Das Analysehaus Muddy Waters hatte den Skandal um Sino-Forest Anfang Juni losgetreten. Trotz der Absolution durch die Kommission, zu der neben Sino-Forest-Direktoren auch Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers und unabhängige Anwälte gehörten, bleiben Anlegern Zweifel.
Sino-Forest gehört zu den spektakulärsten Fällen von vermeintlichem Bilanzbetrug durch chinesische Unternehmen in diesem Jahr. Im Frühjahr kamen gleich mehrere solcher Vorwürfe gegen im Ausland gelistete chinesische Unternehmen auf: der Finanzsoftwareanbieter Longtop Financial, China Agritech und Chaoda gehörten dazu.
Sie alle haben das Vertrauen der Investoren in die Verlässlichkeit und Corporate Governance von Firmen aus der Volksrepublik tief erschüttert. Im Fall von Sino-Forest verkauften Großaktionäre wie Hedge-Fonds-Manager John Paulson ihre Aktien. Allein Paulson hat der Rückzug 500 Mio. Dollar gekostet. Die Marktkapitalisierung ist um 5,7 Mrd. Dollar geschrumpft. Seit August ist die Aktie vom Handel ausgesetzt, die Untersuchungen der Börsenaufsicht in Toronto, wo das Papier gelistet war, und der kanadischen Polizei dauern an.
Nach Angaben von Bankern haben es Firmen, die China oder Sino im Titel tragen, bis heute schwer, im Ausland an Kapital zu kommen. Ins Gerede sind vor allem chinesische Firmen gekommen, die durch die Hintertür den Weg an eine ausländische Börse gesucht haben. Statt ausführliche Prüfungen im Vorfeld einer Notierung zu durchlaufen, übernehmen sie ein relativ kleines, bereits börsennotiertes Unternehmen und nutzen diesen Firmenmantel für die Zulassung.
Gleichzeitig werfen die Vorfälle auch ein schlechtes Licht auf China-Analysten. In mehreren Fällen haben die Urheber der Betrugsvorwürfe Geld mit dem Leerverkauf von Aktien der beschuldigten Firmen verdient. Auch Muddy-Waters-Chef Carson Block nutzte die Vorwürfe gegen Sino-Forest dafür.