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Merken   Drucken   15.10.2009, 15:55 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Cleverer Strom für die Haushalte

Nach dem Einzug des Internets in die Haushalte steht eine neue technische Revolution bevor: Intelligentes Energiemanagement. Cisco, Siemens und andere Spezialisten sehen das Potenzial, damit hohe Gewinne zu erzielen. von Erich Gerbl
Ein intelligentes Energienetzwerk, das Versorger mit Kunden verbindet, die Vernetzung von Haushaltsgeräten ermöglicht und die Verbraucher überflüssigen Strom zurück ins Netz speisen lässt - davon träumen Konzerne und Börsianer. General-Electric -Chef Jeff Immelt bezeichnet die sogenannten Smart Grids als die größte Investitionschance der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Vergleiche mit dem Internet-Hype werden laut, wobei das Potenzial des innovativen Stromnetzes das Internet weit übertreffen soll.
Laut Cisco -Chef John Chambers wird Smart Grid 10- bis 100-mal so groß wie das Internet. Denn Strom ist überall im Einsatz. Während beim Internet nur Computer und Server eingebunden sind, wandeln sich beim Smart Grid sämtliche elektronischen Geräte zu Knotenpunkten im Netz. Sekundengenau wird der Strom gemessen, werden die Stromkosten analysiert und die Geräte entsprechend gesteuert.
Aktien mit Smart-Grid-Fantasie   Aktien mit Smart-Grid-Fantasie
Selbst wenn die Euphorie zu groß sein sollte: Das intelligente Stromnetz kommt, und es wird bedeutend sein. Das Potenzial wird auf 30 bis 60 Mrd. $ (20,1 bis 40,3 Mrd. Euro) geschätzt, 10 bis 20 Prozent des Volumens der gesamten Stromübertragung. Eine ganze Reihe von Konzernen hat sich bereits in Stellung gebracht. Bei Cisco Systems wandert der Fokus in der Unternehmensstrategie in Richtung Strom. Wie Cisco will sich auch Siemens am Aufbau der Infrastruktur beteiligen. Die Deutschen haben eine breite Palette an Produkten zu bieten und erwarten sich in den nächsten fünf Jahren Smart-Grid-Umsätze von bis zu 6 Mrd. Euro.
Auch ABB  ist ein Hersteller für Technologien zur Verteilung und Übertragung von Strom und will sich Erlöse in Milliardenhöhe sichern. Da die Produktpalette von ABB Lücken in der IT-Infrastruktur aufweist, arbeiten die Schweizer in diesem Segment mit IBM zusammen. Der IT-Riese lässt sich die Smart-Grid-Chance nicht entgehen und hat ein Projekt namens Smart City ins Leben gerufen. In der US-Stadt Dubuque testen 60.000 Bewohner eine intelligente Energieinfrastruktur. Der Suchmaschinenriese Google  entwickelte eine Software zur Überwachung des Stromverbrauchs. Googles Partner General Electric rechnet allein für das sogenannte Smart Metering - die intelligente, digitale Strommessung - mit einem Umsatz von 3 bis 5 Mrd. $. Exakte und überall abrufbare Stromzählung ist für die Dezentralisierung einer der wichtigsten Grundpfeiler.
Während das intelligente Energienetz für Großkonzerne zu einem wichtigen Standbein werden dürfte, stehen einige kleinere Firmen bereits mit beiden Beinen im Smart-Grid-Geschäft. Bei diesen Aktien sind die Chancen, aber auch die Risiken weit größer. Itron produziert Soft- und Hardware zur Messung, Analyse und zum Management von Energie und Wasser. Die Produkte schlagen etwa Alarm, wenn sich der Energieverbrauch ungewöhnlich stark verändert.
Auf Software zur intelligenten Verwaltung von Strom hat sich Enernoc spezialisiert. Mit den Lösungen werden Spitzenlasten verwaltet und Sparmöglichkeiten aufgedeckt. So dimmen die Enernoc-Programme die Straßenbeleuchtung, um in wichtigeren Bereichen die Versorgung aufrechtzuerhalten. Eine heiße Smart-Grid-Aktie ist auch Echelon. Das noch in roten Zahlen steckende Unternehmen versucht, sein NES-System als Rückgrat des Smart Grid zu positionieren. Die Netzwerksoftware und die Stromzähler sollen den Energieeinsatz optimieren und können mit den verschiedensten Geräten verbunden und über das Internet miteinander vernetzt werden. So soll Energiemanagement im Privathaushalt möglich werden.
  • Aus der FTD vom 16.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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