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Merken   Drucken   01.02.2012, 13:47 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Hoffnungsschimmer für Portugal

Trotz Warnungen vor einem möglichen Zahlungsausfall bekommt Lissabon am Finanzmarkt problemlos frische Kredite. Sie haben allerdings nur eine Laufzeit von wenigen Monaten. Über diesen Zeitraum wird Portugal noch von den Euro-Partnern gestützt.
© Bild: 2011 Bloomberg
Trotz Warnungen vor einem möglichen Zahlungsausfall bekommt Lissabon am Finanzmarkt problemlos frische Kredite. Sie haben allerdings nur eine Laufzeit von wenigen Monaten. Über diesen Zeitraum wird Portugal noch von den Euro-Partnern gestützt. von Barbara Schäder  Frankfurt
Portugal hat 1,5 Mrd. Euro am Markt aufgenommen und sich damit in der Schuldenkrise eine kleine Atempause verschafft. Die Regierung in Lissabon platzierte am Mittwoch problemlos Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten am Markt. Die Refinanzierungskosten des Landes gingen sogar leicht zurück - obwohl in den vergangenen Tagen zahlreiche Experten vor einer Wiederholung der griechischen Tragödie in Portugal warnten.
Für Investitionen in die Dreimonatspapiere forderten Anleger eine Rendite von 4,068 Prozent, vor zwei Wochen hatten sie noch 4,346 Prozent verlangt. Für die Platzierung der Sechsmonatsläufer zahlte Lissabon einen Satz von 4,399 Prozent gegenüber 4,600 Prozent im Januar. Trotz des Rückgangs sind diese Zinsen gemessen an den kurzen Laufzeiten sehr hoch - zum Vergleich: Die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen liegen derzeit unter zwei Prozent.
EU-Hilfsprogramm läuft noch bis Mitte 2014
Die Kurse portugiesischer Schuldtitel waren in den vergangenen Tagen regelrecht eingebrochen. Im Gegenzug stiegen die Renditen, die sich entgegengesetzt zu den Preisen bewegen: Zehnjährige Staatsanleihen rentierten am Dienstag zeitweise mit 18,29 Prozent, das war der höchste Stand seit Einführung des Euro. Bei Dreijahrespapieren kletterten die Renditen in der Spitze sogar auf 25,78 Prozent. Das zeigt, dass Investoren einen Zahlungsausfall Portugals innerhalb der nächsten Jahre befürchten.
Der Hintergrund: Mitte 2014 endet das 78 Mrd. Euro schwere Hilfsprogramm für Portugal, das EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) im vergangenen Frühjahr auflegten. Viele Experten bezweifeln, dass das Land danach wieder allein zurechtkommt. Ex-Notenbankchef und -Finanzminister Jacinto Nunes beispielsweise schätzt, Lissabon werde 30 Mrd. Euro zusätzlich benötigen. Falls er Recht behält, wäre Portugal nach Griechenland der nächste Euro-Staat, der zwei Rettungspakete benötigt.
Zur Bedingung für das zweite Hellas-Hilfspaket machten die Euro-Staaten eine Beteiligung der privaten Gläubiger. Inhaber portugiesischer Staatsanleihen fürchten deshalb offenbar, dass auch auf sie Forderungen nach einem Schuldenerlass zukommen könnten. Diese Ängste erklären nach Einschätzung vieler Analysten, warum parallel zu den Verhandlungen über den griechischen Schuldenschnitt am Wochenende eine Massenflucht aus portugiesischen Anleihen einsetzte.
Am Mittwoch erholten sich die Kurse der Papiere, die Renditen von Zehnjahresläufern gingen auf 15,46 Prozent zurück. Eine vergleichbare Entwicklung war bei italienischen und spanischen Schuldtiteln zu beobachten: Die Renditen italienischer Zehnjahrespapiere gaben bis auf 5,77 Prozent nach, den niedrigsten Stand seit Oktober. Die Renditen spanischer Anleihen erreichten sogar den tiefsten Stand seit November 2010. Anders als portugiesische Anleihen befinden sich spanische und italienische Papiere allerdings schon seit einigen Wochen auf Erholungskurs.
  • FTD.de, 01.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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