Marktführer Man Group bringt Publikumsfonds nach den EU-Regeln Ucits III auf den Markt
Man Group, mit rund 53 Mrd. $ (39 Mrd. Euro) der Marktführer, hat im vergangenen Herbst bereits Publikumsfonds nach den EU-Regeln Ucits III auf den Markt gebracht und will im Mai weitere Fonds dieser Art starten. Ucits III verlangt regelmäßige Anlageberichte, interne Kontrollen und ein Mindestkapital. Erlaubt ist die Anlage in Wertpapierderivate, wodurch Hedge-Fonds ihre teils sehr komplizierten Anlagestrategien zumindest annähernd verfolgen können - mit begrenztem Risiko.
Die Charmeoffensive in Sachen Regulierung zeigt, wie sehr viele Hedge-Fonds nach heftigen Verlusten 2008 um ihr Vermögen bangen. Indem die Fonds sich als brave EU-Produkte verkaufen, wollen sie sowohl private Anleger als auch viele bisher gegenüber Hedge-Fonds skeptische Profiinvestoren anlocken. "Wenn die bisherigen Investoren nicht mehr so viel Geld haben, muss ich mir als Hedge-Fonds etwas überlegen", sagt Jacob Schmidt, Chef des Londoner Branchenberaters Schmidt Research Partners. Und mehr Regulierung komme auf die Branche ohnehin zu. Darauf haben sich die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer bereits geeinigt. "Die Fonds wollen aus der Not eine Tugend machen", sagt Schmidt.
Zielgruppe durch Finanzkrise verändert
Es ist nicht lange her, da waren Hedge-Fonds an Geld von normalen Privatinvestoren überhaupt nicht interessiert. Hohe Transparenzanforderungen an die Investmentpolitik und die Renditen sowie der aufwendige Vertrieb schreckte die Branche ab. Produkte für Private passten nicht zu den teils esoterischen, riskanten und geheimen Anlagestilen der Hedge-Fonds. Auf frische Mittel waren die erfolgsverwöhnten Fonds, die vor allem 2005 und 2006 enorme Rendite einfuhren, ohnehin nicht angewiesen. Professionelle Investoren auf der Suche nach Extrarendite sowie sehr vermögende Private rannten vielen Fonds die Türen ein.
Doch das hat sich seit der Finanzkrise drastisch geändert: Verdienten Hedge-Fonds 2007 im Schnitt noch Geld, kam 2008 der Einbruch. Fast 20 Prozent hat die Branche im Schnitt verloren - das ist zwar weniger, als Anleger an der Börse einbüßten, doch gegenüber Anleihen schnitten Hedge-Fonds katastrophal ab. Anleger entzogen der Branche teils panisch ihr Geld: Das Gesamtvermögen sackte von 1900 Mrd. $ im Sommer 2008 auf zuletzt noch 1400 Mrd. $ ab. Der Exodus machte vielen Fonds den Garaus. Etwa jeder siebte der weltweit 7000 Hedge-Fonds gab im vergangenen Jahr auf. Beobachter schätzen, dass sich 2009 die Anzahl der Fonds und das Branchenvermögen noch einmal halbieren.
Da die Profianleger Hedge-Fonds vorerst nur zögerlich wieder vertrauen werden, ist nun das Geld der Privaten gefragt. "Wir glauben, der breitere Markt ist jetzt so weit, dass er auch in alternative Anlageformen einsteigen kann", zitiert das Branchenmagazin "Wealth Bulletin" Paul Marshall, einen der beiden Gründer von Marshall Wace. Vielleicht muss man es aber andersherum lesen: Nicht die Anleger sind bereit für Hedge-Fonds, sondern Hedge-Fonds für Private. Einer hat bereits vorgemacht, wie das geht: Der US-Hedge-Fonds Highbridge, an dem die Bank JP Morgan 75 Prozent hält, sammelt seit Längerem auch Geld über Publikumsfonds ein. Im Fonds nach Ucits III stecken immerhin schon 3 Mrd. Euro.