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Merken   Drucken   01.02.2012, 12:59 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: EZB macht Banken froh - und die Staaten ebenso

Die Währungshüter benutzen Europas Geldhäuser zur Rettung klammer Krisenstaaten. Das als Sarko-Deal bezeichnete Geschäft ist auch für die Institute selbst sehr lukrativ. von Stefan Schaaf  , Rolf Lebert  , Barbara Schäder  und Wolfgang Proissl  Frankfurt
Mit dem Namen Nicolas Sarkozy könnte irgendwann einmal ein für Banken und Staaten lukratives Geschäft zur Rettung der Euro-Zone verbunden werden. Schließlich war es Frankreichs Präsident, der Ende 2011 die Institute aufgefordert hatte, das von der Europäischen Zentralbank (EZB) billigst angebotene Geld zu nehmen und damit die klammen Länder des Währungsraums via Staatsanleihekäufe zu finanzieren. Allein Italien muss 2012 Anleihen und Geldmarktpapiere für 330 Mrd. Euro refinanzieren, Spanien für 148 Mrd. Euro.
Refinanzierungsbedarf in Europa   Refinanzierungsbedarf in Europa
Inzwischen zeigt sich, dass das als Sarko-Deal bezeichnete Geschäft läuft wie geschmiert: Die Geschäftsbanken der Euro-Zone werden sich Ende Februar vermutlich mit noch mehr günstigem EZB-Geld vollsaugen als Ende Dezember und so dem Anleihemarkt Leben einhauchen - zur Freude vor allem der Krisenländer, aber auch der Banken selbst.
Der EZB selbst ist es zwar verboten, Staaten mittels Notenpresse zu finanzieren. Sie darf ihnen nicht direkt Staatsanleihen abkaufen, sondern höchstens die bereits am Markt gehandelten - und schon das ist hochumstritten. Um keinen Regelbruch zu begehen, den Staaten aber trotzdem zu helfen, nimmt die EZB daher den Umweg über die Geschäftsbanken.
So hatten sich am 21. Dezember mehr als 500 Institute 489 Mrd. Euro bei der EZB für drei Jahre zum Leitzins von 1,0 Prozent geliehen. Mit dem Geld kauften sie teilweise Staatsanleihen, was wiederum deren Kurs beflügelte und Rendite drückte - und vor allem den schuldengeplagten Südländern die Aufnahme neuer Mittel erleichterte. So ist die Rendite italienischer Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit mit 3,5 Prozent nur noch halb so hoch wie Ende November.
Auch für die Banken lohnt sich der Sarko-Deal: Kaufen sie mit EZB-Geld eine Italien-Anleihe, verdienen sie 2,5 Prozent Bruttomarge - bei sinkendem Risiko, denn: Wird Italien seine Anleihen los, stärkt das auch das Vertrauen in die heimischen Banken.
Der seit November amtierende EZB-Präsident Mario Draghi packt die Institute damit bei ihrem ureigenen Interesse, Geld zu verdienen, und setzt sie für seine Ziele ein. Denn Kennern zufolge sind es gar nicht die Banken, die nach Liquidität schreien. Vielmehr spanne die EZB die Banken gezielt für Staatsanleihekäufe ein, statt direkt als Aufkäufer zu agieren.

Teil 2: Die Liquiditätsschwemme belegt die Geschäftstüchtigkeit der Banken

  • Aus der FTD vom 01.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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