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Merken   Drucken   26.09.2012, 18:24 Schriftgröße: AAA

Anlage: Neues Desaster bei Bonuszertifikaten droht

Die durchschnittlichen Risikopuffer der Bonuszertifikate sind deutlich gesunken. Alternative Produktstrukturen bieten nur bedingt einen Ausweg.
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Die durchschnittlichen Risikopuffer der Bonuszertifikate sind deutlich gesunken. Alternative Produktstrukturen bieten nur bedingt einen Ausweg.
von Thomas Koch

Die einst bei Anlegern beliebten Bonuszertifikate haben viel von ihrem guten Ruf eingebüßt. Nur noch drei Prozent der in strukturierten Produkten angelegten Gelder finden sich in diesen Strukturen wieder. Anfang 2008 waren es noch mehr als 20 Prozent.

Den ersten großen Imageverlust gab es während des Börsencrashs 2008/09. Damals war der Euro Stoxx 50  innerhalb von gut 14 Monaten um 60 Prozent eingebrochen. Ein Absturz, der von der Hälfte der in den Produkten eingebauten Risikopuffer nicht aufgefangen werden konnte.

Durchschnittliche Risikopuffer bei Bonuszertifikaten auf dem Euro ...   Durchschnittliche Risikopuffer bei Bonuszertifikaten auf dem Euro Stoxx 50

Als Reaktion darauf stieg erst einmal das Sicherheitsbedürfnis der Anleger. Im Jahre 2009 lag der durchschnittliche Risikopuffer aller am Markt verfügbaren Bonuszertifikate nach Angaben von Scope Analysis zeitweise bei über 50 Prozent. Mittlerweile hat sich dieser Wert wieder auf gut 30 Prozent ermäßigt. Neben der gestiegenen Zuversicht in die Aktienmärkte spielen dabei auch die Konditionen der Zertifikate eine Rolle. Nach einer Auswertung des Fachmagazins "Der Zertifikateberater" sind die Bonusrenditen gerade auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Datensammlung im Frühjahr 2009 gefallen. Um die Ertragschancen zu erhöhen, müssen Anleger also Abstriche beim Risikopuffer machen.

Ein nicht ganz ungefährliches Vorgehen. Denn Rückgänge von 30 Prozent oder mehr sind in der Historie des Euro Stoxx 50 relativ häufig vorgekommen. Bei einer Rückrechnung bis Ende 1986 hätte ein Puffer in dieser Größenordnung bei jeder sechsten Zwölf-Monats-Periode nicht ausgereicht. Bei Puffern von 40 oder gar 50 Prozent sinkt das Risiko mit Blick auf die Vergangenheit hingegen auf nur noch gut sieben beziehungsweise 1,5 Prozent. Allerdings werfen klassische Bonuszertifikate mit solch üppigen Puffern bei einjähriger Laufzeit im aktuellen Umfeld kaum noch positive Bonusrenditen ab.

Anders sieht es bei Papieren mit Gewinnbegrenzung, sogenannten Cap-Zertifikaten, aus. Weil eine vollständige Partizipation an steigenden Kursen hier nicht gegeben ist, sind im Erfolgsfall bei 50 Prozent Puffer Bonusrenditen von 3,7 Prozent (ISIN DE000DZ9L7R2) möglich. Bonus-Cap-Zertifikate mit einem Puffer von 40 Prozent kommen auf 5,7 Prozent (ISIN DE000AA42WN4).

Die Gefahr einer Barriereverletzung während der Laufzeit bleibt aber auch hier gegeben. Schon ein kurzes Abrutschen unter die entscheidende Kursmarke führt zum Aus aller Bonusträume. Ein probates Mittel gegen dieses Risiko sind Produkte, bei denen die Barriere nur am finalen Bewertungstag aktiviert ist. Es zählt also nur die reine Ziel-Start-Performance, mögliche Rückschläge zwischendurch bleiben ohne Einfluss auf die Renditechancen. Wie Untersuchungen zeigen, sinkt bei zwölf Monaten Laufzeit das Risiko eines Barrierebruchs beim Euro Stoxx 50 recht deutlich auf nur noch 6,1 beziehungsweise 2,4 Prozent bei Puffern von 30 beziehungsweise 40 Prozent. Einen Absturz von mehr als 50 Prozent auf Jahressicht gab es in knapp 26 Jahren sogar nur ein einziges Mal.

In der Praxis haben Anleger während der Crashphasen dennoch wenig Freude an solchen Papieren gehabt. Wie Scope Analysis herausfand, wurde bei mehr als zwei Dritteln der Produkte auf den Euro Stoxx 50 während der Schwächephase Ende 2011 die nur am Ende relevante Barriere gerissen. Was allerdings weniger an der Struktur der Produkte lag, sondern vielmehr an den im Endeffekt zu geringen Risikopuffern, die im Schnitt nur gut 20 Prozent betrugen.

Als wirklich sinnvoll erweist sich die endfällige Barriere bei Produkten mit hohem Puffer und möglichst langer Laufzeit. Historisch betrachtet war es fast immer so, dass sich die Märkte nach einem Crash wieder spürbar erholt haben. Bei einer Haltedauer von vier Jahren und einem Puffer von 40 Prozent besteht demnach eine 92,5-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Barriere am Ende unverletzt bleibt. Ein dazu passendes Bonus-Pro-Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 bietet BNP Paribas an (ISIN DE000BP3BPJ0). Das Ende 2016 fällige Papier verspricht bei einem Risikopuffer von gut 41 Prozent ohne signifikantes Aufgeld eine Bonusrendite von 5,4 Prozent pro Jahr sowie darüber hinaus die volle Teilhabe an stark steigenden Kursen.

Noch deutlich größer ist die historische Erfolgsquote mit über 99 Prozent bei einer fünfjährigen Laufzeit und einem Puffer von 50 Prozent. Fast exakt diese Kombination finden Anleger bei dem bis Juli 2017 laufenden Bonus-Pro-Zertifikat der LBBW (ISIN DE000LB0NB28), das bei rund 52 Prozent Puffer aber auch nur 1,9 Prozent Bonusrendite bringt. Die Chance auf unbegrenzte Kursgewinne gilt jedoch auch hier.

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