Durch die Novellierung des Investmentgesetzes ist es Kapitalanlagegesellschaften seit Jahresbeginn erlaubt, offene Infrastrukturfonds als neue Produktgattung aufzulegen. Mit ihnen sollen Fondsanbieter Kapital bei Privatanlegern einsammeln und damit neue Autobahnen, Häfen und Neubauten kommunaler Einrichtungen - vom Rathaus bis zum Hospital - finanzieren. Da Privatanleger bereits mehr als 75 Mrd. Euro in offene Immobilienfonds investiert haben, hatte die Regierung auf einen Geldregen für die neuen Produkte gehofft.
Doch die Gesellschaften winken ab. "Wir sind bei Modetrends vorsichtig", sagt eine Sprecherin von SEB Asset Management. "Ein offener Infrastrukturfonds ist bei uns nicht geplant", sagt ein Sprecher der Deutschen Bank. "Privatanleger können schon jetzt über uns in Aktien einzelner Unternehmen aus dem Bereich Infrastruktur sowie in Aktienfonds mit entsprechenden Schwerpunkten investieren."
Ein Sprecher einer weiteren Fondsgesellschaft sagt: "Die Rahmenbedingungen der offenen Infrastrukturfonds machen sie für Privatanleger unattraktiv." Bei offenen Immobilienfonds können Anleger börsentäglich ihr Geld abziehen. Das ist bei den neuen PPP-Fonds nicht möglich. Nur einmal im Jahr und nur nach mehrmonatiger Vorankündigung sollen sie ihre Anteile zurückgeben können. Damit will die Bundesregierung sicherstellen, dass Infrastrukturfonds immer liquide bleiben. Ein weiteres Problem ist das deutsche Steuerrecht. "Da pro Jahr nur zwei Prozent der Investitionssumme abgeschrieben werden dürfen, lassen sich keine attraktiven Renditen erzielen", sagt die SEB-Sprecherin.
Die Zurückhaltung der Fondsgesellschaften ist ungewöhnlich. "Bei der Einführung von Altersvorsorgefonds waren die ersten Produkte sehr zeitnah am Markt", sagt ein Sprecher des Fondsverbands BVI. Ihr Zögern könnte auch mit der Kritik zu tun haben, mit der sich die australische Macquarie Bank, der weltweit größte Anbieter von Infrastrukturfonds, vergangenes Jahr auseinandersetzen musste. "Wir beobachten, wie sich die Situation bei Macquarie entwickelt", sagt ein deutscher Fondsmanager. Die Australier waren zum Angriffsziel des bekannten Short-Sellers Jim Chanos geworden, der als erster vor den Bewertungsmethoden bei Enron warnte. Der Chef von Kynikos Associates wettet auf fallende Aktienkurse und warf Macquarie vor, einen Teil der Ausschüttungen nicht durch Gewinne, sondern über Kredite finanziert zu haben.
Macquarie hat bereits öffentlich den Behauptungen von Chanos widersprochen. "Die Ausschüttungen der Fonds orientieren sich am Cashflow, und die große Mehrheit der Dividenden stammt aus den operativen Cashflows der Portfolio-Unternehmen", sagt Martin Stanley, Leiter des europäischen Infrastrukturgeschäfts von Macquarie. "Die Infrastrukturfonds haben für ihre Investoren über die vergangenen 13 Jahre eine Rendite von 18,3 Prozent pro Jahr erwirtschaftet."
Stanley räumt ein, dass einige Fonds Ausschüttungen aus Krediten geleistet hätten. Doch habe es sich hier um Projekte gehandelt, die noch im Bau befindlich waren und deswegen noch nicht genug Mieteinnahmen erzielten. "Im Schnitt beträgt der Fremdkapitalanteil unserer Fonds 57 Prozent", sagt er. Damit liegt die Verschuldungsrate nur leicht über der maximalen Fremdkapitalquote von 50 Prozent, die deutsche offene Immobilienfonds aufweisen dürfen.
In Australien, Großbritannien und Irland ist es seit Jahren üblich, dass Unternehmen auf eigene Kosten für Kommunen Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen bauen. Dafür verpflichtet sich die öffentliche Hand, die Objekte für Jahrzehnte anzumieten. Die Regierungen übertragen privaten Konzernen und Kapitalgebern das Recht, Infrastrukturprojekte wie Straßen, Häfen und Flughäfen zu errichten, zu betreiben und dafür Maut- und Nutzungsgebühren zu kassieren.
Seit Jahren versucht auch die Bundesregierung, Kommunen und Firmen für PPP-Projekte zu begeistern. Bislang mit mäßigem Erfolg. Nach dem von Bundesbau- und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee vorgelegten PPP-Bericht waren bis Frühjahr 2007 in Deutschland nur 46 PPP-Hochbauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von gerade einmal 1,4 Mrd. Euro auf den Weg gebracht worden. Zum Vergleich: Im kleinen Irland wurden nach Angaben der dortigen PPP-Regierungskommission 2006 gut 40 Verträge mit einem Investitionsvolumen von 5,5 Mrd. Euro abgeschlossen.
Einige angelsächsische Infrastrukturfonds hatten in den vergangenen Jahren zum Teil zweistellige Renditen erzielt. Degi-Chefresearcher Thomas Beyerle sieht diese Erfolge aber auch im früheren Kreditboom begründet. "Viele Fonds konnten die Buchwerte ihrer Investments immer weiter hinaufsetzen und kontinuierlich neue Kredite aufnehmen", sagt er, ohne dabei einzelne Fonds zu nennen. Dadurch sei es möglich gewesen, Ausschüttungen zu leisten, die über die eigentlichen Erträge aus dem laufenden Geschäft hinausgingen.