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Merken   Drucken   12.09.2012, 08:20 Schriftgröße: AAA

Inflationsanleihen: Gefragte Mangelware

Das Niedrigzinsniveau macht die Konditionen von Inflationsanleihen unattraktiv. Anleger müssen gründlich suchen.
© Bild: 2012 DPA/Fredrik Von Erichsen
Das Niedrigzinsniveau macht die Konditionen von Inflationsanleihen unattraktiv. Anleger müssen gründlich suchen.

Anleger treiben neue Sorgen vor einer Geldentwertung um, nachdem die Europäische Zentralbank ein Programm zum unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen angekündigt hat. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Investments, die einen Inflationsausgleich bieten. Passend dazu bringt die Bundesagentur an diesem Mittwoch neue inflationsindexierte Anleihen auf den Markt. Diese sind mit einem Kupon von 0,1 Prozent ausgestattet. Der Nominalbetrag wird an den Verbraucherpreisindex der Euro-Zone angepasst.

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Auch die Emittenten von Zertifikaten haben Inflationsanleihen im Programm. Anders als beim Bund bleibt der Nominalwert bei den Bankprodukten jedoch stets auf dem Ausgangsniveau, in der Regel 100 Prozent. Allerdings sorgen Mindestkupons oder eingebaute Hebel, die sich an der Inflationsrate orientieren, insgesamt für bessere Konditionen gegenüber Inflationsanleihen des Bundes - ein Ausgleich für das vom Markt unterstellte höhere Ausfallrisiko der Geldinstitute.

Aufgrund der derzeit niedrigen Kapitalmarktzinsen sind die Konditionen neuer Papiere im Vergleich zu den von Zertifikaten, die vor zwei bis drei Jahren auf den Markt gekommen sind, jedoch um einiges unattraktiver. Zudem sind am Sekundärmarkt viele Papiere ausverkauft. "Nachfrage nach solchen Anleihen gibt es aktuell durchaus, wir würden deswegen auch ganz gerne etwas Neues auflegen. Aber die Konditionen sind für uns uninteressant", sagt Ingmar Alde, Zertifikateexperte bei der Bayerischen Landesbank.

Die Landesbank Berlin (LBB), ein Emittent mit vergleichsweiser guter Bonität, hat 28 Emissionen mit Inflationsausgleich ausstehen, 15 davon sind am Sekundärmarkt noch erwerbbar. Die Preise liegen jedoch über 100 Prozent - teilweise sogar deutlich. "Dies bedeutet, dass Käufer sich zwar über den Inflationsausgleich als Zins freuen dürfen, durch die Kursabschmelzung bis zur Fälligkeit jedoch Renditen unterhalb des Inflationsausgleichs erzielen werden", so eine LBB-Sprecherin.

Emittenten mit schlechterer Bonität "vergüten" Anlegern ihr höheres Ausfallrisiko in Form von besseren Konditionen. Zu diesen Häusern zählt die Royal Bank of Scotland . Auch bei den Schotten sind derzeit etliche Inflationsanleihen ausverkauft. Die hohe Nachfrage ist dafür aber nicht der einzige Grund: "Wir begeben die Anleihen auch für bestimmte Großkunden, die nur eine bestimmte Summe platzieren wollen", sagt RBS -Zertifikateexperte Kemal Bagci. Allerdings gibt der Emittent auch regelmäßig Produkte in die Zeichnung, sodass auch Privatanleger zum Zug kommen. Am Sekundärmarkt sind ebenfalls noch einige Papiere erhältlich.

Interessant ist eine bis 2017 laufende Anleihe: "Das Papier zahlt im ersten Jahr einen fixen Kupon von 2,5 Prozent pro Jahr, danach richten sich die Kupons nach der Inflationsrate mit einer Partizipationsrate von 140 Prozent", sagt Bagci. Damit ist das Produkt eine der wenigen derzeit am Markt erhältlichen Inflationsanleihen mit Hebel - bei hohen Preissteigerungsraten ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Kleines Manko: Inzwischen notiert der Kurs des Papiers deutlich über dem Nominalwert.

Zu den Papieren, die mit Mindestkupons statt mit Hebel arbeiten, gehört die 2,50-prozentige Inflationsanleihe von Morgan Stanley , die sich aktuell in der Zeichnung befindet. Im ersten Jahr ist ein Festzins von drei Prozent pro Jahr vorgesehen. In den Laufzeitjahren zwei bis sechs entsprechen die Zinszahlungen der Inflationsrate in der Euro-Zone, wobei jährlich mindestens 2,5 Prozent zur Auszahlung kommen. Am Ende der Laufzeit in fünf Jahren ist die Inflationsanleihe durch den Emittenten zu 100 Prozent kapitalgeschützt. "Morgan Stanley wird auch weiterhin Inflationsanleihen anbieten", sagt eine Sprecherin der US-Bank. Ebenfalls ein kuponorientiertes Papier ist die Inflationsanleihe 22 von der Société Générale : Der Fixkupon im ersten Jahr beträgt drei Prozent. Danach entsprechen die Kupons der Inflationsrate. Das Kapital ist somit zwar geschützt, die reale Rendite jedoch gleich null.

Wer mehr Ertrag will, muss auf den vollständigen Kapitalschutz verzichten. Interessant ist in dem Zusammenhang die im August 2009 emittierte Anleihe Inflation & Öl von BNP Paribas : Jeweils im August 2013 und 2014 sieht das Papier Kupons in Höhe der Inflationsrate plus vier Prozent pro Jahr vor, wenn der Ölindex S&P GSCI Crude Oil Excess Return an den Beobachtungstagen auf oder über der Barriere von 60 Prozent des Startwerts notiert. Auch für die Rückzahlung zum Nennwert ist diese Barriere ausschlaggebend. Angesichts des aktuellen Indexstands von rund 516 Punkten ist der Sicherheitspuffer zur Barriere, die bei 313,49 Zählern liegt, komfortabel.

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  • Aus der FTD vom 12.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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