Portugal hat 1,5 Mrd. Euro am Markt aufgenommen und sich damit in der Schuldenkrise eine kleine Atempause verschafft. Die Regierung in Lissabon platzierte am Mittwoch problemlos Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten am Markt. Die Refinanzierungskosten des Landes gingen sogar leicht zurück - obwohl in den vergangenen Tagen zahlreiche Experten vor einer Wiederholung der griechischen Tragödie in Portugal warnten.
Für Investitionen in die Dreimonatspapiere forderten Anleger eine Rendite von 4,068 Prozent, vor zwei Wochen hatten sie noch 4,346 Prozent verlangt. Für die Platzierung der Sechsmonatsläufer zahlte Lissabon einen Satz von 4,399 Prozent gegenüber 4,600 Prozent im Januar. Trotz des Rückgangs sind diese Zinsen gemessen an den kurzen Laufzeiten sehr hoch - zum Vergleich: Die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen liegen derzeit unter zwei Prozent.
EU-Hilfsprogramm läuft noch bis Mitte 2014
Die Kurse portugiesischer Schuldtitel waren in den vergangenen Tagen regelrecht eingebrochen. Im Gegenzug stiegen die Renditen, die sich entgegengesetzt zu den Preisen bewegen: Zehnjährige Staatsanleihen rentierten am Dienstag zeitweise mit 18,29 Prozent, das war der höchste Stand seit Einführung des Euro. Bei Dreijahrespapieren kletterten die Renditen in der Spitze sogar auf 25,78 Prozent. Das zeigt, dass Investoren einen Zahlungsausfall Portugals innerhalb der nächsten Jahre befürchten.
Der Hintergrund: Mitte 2014 endet das 78 Mrd. Euro schwere Hilfsprogramm für Portugal, das EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) im vergangenen Frühjahr auflegten. Viele Experten bezweifeln, dass das Land danach wieder allein zurechtkommt. Ex-Notenbankchef und -Finanzminister Jacinto Nunes beispielsweise schätzt, Lissabon werde 30 Mrd. Euro zusätzlich benötigen. Falls er Recht behält, wäre Portugal nach Griechenland der nächste Euro-Staat, der zwei Rettungspakete benötigt.