Auch der Bloomberg-Kolumnist Michael Lewis moniert, der Begriff Eigenhandel sei äußerst schwammig definiert. Wann die Bank auf eigene Rechnung und wann sie im Auftrag eines Kunden handele, sei von außen schwer zu beurteilen.
Das rückt Ankündigungen mehrerer Banken, ihre Eigenhandelsabteilungen schließen zu wollen, in ein neues Licht. US-Medien hatten vor einigen Wochen berichtet,
JP Morgan Chase wolle den Rohstoffhandel auf eigene Rechnung aufgeben. Der Konkurrent
Goldman Sachs plant offenbar, die Mitarbeiter der Eigenhandelssparte zur Vermögensverwaltung oder einem Hedge-Fonds zu versetzen - und das, obwohl die Volcker-Regel noch gar nicht in Kraft ist.
Nach Ansicht des Bloomberg-Autors Lewis sind diese Änderung rein kosmetischer Natur: "Die Banken haben keineswegs die Absicht, ihren Eigenhandel dicht zu machen. Sie geben dieser Aktivität nur einen neuen Namen." Beim Kauf von Wertpapieren etwa könnten die Händler jederzeit behaupten, sie hätten einem verkaufswilligen Kunden einen Gefallen getan - und seien sie anschließend nicht losgeworden.
Gefährlicher Interpretationsspielraum
Die Lücken im Gesetzestext bergen erhebliche Risiken. Denn eigentlich wurde die Volcker-Regel eingeführt, um Banken vor Fehlspekulationen zu schützen - und den Staat davor, sie erneut mit Milliarden von Steuergeldern stützen zu müssen. Nur kurzfristige Geschäfte zu verbieten, banne diese Gefahr keineswegs, warnt die Financial Times. So sei die Pleite von Lehman Brothers unter anderem auf die Übernahme der Immobilienfirma Archstone Trust im Jahr 2007 zurückzuführen. Ein Großteil der Wohnungen von Archstone erwiesen sich als unverkäuflich, weil die Interessenten auf einen weiteren Verfall der Hauspreise setzten.
Noch allerdings haben die Aufsichtsbehörden die Chance, die Gesetzeslücken zu stopfen. Denn die Details der Finanzreform hat der US-Kongress den Regulierern überlassen, sie sollen mit konkreten Verordnungen alle Unklarheiten beseitigen. Nach der Niederlage der regierenden Demokraten bei der Kongresswahl haben Vertreter der neuen republikanischen Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus allerdings bereits gefordert, diese Verordnungen dürften nicht zu streng ausfallen. Da über das Budget der Regulierungsbehörden der Kongress entscheidet, haben die Abgeordneten durchaus Druckmittel in der Hand.