Ein Containerschiff unterquert die Golden Gate Bridge bei Sausalito
Hoffnung, dass noch nicht alles zu spät ist, macht Gann aber auch: Das Ocean Voyages Institute lasse in Kürze das Forschungsschiff "Kaisei" von den Leinen, um sich dem Problem und seiner Lösung auf hoher See zu nähern. Und selbst die Vereinten Nationen weiß Gann auf seiner Seite: Deren Umweltprogramm habe das "Project Kaisei" erst neulich mit Blick auf die Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen Ende 2009 zum "Klimahelden" ernannt.
Sicher: Trimtabs und Gann gehören als Anbieter von Fondsdaten nicht gerade zu den Verursachern der größten Krise seit, sagen wir, der Bronzezeit. Und doch scheint es, als ob immer mehr Vertreter der Finanzbranche allmählich das schlechte Gewissen plagt und sie öffentlichkeitswirksam ihr Herz für Mensch und Umwelt entdecken. Da ist zum Beispiel der frühere Lehman-Brothers-Banker Rudolf Wötzel, der in "Bild am Sonntag" und bei "Beckmann" von seiner Sinnkrise erzählt und davon, wie er über die Alpen von Salzburg nach Nizza gewandert ist. Um den Kopf freizukriegen. "Projekt Hannibal" hat er das genannt. Und eine Wohltätigkeitsorganisation hat der Wötzelrudi gleich auch noch gegründet.
Da sind die Geschichten vieler Investmentbanker, die ihren Job und ihr erstes Leben verloren und ein zweites gefunden haben - als Kindergärtner, Lehrer oder Hanfpflanzer.
Deutsche Bank misst CO2 in Echtzeit
Und da ist, natürlich, die Deutsche Bank, die auf Öko macht und fast im Alleingang die CO2-Katastrophe aufhalten will. Erst vergangene Woche hatte das Institut den nach eigenen Angaben weltweit ersten wissenschaftlich anerkannten "Echtzeitzähler" gestartet, der CO2-Emissionen misst. Die 21 Meter hohe Anzeigetafel zeigt an, wie hoch die weltweite Konzentration langlebiger Treibhausgase in der Atmosphäre ist - und das mitten im Herzen der Finanzkapitale New York, nahe Madison Square Garden und Penn Station.
"Treibhausgase kann man nicht sehen, deshalb vergisst man leicht, dass sie sich schnell ansammeln", wusste Kevin Parker, der Chef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, bei der Einweihung in Manhattan fachkundig zu berichten.
Ihre markanten "Zwillingstürme" im Frankfurter Bankenviertel trimmt die Bank ohnehin gerade auf Grün. Ab 2013 will der gesamte Konzern sogar weltweit völlig klimaneutral arbeiten - passend zum Ende der Laufzeit des Vertrages von Josef Ackermann, der spätestens dann wohl endlich in Rente darf.
Womöglich gründen die honorigen Initiativen auf echter Sorge um Natur und Gesellschaft. Vielleicht sind die Finanzmanager - nachdem das Gröbste dank Staatshilfe überstanden scheint - aber auch einfach nur froh, überhaupt noch da zu sein. Dankbarkeit - das wäre tatsächlich einmal eine Lehre dieser Krise.