Anbieter geschlossener Fonds werben in Deutschland nach wie vor für ein gutes Dutzend Private-Equity-Investments, auch wenn die goldenen Zeiten für die Branche fürs Erste vorbei sein dürften. Die Subprime-Krise lässt die Banken bei der Kreditvergabe knausern, darum können die Private-Equity-Gesellschaften die Rendite ihrer Beteiligungen nicht mehr so problemlos wie früher durch eine hochgradige Fremdfinanzierung hebeln.
Für die Fonds dürfte es deshalb immer schwieriger werden, die angepriesenen Renditen zu erzielen. Wenn der zu verteilende Kuchen kleiner wird, beginnt die Diskussion über die Größe der einzelnen Tortenstücke in neuer Schärfe. Gerade Dachfonds, die die Anlegergelder nicht direkt, sondern über große Zielfonds in einzelne Unternehmensbeteiligungen investieren, stehen wegen ihrer doppelten Kostenstruktur häufig in der Kritik. Um zu sehen, welche Gebühren im Einzelnen verlangt werden, müssen Anleger mitunter ganz tief in den Prospekt einsteigen - doch ohne diese Arbeit lassen sich die verschiedenen Angebote nicht vergleichen. Die FTD gibt einen Überblick, welche Kostenkomponenten üblich sind und wie hoch die Gebühren in der Regel ausfallen.
Beim klassischen Dachfonds fallen Gebühren auf mehreren Ebenen an: Die deutsche Fondsgesellschaft, an die der Fondszeichner sein Geld überweist, kassiert einmalige und laufende Kosten sowie in einigen Fällen auch noch eine Gewinnbeteiligung. Das Gleiche gilt für die Zielfonds, in die der Dachfonds investiert. Sofern die Fondsgesellschaft nicht selbst, sondern wiederum über einen Dachfonds oder Wertpapiere wie Aktien, Zertifikate oder Genussrechte in die Zielfonds investiert, fallen auch auf diesen Ebenen meist einmalige und laufende Gebühren an.
Die einmaligen Kosten setzen sich bei deutschen Dachfonds üblicherweise zusammen aus Kosten für die Eigenkapitaleinwerbung - darunter das Agio für den Vertrieb -, für Konzeptionierung, Marketing, Rechts- und Steuerberatung sowie gegebenenfalls Treuhänder und Mittelverwendungskontrolle. Auch auf Ebene der Zielfonds sind Anlaufkosten üblich. Während der Laufzeit der Fonds sind Managementvergütungen sowohl auf Zielfonds- als auch auf Dachfondsebene zu leisten. Skeptisch sollten Anleger werden, wenn die Fondsgesellschaft zur Zahlung von Managementvergütungen verpflichtet ist, obwohl sie nur in einen einzigen Zielfonds investiert. In jedem Fall zu empfehlen ist eine überschlägige Kalkulation der gesamten laufenden Kosten über alle beteiligten Ebenen.
In der Regel fallen einmalige und laufende Kosten unabhängig von der Ertragslage der Fondsgesellschaft an, auch wenn sie als "Gewinnvorab" bezeichnet werden. Positiv für den Anleger ist schon zu werten, wenn sie nur bei ausreichender Liquiditätslage der Fondsgesellschaft fällig und ansonsten gestundet werden. Erst recht profitiert von echten Veräußerungsgewinnen des Dach- und Zielfonds üblicherweise deren Management. Hier fällt der sogenannte Carry oder Carried Interest an. Für seine Berechnung kann das Fondsmanagement ganz unterschiedliche Mechanismen zugrunde legen. Im häufigsten Fall werden aus den Rückflüssen der Zielunternehmen oder der Zielfonds zunächst die laufenden Kosten des Fonds gedeckt. Danach erhält zunächst der Anleger seine jährliche Grundverzinsung, die sogenannte Hurdle, bevor das Fondsmanagement seinen Anteil an den darüber hinausreichenden Gewinnen abzieht. Wenn das Fondsmanagement den Anteil am Gesamtgewinn, der ihm zuvor wegen der bevorzugten Auszahlung an die Anleger entgangen war, aufholen darf, spricht man von einer "Catch up"-Regelung.
Optisch schreckt der Carry am meisten ab, da er häufig zehn Prozent überschreitet. Bei direkt investierenden Fonds sind es in der Regel bis zu 20 Prozent. Für den Anleger viel wichtiger sind jedoch Anfangs- und laufende Kosten sowie die Höhe der Hurdle: Die Anlaufkosten eines Dachfonds reichen in Deutschland von knapp fünf bis beinahe neun Prozent des Nominalkapitals und mindern direkt das zur Verfügung stehende Investitionskapital. Inklusive Agio fließen in der Regel mindestens zehn Prozent des vom Anleger gezahlten Betrags nicht in das gewählte Investment. Ähnlich wachsam sollte man die laufenden Kosten beobachten: Da sie in der Regel bevorrechtigt aus den Rückflüssen oder sogar aus der Liquidität bedient werden, schmälern sie direkt die Rendite des Anlegers, und zwar bevor er überhaupt einen einzigen Cent aus seinem Investment erhalten hat. Auf Ebene des Dachfonds sollten sie nicht über 1,5 Prozent jährlich liegen. Auf Ebene der Zielfonds kommen noch einmal ein bis zwei Prozent dazu. Insofern ist der Carry deutlich harmloser: Da er erst nach einer Grundverzinsung für den Anleger berechnet wird, profitiert hier das Fondsmanagement tatsächlich nur von außerordentlichen Gewinnen. Der Anleger sollte also darauf achten, dass die Hurdle mindestens seiner persönlichen Renditeerwartung entspricht.
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