Wer einmal zu optimistisch war, will beim nächsten Mal auf der sicheren Seite sein - und kalkuliert künftig mit großem Sicherheitspuffer. Doch auch dieser kann sich als zu klein entpuppen, zeigt das Beispiel der "Deepsea Oil Explorer". 5500 Anleger der Hamburger Initiatoren MPC und HCI müssen inzwischen froh sein, wenn sie ihren Ausflug in die Welt der Tiefseeölförderung überhaupt noch mit Gewinn beenden. Die einst gegebenen Prognosen sind keinesfalls zu halten, wurde auf einer Gesellschafterversammlung am Freitag klar.
Vor drei Jahren hörte sich alles noch so schön an: Privatanleger können erstmals an einem Geschäft teilhaben, das bislang Ölkonzernen vorbehalten war. Die Erkundungsplattform "Deepsea Oil Explorer" sucht für den Energiekonzern Petrobras vor Brasiliens Küste nach Öl. Beim Anleger kommen schon für das erste volle Geschäftsjahr 9,4 Prozent Ausschüttung an, insgesamt fließen laut Prognose bis 2024 stolze 328 Prozent der Einlage zurück an die Zeichner. MPC und HCI sammeln fast 210 Mio. Dollar ein, inklusive Kredit kommen 680 Mio. Dollar zusammen.
Bittere Nachricht für Anleger
Kaum ist das Geld eingeworben, müssen die Anleger eine bittere Nachricht verdauen: Der Generalunternehmer SBM kann die Plattform nicht pünktlich liefern. Im Juli 2010 nicken die Fondszeichner notgedrungen ein Sanierungskonzept ab: Um zusätzliche Zinsen, Kosten für Anwälte, Strafzahlungen und Bankgebühren finanzieren zu können, sollen per Anleihe 100 Mio. Dollar bei professionellen Investoren eingesammelt werden - zu stattlichen Zinsen von rund zwölf Prozent. Doch immerhin: Wäre die neue Prognose aufgegangen, wäre der Gesamtmittelrückfluss bloß von 328 auf 306 Prozent gesunken - und die Anlegerschaft mit einem blauen Auge davongekommen.