Trotz des Erdbebens in Japan, der Schuldenkrise in Europa und den Konjunkturängsten in den USA: Der Luftfahrtmarkt wächst. Allein seit Januar ist das Verkehrsaufkommen um vier Prozent gestiegen. Die Airlines erwarten weitere Zuwächse - und ordern eifrig Flugzeuge. Der US-Konzern Boeing rechnet für die nächsten 20 Jahre mit einem Bedarf an 33.500 neuen Fracht- und Passagiermaschinen. Diese Flugzeuge müssen finanziert werden. Der eine oder andere Flieger wird wohl in einem geschlossenen Fonds landen.
Die Anleger wird es freuen, sie fliegen auf diese Beteiligungsmodelle. Alleine im ersten Quartal 2011 legten die Platzierungszahlen bei Flugzeugfonds im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent zu. Flugzeuge waren mit 113 Mio. Euro nach Immobilien das zweitstärkste Anlagegut.
Gelockt werden die Anleger mit dem Riesenflieger A380 und bonitätsstarken Fluglinien wie Air France, Singapore Airlines oder Emirates. Das derzeit größte Passagierflugzeug des Herstellers Airbus ist bei Anlegern besonders beliebt. Die Fonds von Hansa Treuhand, Doric, Dr. Peters oder Hannover Leasing verkauften sich außergewöhnlich schnell.
Einige Risiken blenden Anleger dabei aus. So ist bei einem neuen Flugzeugtyp völlig unklar, wie es nach dem Ablauf des ersten Leasingvertrags weitergeht. "Wenn man in die Weitervermietung kommt, kann sich die Fremdfinanzierung als Problem erweisen. Insbesondere, wenn das Flugzeug zu teuer eingekauft wurde", sagt Hannover-Leasing-Geschäftsführer Andreas Ahlmann. Nach zehn Jahren wird der Flieger kaum noch zu den hohen Konditionen des Erstleasings zu vermieten sein.
Noch schlimmer ist es, wenn der Leasingnehmer überraschend pleitegeht. Als die Regional-Airline Hamburg International im Oktober 2010 in die Insolvenz flog, gerieten auch vier geschlossene Fonds in Turbulenzen. Einige Maschinen konnten zwar an andere Gesellschaften weitervermietet werden, doch nur zu niedrigeren Konditionen. Die Ausschüttungen für Anleger fielen aus. Denn Zinsen und Tilgungen laufen weiter. Die Belastung ist umso stärker, je höher der Kreditanteil ist.
Wie teuer das für Anleger werden kann, erfuhren in den vergangenen Monaten vor allem Zeichner von Schiffsfonds. Bei Frachtern, die ohne Beschäftigung fest in den Häfen lagen, brachten die Ausgaben für Zinsen, Tilgung und die Betriebskosten einige Fonds an den Rand des Ruins. Die Anleger mussten erhebliche Summen in ihre Fonds nachzahlen, um zu verhindern, dass die Banken die Schiffe weit unter Wert verschleudern - und sie am Ende alles verlieren.
Möglich ist das auch bei Flugzeugfonds. Im Gegensatz zu Schiffsfonds fallen die laufenden Kosten für Wartung, Parkgebühren und Versicherungen zwar wesentlich geringer ins Gewicht. Zinsen und Tilgungen müssen allerdings auch hier erbracht werden.