Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft steigt nur noch leicht an. Der Ifo-Geschäftsklimaindex legte im April um 0,1 auf 109,9 Zählern zu, teilte das Münchner Ifo-Institut am Freitag mit. Von den reinen Daten war es der sechste Anstieg in Folge. "Die deutsche Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Die 7000 befragten Manager schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate genauso gut ein wie zuletzt. Das Barometer verharrte bei 102,7 Punkten. Die Geschäftslage wurde etwas besser eingeschätzt. Dieser Index kletterte von 117,4 auf 117,5 Punkte. Andere Frühindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex deuteten zuletzt auf schwierigere Zeiten hin. Tatsächlich droht die Euro-Wirtschaft nach dem Minus Ende 2011 auch im ersten Quartal 2012 zu schrumpfen.
VP-Bank-Ökonom Bernd Hartmann äußerte vor diesem Hintergrund auch Bedenken gegen allzu großen Optimismus. Es bleibe abzuwarten, ob sich dieser bewahrheite, "denn das Umfeld bleibt auch für die erfolgreiche deutsche Wirtschaft anspruchsvoll."
Im Ifo spiegelt sich das noch nicht wider. Der wichtige Teilindikator für das verarbeitende Gewerbe legte gegenüber dem Vormonat leicht zu. "Die befragten Industriefirmen beurteilen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Geschäftsaussichten deutlich positiver", schrieb das Ifo-Institut. Die Kapazitätsauslastung habe sich verbessert. Großer Hoffnungsträger ist die Binnennachfrage. "Die Nachfrage kommt vor allem aus dem Inland. Viele Anleger investieren in Deutschland, Deutschland wird als sicherer Hafen betrachtet", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.
Die Einzelhändler beurteilen ihre Geschäftslage pessimistischer, die Aussichten dagegen besser. "Die Verbraucher kaufen weiter ein", sagte Wohlrabe. Die Inflation hemme den Konsum noch nicht. Im Großhandel trübte sich die Stimmung dagegen ebenso wie in der Baubranche ein, während sie bei den Dienstleistern stabil blieb.
Einige Banken-Volkswirte interpretierten die Daten als Beweis für die Stärke der deutschen Wirtschaft. "Die Euro-Krise hinterlässt zwar gesamtwirtschaftliche Spuren in Form einer Konjunkturdelle", sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank. "Doch angesichts der Dimension dieser Krise für die Euro-Zone sind das für die deutschen Unternehmen nur leichte Blessuren." Deutschland halte in der Schuldenkrise die Fahne hoch, meinte Jana Meier von HSBC Trinkaus.
Sorgen um die kriselnden Euro-Staaten Spanien und Italien sorgten zuletzt für Unruhe an den Finanzmärkten. Ungeachtet der erwarteten Rezession im Euro-Raum sagen die führenden Forschungsinstitute der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent voraus. 2013 soll es sich auf zwei Prozent beschleunigen. In diesem Zeitraum sollen rund 800.000 neue Jobs entstehen.
Der Euro legte nach Veröffentlichung der Ifo-Daten zum Dollar deutlich zu, zum Yen kletterte er auf ein Zwei-Wochen-Hoch. Davon profitierte auch das britische Pfund , das auf ein Fünf-Monats-Hoch zum Dollar stieg. Die bessere Stimmung zeigte sich auch in einer steigenden Risikobereitschaft: Die Renditen deutscher Bundeslanleihen stiegen wieder etwas an, der Bund-Future, der zuvor ein Allzeithoch erreicht hatte, fiel wieder leicht zurück. Der deutsche Leitindex DAX baute seine Kursgewinne aus, drehte aber später ins Minus.