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Merken   Drucken   10.11.2010, 19:17 Schriftgröße: AAA

Nervöse Anleger: Des Schuldendramas nächster Akt

Die Schuldenkrise hat Europa wieder fest im Griff. Die Märkte sehen Irland am Abgrund. Ausgerechnet der Zentralbankchef der Insel gießt Öl ins Feuer. Und die Regierung Griechenlands hat offenbar mal wieder beim Rechnen geschummelt. von Barbara Schäder, Frankfurt
Der irische Zentralbankchef Patrick Hohohan hat die hochnervösen Märkte am Mittwoch in Aufruhr versetzt. Mit hypothetischen Äußerungen über den möglichen Verlauf einer Rettungsaktion der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für sein hochverschuldetes Land schürte er die Sorge vor einer Staatspleite. Zwar bekräftigte Honohan vor einem Parlamentsausschuss, die Regierung gehe mit ihrem ehrgeizigen Sparplan den richtigen Weg. Er fügte aber hinzu: "Meiner Ansicht nach ist das genau die Art von Politik, die auch der IWF von Irland verlangen würde."
Prompt meldeten Nachrichtenagenturen, der irische Zentralbankchef schließe ein Hilfsersuchen Irlands an die Euro-Partner nicht mehr aus. Die ungeschickte Äußerung folgte auf eine Serie von Hiobsbotschaften aus den Peripherie-Staaten: Die Risikoprämie, die Investoren dafür verlangen, dass sie irische Staats- anstelle sicherer Bundesanleihen halten, stieg am Mittwoch erstmals auf über sechs Prozentpunkte. Portugal musste für die Aufnahme frischen Geldes an den Märkten eine Rekordrendite bieten. Und aus Regierungskreisen in Athen verlautete, die Angaben zum Haushaltsdefizit für das laufende wie das vergangene Jahr müssten wohl nach oben korrigiert werden.
Mit Griechenland fing alles an   Mit Griechenland fing alles an
Geschönte Statistiken aus Griechenland hatten Ende vergangenen Jahres die Schuldenkrise ausgelöst, auf deren Höhepunkt die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) ein 110 Mrd. Euro schweres Rettungspaket für Athen schnürten und bis zu 750 Mrd. Euro für weitere Krisen in Aussicht stellten. Schon seit Wochen wächst die Sorge, Irland werde diese Hilfe in Anspruch nehmen müssen.
Jetzt gibt es neuen Anlass, am Sparkurs der Schuldenstaaten zu zweifeln: Das griechische Haushaltsloch werde in diesem Jahr wohl mehr als neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise. Noch im Oktober hatte Athen eine Verminderung des Defizits auf 7,8 Prozent versprochen.
Portugal muss Vertrauen teuer erkaufen
Solche Nachrichten können Portugal und Irland derzeit nicht gebrauchen. Zwar fand Lissabon am Mittwoch problemlos Abnehmer für Staatsanleihen im Gesamtvolumen von 1,24 Mrd. Euro. Die Regierung musste dafür aber teuer bezahlen: Für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren musste sie einen Zinssatz von 6,806 Prozent bieten. Bei der letzten Emission im September waren es noch 6,242 Prozent gewesen. Die Rendite auf sechsjährige Anleihen kletterte noch stärker, von 4,371 Prozent Ende August auf 6,156 Prozent. Um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen, will die Regierung ihr Haushaltsdefizit im nächsten Jahr von derzeit 7,3 Prozent auf 4,6 Prozent vermindern. Der Sparplan muss aber noch durch das Parlament.
Der rasante Anstieg der Zinsen auf irische Staatsanleihen erreichte am Mittwochnachmittag mit 8,56 Prozent einen neuen Höhepunkt, nachdem ein Clearinghaus den Banken höhere Sicherheiten für den Handel mit den Papieren abverlangt hatte. Die Summe, die Banken als Sicherheit für die Papiere hinterlegen müssten, werde auf 15 Prozent der Netto-Risikoexposition erhöht, teilte LCH-Clearnet mit. Damit wird es teurer, in irische Staatsanleihen zu investieren.
Angst vor zweiter Immobilienkrise
Hinzu kam eine Ankündigung der irischen Zentralbank, sie werde das Ausfallrisiko von Hypothekenpapieren prüfen. Auf den Märkten geht seit Tagen die Angst um, dass nach dem Absturz der Preise für Gewerbeimmobilien auch Eigenheimbesitzer von der Krise getroffen werden und ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Nach Einschätzung von Barclays Capital ist es wahrscheinlich, dass in den nächsten zwei Jahren rund zwölf Prozent der Hypotheken der Bank of Ireland und der Allied Irish Banks ausfallen.
Das wäre ein weiterer Schlag für die irischen Institute, die bereits Staatshilfen von rund 21 Mrd. Euro erhalten haben. Nach Einschätzung der Regierung könnten die Kosten für die Sanierung der Institute 50 Mrd. Euro erreichen und das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf rund 32 Prozent des BIP treiben.

Anleihegläubiger wollen nicht haften

  • FTD.de, 10.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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