Wer in diesem Jahr den Mut hatte, sich ein paar Kaufoptionsscheine auf den DAX ins Depot zu legen, kann sich freuen. Denn trotz Euro-Krise und Wirtschaftsabschwung stieg der deutsche Standardwerteindex um 25 Prozent. Mit Optionsscheinen ließ sich dieser Wert beträchtlich steigern.
Optionsscheine (englisch Warrants) sind die Klassiker unter den Hebelprodukten. Sie zählen zu den riskanten Anlagepapieren, sind aber einfach zu verstehen: Mit Call-Optionsscheinen setzen Anleger auf steigende, mit Put-Scheinen auf fallende Kurse des Basiswerts. Der Käufer erwirbt mit diesen Papieren das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Das Recht kann er entweder während der Laufzeit (amerikanische Option) oder zum Laufzeitende (europäische Option) ausüben.
Angenommen, der Basiswert, auf den sich ein Call-Schein bezieht, ist eine Aktie, die bei 10 Euro notiert. Der Basispreis beträgt 11 Euro, der Preis des Scheins 1 Euro. Zum Laufzeitende hat der Käufer das Recht, die Aktie zu 11 Euro zu kaufen. Steigt der Aktienkurs bis zur Fälligkeit auf 13 Euro, so beträgt der innere Wert des Papiers 2 Euro, da der Anleger theoretisch die Aktie für 11 Euro kaufen und sie für 13 Euro verkaufen könnte. In der Praxis wird der Ertrag automatisch in das Anlegerdepot gebucht. Der Gewinn beträgt unterm Strich 1 Euro (ohne Berücksichtung von Gebühren und Nebenkosten), was einem Plus von 100 Prozent des investierten Kapitals entspricht. Die Aktie ist in der gleichen Zeit nur um 30 Prozent gestiegen. Der Anleger konnte also den Kursgewinn hier um ein Vielfaches hebeln.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Erfüllen sich die Markterwartung nicht, kann dies den Totalverlust des eingesetzten Geldes bedeuten. Für die Preisentwicklung von Standardoptionsscheinen spielt die erwartete Schwankungsbreite (implizite Volatilität) des Basiswerts während der Laufzeit eine wichtige Rolle. Eine steigende Volatilität erhöht den Kurs von Call- und Put-Optionsscheinen. Der Grund: Werden die Kursausschläge beim Basiswert größer, erhöhen sich auch die Gewinnchancen der Optionsscheine. Das gilt auch umgekehrt. Sinkt die Volatilität, verlieren Optionsscheine an Wert.
Zurzeit ist die Volatilität niedrig, der Einstiegszeitpunkt also günstig. So notiert der VDAX-New , der die erwartete Schwankungsbreite des DAX für die nächsten 30 Tage misst, bei rund 15 Punkten - so tief wie seit Jahren nicht mehr.