Eine gute Rendite reicht vielen Anlegern nicht mehr. Sie wollen ihr Geld nach ökologischen und sozialen Kriterien investieren. Bei der nachhaltigen Kapitalanlage lauern indes die gleichen psychologischen Fallen wie beim herkömmlichen Investment. Wir erklären, wie sich Fehler vermeiden lassen.
Wer Geld investieren und für seine Altersvorsorge in die eigenen Hände nehmen will, sollte seine Anlagestrategie zeitlebens immer wieder auf den Prüfstand stellen. Denn nicht nur Kapitalmärkte und steuerliche Rahmenbedingungen unterliegen Veränderungen. Vor allem neue Lebensabschnitte machen Anpassungen in der Altersvorsorge notwendig.
Ob Berufsanfängerin, Familiengründer oder Senior - in jedem Lebenskapitel gilt es als Anleger, sein Portfolio den jeweiligen Bedürfnissen anzupassen. Hauptgrund dafür ist die verbleibende Zeit bis zur Rente - je kürzer sie ist, desto weniger Risiken sollten Anleger bei ihrem Kapitalaufbau und den Renditeerwartungen eingehen.
Wer als Berufsanfänger seine Rücklagen erst in mehr als 30 Jahren benötigt, kann alle Chancen beim Investment am Aktienmarkt nutzen und auch zwischenzeitliche Rückschläge verdauen. Der Erhalt des über Jahrzehnte angehäuften Vermögens hat dagegen erste Priorität, wenn der Renteneintritt bevorsteht.
Erster Grundsatz für alle jungen Sparer: Zeit ist bei der Altersvorsorge bares Geld wert. Berufseinsteiger sollten daher nicht lange fackeln und möglichst schon vom ersten Gehalt einen Teil in die eigene Altersvorsorge stecken. Der erste in den Kapitalaufbau gesteckte Euro ist der wichtigste, denn er arbeitet länger als alle folgenden.
Ob festverzinsliche Geldanlagen oder Dividendenpapiere - wer frühzeitig mit der Geldanlage beginnt und am Ball bleibt, hat einen starken Verbündeten auf seiner Seite: den Zinseszinseffekt. Denn Zinsen, die wieder und wieder verzinst werden, sorgen für einen ergiebigen Schneeballeffekt bei der Geldanlage.
Außerdem, das ist der zweite Grundsatz für Berufsanfänger, tut Risiko in jungen Jahren im Vergleich zum späteren Alter nicht weh. Wer regelmäßig risikobehaftete Aktien oder Fondsanteile kauft, braucht sich über vorübergehende Kursrückgänge nicht zu ärgern: Im Abschwung erhält er für die gleiche Summe entsprechend mehr Anteile.
Steigen die Kurse wieder, profitiert er vom billigen Einstiegskurs. Auf lange Sicht zahlt ein regelmäßiger Anleger, der stets den gleichen Geldbetrag investiert, dank des sogenannten Durchschnittskosteneffekts einen günstigeren Stückpreis als jemand, der etwa einmalig eine hohe Summe in Aktien investiert.
Je jünger ein Anleger ist und je sicherer seine berufliche Perspektive ist, desto höher kann der Aktienanteil in seinem Depot sein. "Als Maßstab für die Aktienquote kann allgemein die Faustregel 100 minus Lebensalter genommen werden", rät Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors: "Für einen 30-Jährigen ist also eine Aktienquote von 70 Prozent zu empfehlen. Angesichts seiner Lebenserwartung kann er noch viele Höhen und Tiefen an der Börse aussitzen."
Mit fortschreitendem Alter sollten Sparer den Anteil risikoreicher Aktien in ihrem Depot schrittweise verringern. Das kann auch ganz praktische Gründe haben: Haben Anleger etwa eine Familie gegründet, stehen bisweilen größere Anschaffungen oder sogar der Bau eines Eigenheims an. Dann sollten sie Zugriff auf einen in weniger risikobehafteten Geldanlagevehikeln wie beispielsweise Anleihen geparkten Teil ihrer Ersparnisse haben.
Gleichzeitig sollten sie jedoch ihre langfristige Vermögensplanung keinesfalls völlig umwerfen und auf Renditechancen durch Aktien verzichten - denn keine andere Anlageklasse liefert im Vergleich und im langjährigen Durchschnitt mit bis zu acht Prozent eine ähnlich hohe Rendite. Eine Analyse des Deutschen Aktieninstituts (DAI) aller Anlagezeiträume von 1949 bis 2009 zeigt, dass die Renditen bei einjähriger Anlagedauer zwischen 152 Prozent im besten und einem Verlust von 43,9 Prozent im schlechtesten Jahr streuen. Bei längeren Zeiträumen ergibt sich dagegen eine Glättung der Durchschnittsrenditen. So lag beispielsweise das schlechteste Ergebnis aller 25-jährigen Anlagezeiträume bei 4,8 Prozent per annum, das beste hingegen bei 13,5 Prozent. Bei den 30-jährigen Anlagehorizonten schwankten die Renditen sogar nur zwischen 5,6 und 9,7 Prozent. Fazit: Geduld zahlt sich an der Börse aus.
Rückt das Rentenalter dagegen in greifbare Nähe, ist eine Übergewichtung volatiler Aktien keine gute Idee mehr. Bereits rund zehn Jahre vor Renteneintritt sollten Anleger ihre Strategie zugunsten eines Kapitalerhalts grundlegend ändern und den Anteil von Unternehmenspapieren in ihrem Depot bei günstigen Gelegenheiten sukzessive verringern.
Wer die Veräußerung großer Aktienpositionen noch möglichst lange hinauszögern will, läuft Gefahr, ausgerechnet in einem langen Abschwung auf einen Verkauf angewiesen zu sein. Ganz auf null müssen aber auch Senioren ihren Anteil renditeträchtiger Anlageformen nicht reduzieren. Schließlich bietet ihnen die gesetzliche Rente eine Grundabsicherung. Dank gestiegener Lebenserwartung können auch spätere Aktienverkäufe zu höheren Kursen den Lebensabend noch gehörig versüßen.
Letztlich sind auch jährliche Dividendenzahlungen nicht zu verachten. Dennoch: Vermögenserhalt steht im dritten Lebensabschnitt an erster Stelle. Als Faustregel gilt: Je geringer die Ersparnisse sind, desto konservativer sollten Senioren investieren. Ein hoher Anteil an Barreserven, die je nach Verfügbarkeitswunsch in Tagesgeld- oder Festgeldkonten geparkt werden können, ist dann empfehlenswert.