gewesen.