Amerikanischen und europäischen Bankaktien steht an den Finanzmärkten eine holprige Woche bevor. In den USA gehen Analysten und Händler davon aus, dass der Handelsskandal bei der US-Investmentbank J.P. Morgan auch in der kommenden Woche das Geschehen an der New Yorker Wall Street bestimmen wird. Wie am Donnerstag bekannt geworden war, hat das Institut seit Ende März mit Wetten auf die Wertentwicklung von Unternehmensanleihen - unter anderem durch den Verkauf von Kreditausfallderivaten (CDS) - insgesamt 2 Mrd. Dollar verzockt.
"Ich erwarte, dass sich die allgemein angespannte Stimmung durch diese Nachrichten noch einmal verschärft", sagt Joseph Cangemi, Leiter der elektronischen Abwicklungseinheit beim Brokerhaus Convergex Group. "Vor allem die Größe und das Ausmaß des Handelsdebakels bei JP Morgan macht die Investoren sehr misstrauisch. Viele fürchten nun, dass sich dahinter ein systemisches Risiko verbirgt."
Angesichts des Skandals am Freitag notierte die Aktie von JP Morgan am Freitag bei Handelsschluss 9,3 Prozent im Minus, und riss die die Anteilsscheine der Konkurrenten ebenfalls mit. Die Papiere der Citigroup büßten 4,2 Prozent ein. Cangemi meint, dass die Talfahrt damit noch nicht vorbei ist: "Der Finanzsektor wird dafür leiden müssen."
Das Misstrauen der Anleger gegenüber den amerikanischen Geldhäusern sorgte an den US-Börsen dann auch für eine maue Wochenbilanz: Der Dow-Jones-Index schloss auf Wochensicht bei 12.820 Punkten und einem Minus von 0,3 Prozent, der S&P500 sackte in den vergangenen fünf Handelstagen um ebenfalls 0,3 Prozent auf 1353 Zähler. An der Technologiebörse Nasdaq verlor der Nasdaq Composite im Wochenverlauf 0,76 Prozent auf 2934 Punkte.
Auf der anderen Seite des Atlantiks stehen derzeit vor allem die spanischen Geldhäuser im Fokus der Investoren. Am Freitag legte die spanische Regierung ihren Plan zur Sanierung des maroden Bankensektors vor. Dabei verabschiedete der Ministerrat ein Gesetz, dass die Institute zum einen verpflichtet, so genannte Bad Banks zu gründen, in die sie ihre ausfallgefährdeten Immobilienkredite übertragen müssen. Zum anderen lässt die Regierung wie von der EU-Kommission gefordert, die Immobilienbestände der Banken von unabhängigen Prüfern bewerten.
Die Banken müssen zudem ihre Rückstellungen für Immobilienkredite um 45 Prozent aufstocken. Der spanische Leitindex Ibex reagierte darauf mit Verlusten und fiel während der Bekanntgabe um rund drei Prozent. Am Abend schloss der Index 0,7 Prozent tiefer bei 6995,6 Punkten. Die Risikoaufschläge auf spanische Staatsanleihen zogen an, wobei die Renditen von Papieren mit 10-jähriger Laufzeit mit 5,96 Prozent knapp unter dem kritischen Wert von sechs Prozent blieben.
Auch die schwierige Regierungsbildung ein Griechenland birgt weiterhin Risiken für die Marktentwicklung in Europa. Am Freitagnachmittag sorgte zwar die Meldung einer möglichen Koalition aus Sozialisten, der Demokratischen und Konservativen für kurzfristige Entspannung. Ob die Regierung allerdings wirklich zustande kommt, ist noch ungewiss.
"Die Gespaltenheit in Griechenland schürt Unruhe darüber, ob das Land nun schließlich doch die Euro-Zone verlassen muss", sagt Stephen Stanley, Chefökonom beim Brokerhaus Pierpont Securities. "Und das könnte dann einen Domino-Effekt auslösen: Es besteht die Gefahr einer Ansteckung, ein möglicher Austritt Griechenlands hätte eine erhebliche Instabilität zur Folge." Wenn man etwas in die Zukunft denke, könnten als nächstes auch Spanien und Portugal sich aus der Währungsunion verabschieden müssen. Denn auch wenn Griechenlands politische Querelen gerade nicht wieder akut geworden wären, würden die Probleme der spanischen Banken allein genug Anlass zur Unruhe geben, meint Stanley.
Die Sorgen um die beiden südeuropäischen Länder dürften Analysten zufolge auch den DAX nicht kalt lassen. Die seit Mitte März andauernde Talfahrt des deutschen Leitindex sei noch nicht beendet, schrieb die Landesbank Berlin in einem Marktkommentar. In diesem Zeitraum hat der DAX mehr als neun Prozent verloren - in der vergangenen Woche schaffte der Index ein dünnes Plus von 0,3 Prozent. Am Freitag schloss das Barometer ein Prozent höher bei 6579,9 Zählern. Deutsche Bundesanleihen gelten Anleger weiterhin als sicherer Hafen, 10-jährige Papiere rentierten am Freitag mit 1,514 Prozent.
Am Dienstag veröffentlichen viele europäische Ländern die Wachstumszahlen für das erste Quartal 2012. Nach Ansicht der Analysten der Unicredit haben sich die kurzfristigen Konjunkturperspektiven weiter eingetrübt. Darüber hinaus legen in dieser Woche einige große Unternehmen ihre Quartalsberichte vor, darunter etwa die Allianz, BMW, und der US-Einzelhändler Wal-Mart.