Aufsichtsbehörden sollen künftig deutlich stärker in den Geldmarkt eingreifen können. Das fordert der internationale Finanzstabilitätsrat (FSB), der am Sonntagabend Regulierungsvorschläge für bisher kaum kontrollierte Bereiche des Finanzsystems veröffentlichte, die sogenannten Schattenbanken. Die in dem Gremium vertretenen Notenbanker und Aufseher schlagen unter anderem vor, bei bestimmten Finanzierungsgeschäften Grenzen für Abschläge auf die verlangten Sicherheiten zu ziehen. Die Pläne dürften in der Finanzindustrie auf heftigen Widerstand treffen.
Bei sogenannten Repo-Geschäften hinterlegen Finanzinstitute Anleihen und andere Wertpapiere. Sie verpflichten sich, diese zu einem festen Preis in der Zukunft zurückzukaufen. Im Gegenzug erhalten sie von anderen Marktteilnehmern einen kurzfristigen Kredit. Die Geldgeber sowie die manchmal zwischengeschalteten zentralen Gegenparteien - die einspringen, wenn einer der beiden Geschäftspartner ausfällt - verlangen dabei oft Abschläge, um sich gegen Wertverluste der hinterlegten Sicherheit zu wappnen. Fällt deren Wert sehr stark, können sie zusätzlich einen Nachschuss einfordern.
Die FSB-Experten fürchten die prozyklischen Effekte dieser Praktiken. Werden etwa Abschläge in Boomzeiten stark verringert, begünstige das eine übermäßige Kreditaufnahme, argumentieren sie. Daher bringen sie verbindliche Untergrenzen für die auch Haircut genannten Abschläge ins Spiel, die verhindern sollen, dass diese zu stark absinken. "Ein solches Regelwerk müsste sorgsam entworfen und kalibriert, unerwünschte Folgen müssten bedacht werden", räumt der FSB in dem Dokument aber auch ein. Kritiker monieren etwa, zu hoch angesetzte Minima könnten einige Geschäfte unmöglich machen.
Der Schattenbankensektor ist seit der Finanzkrise in den Fokus der Regulierer gerückt. Sein Volumen ist nach neuesten Schätzungen des FSB auf 67.000 Mrd. Dollar Ende 2011 angewachsen. Das entspricht fast einem Viertel der Vermögenswerte des Finanzsystems. Ende 2007 waren es noch 62.000 Mrd. Dollar gewesen. Generell zählt man zu Schattenbanken etwa Zweckgesellschaften jenseits von Bankbilanzen, Hedge-Fonds oder Geldmarktfonds. Sie sollen nach dem Willen der 20 wichtigsten Staaten der Welt (G20) künftig stärker reguliert und beaufsichtigt werden, damit das Finanzsystem insgesamt sicherer wird. Der FSB will im September 2013 seine endgültigen Regulierungsvorschläge dazu vorlegen. Zu dem nun veröffentlichten Entwurf können Marktteilnehmer und andere Betroffene bis Mitte Januar ihre Kommentare einreichen.