Die Talfahrt des Euro scheint erst mal gestoppt, die europäische Gemeinschaftswährung hat sich gegenüber dem Dollar wieder etwas erholt. Das ist wohl zum Gutteil EZB-Chef Mario Draghi zu verdanken, der im Juni in einer Rede in London verkündete, die Europäische Zentralbank werde alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. "Die Lage hat sich etwas beruhigt", sagt Constantin Bolz, Analyst der Schweizer Bank UBS : "Die Märkte haben angefangen zu realisieren, dass ein Auseinanderbrechen des Euro höchst unwahrscheinlich ist."
Fluchtwährungen wie die schwedische und die norwegische Krone, die zuletzt kräftig zulegten, sind gegenüber dem Euro aber immer noch stark. Und das dürfte unabhängig von der Entwicklung in der Euro-Krise erst einmal so bleiben, sagt Bolz: "Viele Anleger sind auch deshalb nach Norwegen oder Schweden gegangen, weil es dort höhere Zinsen gibt. Das Geld dürfte nicht so schnell zurückfließen."
Privatleute müssen die Devisentrends nicht genau im Auge behalten. Wichtiger ist, dass ihr Portfolio überhaupt einen gewissen Anteil an fremden Währungen hat. Bei wem das nicht so ist, der kann sein Portfolio kaum diversifiziert nennen. Schließlich sind selbst US-Aktien streng genommen schon ein Fremdwährungsinvestment.
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Commerzbank-Stratege Chris-Oliver Schickentanz rät zu einer Fremdwährungsquote von 40 bis 45 Prozent, über alle Anlageklassen hinweg. "Diese Quote ist in den vergangenen Jahren gestiegen, weil viele Märkte liquider geworden sind", sagt er. "Die Euro-Krise hat auf die strategische Allokation aber keinen Einfluss." Anders sieht es mit der taktischen Allokation aus. Privatanleger können durchaus versuchen, kurzfristig Gewinn aus Wechselkursschwankungen zu schlagen. Wenn sie bereit sind, das hohe Risiko in Kauf zu nehmen, das Währungsinvestments üblicherweise bergen. "Währungen sind und bleiben eine volatile Anlageklasse", warnt Schickentanz. Wie sie sich entwickeln, lässt sich kaum vorhersagen, plötzliche Schwankungen sind möglich.
Als Anlageform kommen besonders Anleihen in Betracht. "Zusätzlich zu eventuellen Währungsgewinnen bieten sie noch den Kupon", sagt Schickentanz. Vor allem Anleihen aus Schwellenländern haben in der Regel höhere Zinsen als Papiere aus stabilen europäischen Ländern. Und das, obwohl viele Schwellenländer dank niedriger Staatsverschuldung und starkem Wirtschaftswachstum nach Ansicht von Analysten längst kein so riskantes Investmentterrain mehr sind. Ob Anleger zu Staats- oder Unternehmensanleihen greifen sollten, hängt von der Risikobereitschaft ab. Wichtiger ist, sich nicht auf Papiere aus einem Währungsraum zu beschränken. "Man sollte eine vernünftige Streuung vornehmen", sagt Schickentanz.
Fondsgesellschaften kommen dem Wunsch vieler Anleger nach Fremdwährungsinvestments entgegen. Sie bringen seit einiger Zeit immer mehr Produkte auf den Markt, die sich dezidiert an Investoren richten, die abseits des Euro investieren wollen. Die Produkte kaufen meist Staatsanleihen stabiler Länder außerhalb der Euro-Zone in lokalen Devisen, die Anbieter auch gern als Hartwährungen preisen. Neue Produkte müssen sich zwar erst noch beweisen. Für Privatanleger sind solche Vehikel aber ein vergleichsweise wenig riskanter Weg, sich außerhalb des Euro zu positionieren.