Ähnlich sieht es bei Öl der Nordseesorte
Brent aus. Zwar kostet das Fass (159 Liter) nur noch 113 Dollar und damit 13 Dollar weniger als noch vor zwei Wochen. Vor zwei Monaten allerdings war der Energieträger noch deutlich günstiger zu haben. Trotz der Korrektur ist jeder zweite der 24 Rohstoffe aus dem GSCI teurer als noch zu Jahresbeginn. Blickt man zwölf Monate zurück, haben sogar nur vier Rohstoffe an Wert verloren. Da fällt die Schnäppchenjagd schwer.
Wer trotzdem auf eine Markterholung wetten möchte, sollte die entsprechenden Fonds und Zertifikate nicht allzu lange im Depot belassen. Denn Anleger engagieren sich über den Umweg von Terminkontrakten - und die müssen vor Fälligkeit regelmäßig in Kontrakte längerer Laufzeit getauscht werden. Bei diesem sogenannten Rollen kommt es zu Verlusten, wenn der länger laufende Kontrakt teurer ist als der aktuelle. Dieses als Contango bekannte Phänomen frisst oft einen großen Teil der Rendite auf: So hat der GSCI seit dem Tief im Februar 2009 stolze 123 Prozent an Wert gewonnen. Berücksichtigt man die Rollverluste, schrumpft der Gewinn auf 66 Prozent zusammen.
Das Problem ist altbekannt, hat sich zuletzt aber eher noch verschärft: "Bei vielen Rohstoffen ist der Preis der Kontrakte mit kurzen Restlaufzeiten stärker gefallen als am langen Ende, das Contango ist daher tendenziell größer geworden", sagt Philip Knüppel, Experte für Rohstoffprodukte bei der Deutschen Bank. Grund genug, sich der Gefahr von Rollverlusten erst gar nicht auszusetzen - und die Positionen im Depot als Kurzfristwetten anzusehen. Zu den wenigen Ausnahmen ohne Contango gehört übrigens Rohöl: Brent zur Lieferung in einem Jahr kostet nur 109 Dollar, also 4 Dollar weniger als heute. Wer sein Brent-Zertifikat ein Jahr lang hält, kann sich über satte Rollgewinne freuen - vorausgesetzt natürlich, der Ölpreis kommt in den nächsten zwölf Monaten nicht allzu stark unter Druck.
Anleger, die Rohstoffwetten wagen, müssen auch den Dollar im Blick behalten. Zuletzt konnte die US-Währung zum Euro deutlich zulegen, was vielen Rohstoffanlegern aus Deutschland die Performance rettete: In Dollar gerechnet büßte der GSCI seit Ende April fast zehn Prozent ein, in Euro gerechnet waren es nur gut fünf Prozent. Doch dieser Trend kann sich schnell drehen. "Schwächelt der Dollar wieder, geht das in der Regel mit steigenden Rohstoffpreisen einher", sagt Knüppel. "Anleger aus dem Euro-Raum profitieren dann allerdings nur, wenn sie sich währungsgeschützte Produkte ins Depot legen."