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  Grünes Geld FTD-Serie: Vermögen aufbauen mit gutem Gewissen

Eine gute Rendite reicht vielen Anlegern nicht mehr. Sie wollen ihr Geld nach ökologischen und sozialen Kriterien investieren. Bei der nachhaltigen Kapitalanlage lauern indes die gleichen psychologischen Fallen wie beim herkömmlichen Investment. Wir erklären, wie sich Fehler vermeiden lassen.

Merken   Drucken   25.11.2009, 08:00 Schriftgröße: AAA

Nachhaltige Geldanlagen: Nachhaltigkeit ist eine Frage der Definition

Viele Investmentgesellschaften bezeichnen ihre Produkte als nachhaltig. Anleger müssen selbst entscheiden, welche Kriterien für Nachhaltigkeit sie selbst anlegen wollen. von Hubert Beyerle
Auf den ersten Blick sind die Lehren aus der Finanzkrise einfach: Banker haben in großem Stil Geld verbrannt, indem sie Geschäfte gemacht haben, die sie selbst nicht ganz durchschaut haben - von denen sie aber ahnen mussten, dass sie nicht lange gut gehen konnten. Es mangelte offenbar an Nachhaltigkeit, Transparenz und auch an Ehrlichkeit gegenüber dem Kunden.
Nachhaltige Fonds profitieren von diesem Vertrauensverlust in konventionellere Geldanlagen. Zwar haben auch sie während der Finanzkrise teilweise deutlich an Performance verloren - vor allem diejenigen Anlagen, die Nachhaltigkeit thematisch verstanden haben, also etwa als Investition in Solar- und Windkrafttechnologien. Dennoch kamen auch nach der Krise immer noch neue nachhaltige Fonds auf den Markt.
"Es gab aus nachhaltigen Fonds kaum Nettoabflüsse. Es zeigt sich, dass nachhaltige Anleger in der Regel besser informiert und langfristiger orientiert sind", sagt Rolf Häßler, Direktor bei der Nachhaltigkeits-Ratingagentur Oekom Research aus München.
"Ein Kennzeichen für Nachhaltigkeit ist das noch nicht."
Anleger haben es jedoch nicht leicht, ihr Geld dorthin zu lenken, wo es wirklich nachhaltig angelegt ist. Denn "nachhaltig" nennen sich viele, aber wer meint es ernst? "Ein einfaches Kennzeichen gibt es nicht, das hier die Lightprodukte von den konsequent nachhaltigen unterscheidet ", sagt Häßler von Oekom Research. Immerhin gibt es vom Verband Eurosif ein Gütesiegel, das nur derjenige Anbieter bekommt, der bestimmte Transparenzkriterien einhält.
"Das schafft erst die Voraussetzung dafür, überhaupt urteilen zu können", sagt Häßler. "Ein Kennzeichen für Nachhaltigkeit ist das noch nicht." "Möglicherweise widerspricht es auch der Idee Nachhaltigkeit, überhaupt ein solches Schwarz-weiß-Kriterium zu schaffen", sagt Häßler. Nachhaltigkeit ist ein sehr vielfältiges Konzept, dass sich ständig weiterentwickelt.
Es kann kaum mit einem Gütesiegel festgehalten werden, das man einmal erwirbt und dann behält. "Wichtig ist", sagt Nachhaltigkeitsexperte Häßler, "dass die Anleger die Möglichkeit haben, sich die Produkte auszuwählen, die ihren eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit am besten entsprechen."
Anleger müssen sich selbst über die Fonds informieren
So bleibt dem Geldanleger nur, sich selbst kundig zu machen. Dazu gehört, sich die unterschiedlichen Varianten des Nachhaltigkeitskonzepts klar zu machen und sich zu entscheiden, was einem davon wichtig ist: Sozial, ökologisch, keine Kinderarbeit oder vor allem langfristig angelegt? Für jeden gibt es einen Schwerpunkt.
Einschlägige Webseiten wie die des Sustainable Business Institute (SBI) Oestrich-Winkel (www.nachhaltiges-investment.org) geben eine gute Orientierung über aktuelle Fonds mit nachhaltigem Schwerpunkt und listen auf, worauf es den Produkten jeweils ankommt. Ein anderer - eher ungewöhnlicher - Weg, auf Nachhaltigkeit zu achten, ist, sich das Management der Gesellschaften genauer anzuschauen.
Sind die Fondsmanager selbst am langfristigen Erfolg interessiert? Einen Hinweis darauf gibt etwa die Dauer, mit der eine Gesellschaft in der Vergangenheit ihre Manager mit einem Fonds betraut hat. Wenn ein Manager damit rechnen kann, dass er auch noch in zehn Jahren für seinen Fonds verantwortlich ist, dürfte er anders über langfristige Kursentwicklungen denken, als wenn er mit schnellem Wechsel rechnen kann.
Wie ist die Vergütung der Fondsmanger
Ähnliches gilt für die Gehaltsstrukturen. Laut der Vergütungsberatung "Personalmarkt" liegt der Prämienanteil bei Fondsmanagern ohne Leitungsverantwortung im Schnitt bei 31 Prozent des Grundgehalts. "Das ist verglichen mit anderen Bereichen relativ hoch, entspricht aber dem, was in Funktionen mit leicht messbarem Erfolg sonst auch variabel gezahlt wird", sagt Tim Böger, Geschäftsführer von Personalmarkt.
Ob allerdings diese hohen Prämien tatsächlich zu Kurzfristdenken verleiten, ist nicht einfach zu sagen. Das Problem dabei ist: Wie unterscheidet man, ob jemand kurzfristig auf Performance verzichtet, weil er nachhaltig denkt - oder unbeabsichtigt, weil er schlechte Titel für seinen Fonds ausgewählt hat?
Laut Londoner Personal-Beratungsfirma PRPi Consulting sind die Gehaltsstrukturen in der Fondsbranche im Schnitt tatsächlich langfristiger angelegt als bei Banken und Brokern. Rund 75 Prozent der Prämien würden jährlich ausgezahlt, allerdings auf der Basis von Ergebnissen der vergangenen drei bis fünf Jahre.
Noch hat der Anleger wenige Möglichkeiten, darüber etwas zu erfahren, aber das dürfte sich langsam ändern. Seit 2009 nimmt sich sogar die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin des Themas an und untersucht die Gehaltssysteme der Anlagegesellschaften. Ihr Verdacht: Auch Fondsmanager hatten in der Vergangenheit "schädliche Anreize zur Eingehung unverhältnismäßig hoher Risikopositionen".
  • FTD.de, 25.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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