Noch nie hatten die Menschen einen so langen Ruhestand wie heute
Die schier allgegenwärtigen Warnungen und Mahnungen stumpfen die Menschen ab, glaubt der Versicherungs- und Rentenberater Andreas Rebhan aus Kevelaer. "Irgendwann haben die Leute die Nase voll von der Schwarzmalerei", sagt er. Statt Aufmerksamkeit zu wecken, lassen die Schreckensbotschaften die Adressaten erstarren. Viele hindert die Furcht vor dem Ergebnis, den Tatsachen ins Auge zu blicken. Dabei fällt die Bestandsanalyse nach Rebhans Erfahrungen in den meisten Fällen nicht so schlimm aus, wie die Verbraucher erwartet haben.
Wer wissen will, wie es um ihn im Alter finanziell steht, sollte eine Vorsorge-Bilanz aufstellen. Die Zahlungen aus der gesetzlichen Rente allein werden vielen Menschen nicht reichen, um den gewünschten Lebensstandard auch im Ruhestand fortführen zu können. Das ist nicht nur ein Problem für Geringverdiener, die Einkünfte knapp über der Grenze für staatliche Zuschüsse haben werden.
Die meisten haben überschaubare Versorgungslücken
Auch Gutverdiener haben nach den diversen Rentenreformen gegenüber vorangehenden Generationen erhebliche Einbußen, zum Beispiel weil Ausbildungszeiten nicht mehr im vollen Maße angerechnet werden. Die meisten Menschen haben aber überschaubare Versorgungslücken, sagt Rebhan.
Um sie zu ermitteln, sollten Verbraucher auflisten, welche Ausgaben sie heute haben und was davon im Alter wegfällt, zum Beispiel Beiträge für Versicherungen, Kreditabzahlungen oder die Finanzierung von Kindern. Hinzuzählen sollten sie die Ausgaben, die im Ruhestand auf sie zukommen, etwa für die Gesundheit oder für Hobbys - und dabei die Inflation nicht vergessen. Auf der anderen Seite der Vorsorge-Bilanz stehen die erwarteten Einnahmen, und zwar nicht nur die Rente, sondern auch andere Zahlungen wie voraussichtliche Erbschaften, Zinsen aus Vermögen oder Mieten aus Immobilienbesitz.