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Merken   Drucken   05.06.2012, 10:34 Schriftgröße: AAA

Geschlossene Fonds: Schwache Erträge schrecken Anleger ab

Privatanleger haben immer weniger Interesse an geschlossenen Fonds. Das liegt vor allem an den mageren Erträgen. Sie können mit den saftigen Prognosen der Emissionshäuser oft nicht mithalten.
© Bild: 2012 FTD-Grafik/Sophia Klipstein
Privatanleger haben immer weniger Interesse an geschlossenen Fonds. Das liegt vor allem an den mageren Erträgen. Sie können mit den saftigen Prognosen der Emissionshäuser oft nicht mithalten.
von Richard Haimann

Deutlich gesunkene Renditeaussichten verleiden immer mehr Anlegern die Zeichnung von Beteiligungsmodellen. Das zeigen die jüngsten Platzierungszahlen des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) und eine Studie der Ratingagentur Scope.

Danach konnten die im VGF organisierten Initiatoren im ersten Quartal dieses Jahres nur noch 592,9 Mio. Euro Eigenkapital bei privaten Zeichnern einwerben. Das entspricht einem Rückgang von 18,8 Prozent gegenüber dem im Vorjahreszeitraum generierten 730,2 Mio. Euro.

Die geschrumpften Platzierungszahlen gehen einher mit einem signifikanten Rückgang der prognostizierten Erträge. 2008 hatten Initiatoren ihren Anlegern im Schnitt noch Renditen von 6,4 Prozent in Aussicht gestellt. Im Verlauf der Finanzkrise wurden die Ertragserwartungen der Scope-Studie zufolge jedoch kontinuierlich zurückgefahren. "Im vergangenen Jahr betrug die durchschnittliche Prognoserendite nur noch 5,6 Prozent", sagt Scope-Chefanalyst Steffen Möller. "In den ersten vier Monaten dieses Jahres fiel sie weiter auf nur noch 5,4 Prozent."

Für diese Entwicklung sieht Möller zwei Ursachen. Zum einen legen die Emissionshäuser kaum noch neue maritime Beteiligungsmodelle auf. "Schiffsfonds hatten aufgrund des höheren Risikoprofils auch tendenziell höhere Prognoserenditen als andere Segmente", sagt Möller. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass die Risiken deutlich größer und die Renditechancen weit geringer waren als von den Initiatoren vorhergesagt. In der falschen Erwartung eines stark wachsenden Seehandels hatten Fondshäuser und Reedereien in den vergangenen Jahren weit mehr Containerfrachter und Tanker geordert, als benötigt werden. Dadurch sind die Charterraten eingebrochen. Rund 50 Fonds mussten deshalb bereits Insolvenz anmelden. Bei vielen anderen maritimen Beteiligungen mussten Anleger erhaltene Ausschüttungen zurückzahlen oder Nachschüsse leisten.

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Zudem haben die Emissionshäuser ihre Anlagestrategie bei Immobilienbeteiligungen geändert. Seit Ausbruch der Finanzkrise wurden immer häufiger Fonds emittiert, die Wohnungsanlagen oder langfristig an Nutzer bester Bonität vermietete Bürogebäude in besten Lagen erwerben. Weil auch institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen diese Immobilien suchen, sind deren Preise seit 2008 deutlich stärker gestiegen als die Mieten. Die Emissionshäuser mussten deshalb die Ertragsprognosen deutlich zurücknehmen. "Die durchschnittliche Prognoserendite geschlossener Immobilienfonds fiel von 6,5 Prozent im Jahr 2008 auf nur noch 5,1 Prozent im vergangenen Jahr", sagt Möller.

Die nun in Aussicht gestellten Erträge erscheinen vielen Anlegern angesichts der hohen Risiken jedoch zu gering. Zeichner eines geschlossenen Fonds gehen eine unternehmerische Beteiligung ein. Im Fall der Insolvenz ist ihr gesamtes eingesetztes Kapital verloren. Darüber hinaus ist das Geld der Anleger bis zur Auflösung der Fonds nach meist mehr als zehn Jahren in diesen gebunden. Zwar haben die Börsen Hamburg, Hannover und München eine Zweitmarktplattform für den Handel mit Anteilen von Beteiligungsmodellen eingerichtet. Ausstiegswillige Anleger müssen dabei aber meist deutliche Abschläge auf den ursprünglichen Anteilswert hinnehmen. Im April wurden Anteile geschlossener Immobilienfonds im Schnitt zu nur 46 Prozent des Nominalwerts an der Börse gehandelt, Schiffsfondsanteile gar nur zu 38 Prozent. "Nur in sehr seltenen Fällen ist es möglich, vorzeitig ohne Verlust aus Beteiligungsmodellen auszusteigen", sagt der Münchner Fachanwalt für Kapitalanlagerecht Peter Mattil.

Zusätzlich dürfte es viele Anleger abschrecken, dass die tatsächliche Rendite vieler Fonds in der Vergangenheit häufig niedriger ausfiel als von den Emissionshäusern prognostiziert. Auch künftig dürften etliche Fonds geringere Erträge abwerfen als zunächst in Aussicht gestellt. Das zeigen die Ratinganalysen von Scope. Dabei werden die Prognosen der Fondsanbieter einem Stresstest unterzogen. "Er simuliert die Auswirkungen von 10.000 möglichen Szenarien auf den Fonds", erläutert Scope-Finanzanalyst Ingo Büch. Aus dem Ergebnis wird der wahrscheinliche mittlere Durchschnittsertrag ermittelt.

In den vergangenen vier Jahren hat Scope insgesamt 434 Fonds diesem Stresstest unterzogen. Das Ergebnis weckt generelle Zweifel an den Renditeversprechen der Emissionshäuser: Bei zwei Dritteln der Beteiligungsmodelle lag die von Scope ermittelte Rendite unter den Prognoseversprechen der Emittenten.

 

  • FTD.de, 05.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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