Kein Segment der Finanzmärkte ist durch die Kreditkrise so brutal unter die Räder gekommen wie das der Anleihen, die mit Forderungen unterlegt sind (Asset-Backed Securities, ABS). In gesteigertem Maße noch gilt das für Verbriefungen, die mit Wohnungsbaukrediten (Residential Mortgage Backed Securities, RMBS) unterlegt sind.
Umso erstaunlicher sind da die Statistiken der Ratingagentur Moody's für Spaniens Verbriefungsmarkt: 2007 war ein Rekordjahr. Und die meisten Forderungen haben spanische Banken ausgerechnet im vierten Quartal verbrieft, in dem die Krise besonders heftig tobte. Das galt vor allem auch für RMBS-Bonds - als ob in Südeuropa niemals überhitzte Immobilienmärkte diskutiert worden wären.
Im vierten Quartal sei das Emissionsvolumen für solche Papiere in ganz Europa zurückgegangen, schreibt die Bank of America - nur eben in Spanien nicht. Zwischen Oktober und Dezember 2007 erreichte das spanische Emissionsvolumen bei MBS-Anleihen einen Marktanteil von 58 Prozent, bei anderen ABS-Bonds sogar 74 Prozent.
Mit einem Investoren-Run auf spanische Immobilienverbriefungen hat das aber nichts zu tun. Händler beobachten seit Längerem, dass viele Banken solche Anleihen für sich selbst konstruieren, um sie als Sicherheiten für Leihegeschäfte mit der Europäischen Zentralbank (EZB) zu nutzen. Das Prinzip: Eine Bank bündelt Forderungen, verkauft sie an eine Zweckgesellschaft, die daraus eine Verbriefung konstruiert. Anschließend kauft sie der Zweckgesellschaft die Verbriefung wieder ab, um sich Geld von der EZB zu leihen, denn Notenbankgeld ist derzeit günstiger als die Kreditaufnahme am Kapitalmarkt. Die EZB verlangt aber Sicherheiten für das von ihr verliehene Geld, zum Beispiel ABS- und RMBS-Anleihen, sofern die gute Ratings haben. Die EZB selbst äußerte sich nicht dazu, ob mehr Banken ABS-Bonds als Sicherheiten hinterlegt haben.
Die Spanier sind bei der EZB-Leihe zwar die Eifrigsten, aber nicht die Einzigen. So räumte die niederländische Rabobank ein, eine 30 Mrd. Euro schwere Verbriefung strukturiert zu haben, um sie gegebenenfalls bei der EZB zu hinterlegen. Auch britische Banken sollen den Kniff genutzt haben, um bei der Bank of England anzuklopfen.
Das alles hat dazu beigetragen, dass das Emissionsvolumen von RMBS-Anleihen europaweit im zweiten Halbjahr mit 184 Mrd. Euro zwar unter dem der ersten sechs Monate lag, aber immer noch über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Eines muss man den Instituten lassen: Effizienter lassen sich Verbriefungen derzeit vermutlich nicht nutzen.