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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   30.03.2011, 13:00 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Simon Johnson - Gefährlicher Giftcocktail in der Schuldenkrise

Amerikas Banken, die zu groß sind, um sie scheitern zu lassen, befinden sich auf gutem Weg zu groß zu werden, um sie zu retten. Letztlich kommt diese Entwicklung zu einem Ende, wie wir es in Island, Irland oder Griechenland erlebt haben - und diese Länder sind erst der Anfang.
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Amerikas Banken, die zu groß sind, um sie scheitern zu lassen, befinden sich auf gutem Weg zu groß zu werden, um sie zu retten. Letztlich kommt diese Entwicklung zu einem Ende, wie wir es in Island, Irland oder Griechenland erlebt haben - und diese Länder sind erst der Anfang. von Simon Johnson 
Unter Insidern in Washington - Demokraten ebenso wie Republikaner - ist es Mode geworden, sich zu melden und Folgendes festzustellen: Die USA stehen vor einer erheblichen Haushaltskrise, vor allem, weil steigende Gesundheitskosten zu Mehrbelastungen des Haushalts durch staatliche Gesundheitsdienstleister wie Medicare und Medicaid führen.
Die gleichen Personen setzten aber dann ein Lächeln auf und weisen darauf hin, dass Anleger aus anderen Teilen der Welt den USA noch immer enorme Summen leihen, wodurch die langfristigen Zinssätze niedrig bleiben und es dem Land ermöglicht wird, in absehbarer Zukunft riesige Defizite auszuweisen.
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Diese Denkart weist allerdings gravierende Fehler auf. Sie impliziert nämlich, dass die USA auf Zeit spielen können, so lange der Dollar die vorherrschende Reservewährung bleibt und Amerika den sichersten Hafen für nervöse Kapitaleigner bietet. Dieser Logik zufolge wird die Politik bis 2015 nichts tun, um Steuern zu erhöhen und sehr wenig, um die staatlichen Ausgaben zu beschränken. Die USA werden daher immer noch ein Haushaltsdefizit von ungefähr einer Billion Dollar ausweisen und einen substanziellen Teil davon durch den Verkauf von Staatsanleihen an Ausländer finanzieren. Bis 2050 wird es ganz zweifellos ein Haushaltsproblem geben - aber auch hier hat man noch viel Zeit, es zu ignorieren.
Diese Logik in Kombination mit der klaren Absicht der Federal Reserve, die Zinsen niedrig zu halten, deutet darauf hin, dass die Referenzzinssätze - beispielsweise für die 10-jährige Staatsanleihe - kurzfristig unter 4 Prozent (und vielleicht unter 3,5 Prozent) bleiben werden. Diese Woche lag der Zinssatz für Anleihen dieser Art bei etwa 3,2 Prozent, einem historisch sehr niedrigen Wert. Wenn sich der so genannte "Washington Haushaltskonsens" als richtig erweist, werden sich die Referenzzinssätze, wenn sie letztlich einen Aufwärtstrend zeigen, langsam nach oben bewegen.
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Dieser Konsens lässt jedoch einen wesentlichen Punkt außer Acht: In den letzten Jahrzehnten wurden die Finanzmärkte in den USA und weltweit viel instabiler und keine der Reformanstrengungen, die seit dem Beinahe-Zusammenbruch 2008 unternommen wurden, wartet mit irgendeiner Maßnahme auf, um die Märkte sicherer zu machen.
Manchmal spricht man von "systemischen Risiken", so als ob diese dem Finanzsystem innewohnen würden. Die moderne Finanzgeschichte - auch die der Schwellenländer - zeichnet jedoch ein anderes Bild. Wenn Banken und andere Finanzinstitutionen in Schwierigkeiten geraten, werden private Verluste - explizit oder implizit - in die Bilanzen des Staates übertragen. Gefährliche Finanzsysteme stellen große Risiken für den Staatshaushalt dar.
Von den drei Personen, die sich überaus deutlich zu diesem Problem äußern, handelt es sich bei zweien um führende Zentralbanker. Bevor Ben Bernanke  das Amt des Präsidenten der US-Notenbank Federal Reserve übernahm, hatte er sich aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit über die Große Depression einen Namen gemacht. Darin zeigte er wie - unter den richtigen (oder falschen) Bedingungen - der Finanzsektor als eine Art Beschleuniger für die Entwicklungen in der Realwirtschaft wirken konnte. Die Bestrebungen der Fed in den letzten drei Jahren zur Stabilisierung von Banken und anderen Teilen der Finanzwelt waren zweifellos zum größten Teil durch diese Erkenntnisse motiviert.

Teil 2: Szenario zum Boom-Bust-Rettungszyklus

  • FTD.de, 30.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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