Profianleger zeigen sich besorgt über die Flaute am Wandelanleihemarkt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben Unternehmen nach Zahlen des Datendienstleisters Dealogic für knapp 27 Mrd. Dollar neue Papiere aufgelegt. Sollte die Zahl der Neuemissionen in den kommenden Monaten nicht steigen, wäre dieses Jahr das schwächste seit 1995. Insbesondere in Europa sind die Firmen zurückhaltend: Europäische Firmen haben von Januar bis Juli Wandelanleihen mit einem Volumen von nur 7 Mrd. Dollar aufgelegt, allein 3 Mrd. Dollar davon brachte eine Optionsanleihe von Siemens . "Die Nachfrage ist groß, aber es gibt kaum Angebote", sagt Roland Hotz, Portfoliomanager beim Wandelanleihespezialisten Fisch Asset Management.
Anleger interessieren sich seit einigen Monaten wieder verstärkt für Wandelanleihen, auch Convertible Bonds oder kurz Convertibles genannt. Die Papiere lassen sich nach Wunsch zu einem bestimmten Zeitpunkt und Preis in Aktien umtauschen. Sie machen deshalb, so die Faustregel, zwei Drittel der Aufwärts-, aber nur ein Drittel der Abwärtsbewegungen von Aktien mit. Das funktioniere derzeit auch in der Praxis gut, urteilt Frederik Hildner, Portfoliomanager beim Wandelanleihespezialisten Salm-Salm & Partner. "Selbst in Seitwärtsmärkten ist von Wandelanleihen ein leichtes Plus zu erwarten." Darüber hinaus seien die Preise für die Papiere akzeptabel. Das schwache Angebot hat zwar die Preise getrieben, zu teuer sind Convertibles nach Ansicht von Portfoliomanagern aber noch nicht.
Der Hauptgrund für die Flaute am Markt: Unternehmen haben es zurzeit schlicht nicht nötig, sich per Wandelanleihe frisches Geld zu besorgen. Sie sind überwiegend gut aufgestellt, Kredite sind dank der niedrigen Zinsen günstig, und bei der Emission herkömmlicher Anleihen müssen solide Firmen momentan nur niedrige Kupons zahlen. Weil die Aktienkurse mittelfristig eher steigen als fallen dürften, sind Convertibles für Unternehmen dann vergleichsweise unattraktiv. Denn wenn sich der Markt erholt, dürften viele Investoren die Wandeloption nutzen und damit Aktien zu günstigen Konditionen bekommen.
Neue Emissionen sind also vor allem zu erwarten, wenn die Zinsen oder die Aktienkurse nicht mehr steigen, frühestens aber nach der Sommerpause. "Man hört gerüchteweise, dass in Deutschland einige Neuemissionen in der Pipeline sind. Vor September dürfte man aber nichts Neues erfahren", sagt Hildner von Salm-Salm & Partner.
Kurzfristig behelfen sich Vermögensverwalter, mit Käufen am Zweitmarkt. Langfristig müssen sie sich aber wohl verstärkt außerhalb Europas umschauen. "Europa hat seit Jahren ein Emissionsproblem. Wer sich nur auf europäische Papiere konzentriert, bekommt allmählich Probleme, ein diversifiziertes Portfolio zusammenzustellen", sagt Marc-Alexander Kniess, Manager eines Wandelanleihefonds bei der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS.
Die Hoffnungen vieler Anlageprofis ruhen jetzt auf Asien. Dort geben immer mehr Unternehmen Wandelanleihen aus. In den vergangenen zwei Jahren waren es sogar mehr als in Europa. "Die Firmen sind in Europa meist unbekannt, aber qualitativ hochwertig", sagt Hotz von Fisch Asset Management.
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Viele asiatische Firmen können bislang keine Bewertungen großer Ratingagenturen vorweisen, kommen also für viele europäische Investoren nicht infrage. "Wir rechnen aber damit, dass in den nächsten Monaten mehrere Unternehmen ein Rating beantragen", sagt Hotz. Für Firmen wie den Telekommunikationsspezialisten China Unicom , das staatliche Singapurer Investmenthaus Temasek oder den chinesischen Immobilienkonzern Capitaland sei ein Sprung auf einen Investmentgrade-Status voraussichtlich kein Problem.
Für Privatinvestoren auf der Suche nach Einzeltiteln ist der asiatische Wandelanleihemarkt nach Ansicht von Experten aber nicht zu empfehlen. "Der Markt ist nicht einfach. Man muss sehr tief in die Analyse hineingehen", sagt Hildner von Salm-Salm & Partner. Der Blick nach Asien könne Anlegern aber einen Eindruck von der Zukunft des europäischen Marktes geben: In Japan dauert das Niedrigzinsumfeld seit Jahrzehnten an. Auch dort gibt es neue Wandelanleihen - nahezu ohne Zinszahlungen und mit hoher Prämie für die Wandeloption. Das könnte auch in Europa drohen: "Die Wandelanleihe wird nicht aussterben", sagt Hildner. "Aber die Konditionen werden sich dem Markt anpassen."