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Merken   Drucken   21.07.2009, 13:58 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Neuer Anlauf bei Pflegeimmobilien

Pflegeheimfonds existieren seit den 90er-Jahren. Aufgelegt wurden sie in Erwartung wachsender Bevölkerungszahlen. Dass diese Anlagemöglichkeit aber tatsächlich Gewinner der demografischen Entwicklung sind, muss sie erst noch beweisen. von Hannes Nickl
Die Demografie spricht eine deutliche Sprache: Bis zum Jahr 2050 soll die Gesamtbevölkerung in Deutschland auf etwa 75 Millionen Menschen sinken und die Zahl der über 65-Jährigen auf über 21 Millionen ansteigen. Das besagt eine nüchterne Hochrechnung des Statistischen Bundesamts. Mit dem Alter wächst auch die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit: Nach dem 65. Lebensjahr soll sie sich ungefähr alle fünf Jahre verdoppeln.
Ein naheliegender Schluss macht Pflegeimmobilien zu Gewinnern dieser Entwicklung. Das ist nicht falsch, denn die Bevölkerungsentwicklung ist ein sehr langfristiger Prozess, der sich früh abzeichnet und nicht kurzfristig umkehrt.
Altenheime müssen der Nachfrage vor Ort entsprechen   Altenheime müssen der Nachfrage vor Ort entsprechen
Pflegeimmobilienfonds wurden bereits in den 90er-Jahren aufgelegt. Doch eine Performance-Betrachtung ist mangels Leistungsbilanzen kaum möglich. Einige Initiatoren wie etwa Dr. Hanne gingen pleite, mittlerweile nicht mehr aktive wie die DG Anlage erstellen keine Leistungsbilanzen mehr. Informationen fließen spärlich, etwa wenn Anwälte über Klagen gegen Fondsgesellschaften berichten.
Die Gründe für das Scheitern waren teils hausgemacht. So zum Beispiel die zwanghaft anmutende Fixierung auf steuerliche Verluste, die oft den Blick auf eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit vernebelte. Steuersparmodelle sind aber mittlerweile endgültig vom Tisch. Einen weiteren Geburtsfehler mancher Altfonds nennt Nikolas Tavridis, Geschäftsführer der Beratungsfirma Axion Consult: "Der Pflegemarkt ist sehr fragmentiert und unübersichtlich. Das haben manche Anbieter mit unlauteren Absichten ausgenutzt. Heute ist die Öffentlichkeit medial gut vernetzt, die Anleger sind besser informiert."
Pflegebedürftige in Deutschland, in Mio. (ab 2009 Prognose)   Pflegebedürftige in Deutschland, in Mio. (ab 2009 Prognose)
Aktive Pflegefondsanbieter gibt es derzeit wenige. Die aber glauben an nachhaltig gute Perspektiven der Fonds und führen dafür nicht nur die Demografie als Argument ins Feld. Thomas Roth, Vorstand der seit Langem auf Pflegeheime spezialisierten Immac aus Hamburg: "Wesentlich für uns sind Pachtverträge, die Betreiber wirtschaftlich nicht überfordern. Die Heime müssen der Nachfrage vor Ort entsprechen und sich im Konkurrenzumfeld behaupten können."
Das sieht Martin Brieler aus der Geschäftsleitung des Münchner Emissionshauses ILG ähnlich und ergänzt: "Mit Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 90er-Jahre begann eine neue Ära. Seitdem haben sich der gesetzliche Rahmen, die Qualitätsmaßstäbe und die Kontrollmechanismen fundamental geändert." Auch HGA Capital, eine HSH-Nordbank-Tochter, glaubt an den Markt. "Pflegeheime haben großes Potenzial, vor allem aufgrund der langfristig stabilen Einnahmen und der wachsenden Nachfrage", sagt HGA-Geschäftsführer Lutz von Stryk. Hinsichtlich der Standorte sind sich die Initiatoren weitgehend einig. Rund um nachhaltig zuzugsstarke Ballungsräume sollte sich die Standortwahl konzentrieren.
Auch externe Marktbeobachter teilen die grundsätzlich guten Perspektiven für selektiv ausgewählte und gut betriebene Pflegeheime, differenzieren aber naturgemäß stärker. Experte Tavridis: "Wichtig ist unter anderem der Mikrostandort. Die Nähe etwa zu Krankenhäusern ist gut. Zu beachten ist auch das teilweise Überangebot an Pflegeimmobilien." Die Fonds seien kein Investment für jedermann. Anleger sollten auf eine risikoadäquate Verzinsung Wert legen, so Tavridis. Und Tobias Just von DB Research, der eine umfangreiche Studie zu Pflegeimmobilien erstellt hat, ergänzt: "Der demografische Wandel allein ist keine Garantie, dass jedes Pflegeheim ein Erfolg wird. Der hängt von sehr vielen Faktoren ab, auch von der Politik hinsichtlich der künftigen Finanzierung der Pflegeversicherung."
  • Aus der FTD vom 21.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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