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Merken   Drucken   27.01.2009, 11:59 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Erste Schiffsfonds gehen unter

Wenn bei Beteiligungsmodellen von Insolvenzen berichtet wurde, ging es in den vergangenen Jahren vor allem um Immobilienfonds. Jetzt hat es die ersten Schiffe erwischt. Gleich drei von ihnen sind in die Pleite gefahren. von Susanne Osadnik
Die MS Charline (Az.: 67c IN 545/08) aus dem Hause Fafa Capital, das erst seit 2003 Fonds auflegt, sowie die MS Carl C (Az.: 9 IN 226/08) und MS Hannes C (Az.: 9 IN 223/08) von Embdena.
Die Amtsgerichte in Hamburg und Meppen haben vor Kurzem die Insolvenzverfahren eröffnet. Den Anlegern drohen hohe finanzielle Verluste - im Fall der MS Charline sogar der Totalverlust.
Fachleute spekulieren, dass diese Schiffsfondspleiten nicht die letzten in diesem Jahr sein werden. Die maritime Wirtschaft steckt nach Jahren des Aufwinds mitten in der Flaute fest - ausgelöst durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise. Die aktuellen Fälle haben allerdings nichts mit dem Kollaps der Branche zu tun, die Probleme sind größtenteils hausgemacht.
Wegen Lecks in der Finanzierung saufen die ersten ...   Wegen Lecks in der Finanzierung saufen die ersten Schiffsbeteiligungen ab. Experten erwarten weitere Untergänge
Die MS Charline liegt zurzeit in Singapur "an der Kette", wo sie auf ihre Versteigerung wartet, sagt der Insolvenzverwalter Jörn Weitzmann. "Aus dem Versteigerungserlös müssen die vorrangigen Schiffsdarlehen bedient werden", so Weitzmann. "Da wird für die Anleger vermutlich nichts mehr übrig bleiben." Schiffe sind schließlich keine Mangelware mehr, die Verkaufspreise fallen ins Bodenlose.
Noch im Dezember sollten die Anleger Kapital nachschießen, um den Untergang der MS Charline zu verhindern. Doch die Anleger lehnten es ab, die Investitionslücke von 5,8 Mio. Euro zu schließen - eine Nachschusspflicht bestand laut Insolvenzverwalter nicht.
Auch so sind die Verluste hoch genug. Immerhin 4,6 Mio. Euro Eigenkapital hat der Fonds verbrannt. Das Schiff war von Anfang an in sehr schlechtem Zustand, fiel oft aus und verlor dadurch Charterverträge. "Für das Schiff war die Krise schon vor der Rezession da", sagt Weitzmann.
Dasselbe gilt für die beiden Embdena-Schiffe, die noch bis Ende Dezember in Mitteleuropa gefahren sind - mehr oder weniger. Auch sie verbrachten wegen diverser Defekte die meiste Zeit in den Werften, sagt Insolvenzverwalter Andreas Sontopski aus Wettringen. Zurzeit liegt die MS Carl mit Havarieschaden in Malta. "Da wird geprüft, ob eine Überschuldung vorliegt oder nicht", so Sontopski. Die MS Hannes steht zum Verkauf. Ob die Anleger noch bedacht werden, hängt auch hier vom Verkaufsergebnis ab. Während der vergangenen vier Jahre erhielten Investoren insgesamt zehn Prozent Ausschüttung. Gekostet hat sie das Schiff mindestens 5 Mio. Euro. So hoch war der Eigenkapitalanteil des Fonds.
Für den Schifffahrtsexperten und Fachjournalisten Jürgen Dobert sind die Embdena-Pleiten keine große Überraschung und nur bedingt der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise geschuldet. "Die Katastrophe hat sich schon lange angebahnt", so Dobert. "Da hat das Management vollkommen versagt - das der Reederei und das des Emissionshauses. Die Beispiele zeigen aber auch, dass die Banken im einzelnen Krisenfall schneller die Geduld verlieren und den Geldhahn zudrehen."
Schon in den vergangenen Jahren hatte das "Fondstelegramm", ein Branchendienst für geschlossene Fonds, die Intransparenz und geringe Aussagekraft der Leistungsbilanzen des Emissionshauses bemängelt. Die Frage sei, warum Anleger ausgerechnet der Embdena ihr Vertrauen "und vor allem ihr Geld geben sollen".
Jahrelang haben Reeder, Werften, Häfen und auch Anleger vom Boom der Weltwirtschaft profitiert. Doch schon seit Monaten fließen die Warenströme nicht mehr im selben Tempo wie bisher. Charterraten brechen ein, Schiffe sind ohne Beschäftigung oder nur kurzfristig vermietet und müssen danach eine sehr niedrigere Charter in Kauf nehmen. Anfang Januar lagen nach Angaben des französischen Datenanbieters AXS Marine 4,5 Prozent der Weltflotte brach - das entspricht 550.000 Standard-Containern. Innerhalb von nur zwei Wochen war die Zahl der Schiffe ohne Beschäftigung um 1,5 Prozent gestiegen. Fondsschiffe sind meist langfristig vermietetet. Wenn der Charterer nicht mehr zahlungsfähig ist, bekommen allerdings auch diese Frachter Probleme.
  • Aus der FTD vom 27.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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