FTD.de » Finanzen » Alternative Anlagen » Schiffsfonds bricht Neugeschäft weg

Merken   Drucken   04.11.2008, 11:59 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Schiffsfonds bricht Neugeschäft weg

Die Finanzkrise ist bei den Anlegern von Schiffsfonds angekommen. Das Hamburger Fondshaus MPC, einer der größten Initiatoren von Schiffsbeteiligungen, hat Ende Oktober seinen Fonds "MPC Offen Flotte 2" vom Markt genommen. von Patrick Hagen
Denn absehbar war, dass die erwarteten Einnahmen nicht erzielt werden können. Aber auch Anleger bereits bestehender Fonds sind betroffen. Nachdem die ersten Reedereien bereits pleite sind oder Dienste eingestellt haben, müssen einige Fondsschiffe neu vermietet werden - zu schlechteren Konditionen. Die Schifffahrt leidet unter den Folgen der Finanzkrise. Auf den wichtigen Routen zwischen Asien und Europa sowie den USA ist die Nachfrage nach Schiffsraum eingebrochen. "Im Augenblick subventionieren die Schifffahrtslinien jeden Container von Asien nach Europa mit 1000 $", sagte Eivind Kolding, Chef der weltgrößten Linienreederei Maersk, Ende Oktober vor Branchenvertretern in Berlin. Die ersten Reeder haben damit begonnen, Schiffe stillzulegen. Die Lage könnte sich noch verschärfen, wenn im nächsten Jahr die ersten der neuen Riesenschiffe abgeliefert werden, die auf dem Höhepunkt des Booms bestellt wurden.
Dazu kommt, dass die Vertrauenskrise unter den Banken inzwischen auch direkte Auswirkungen auf die Schifffahrt hat. Die Banken zögern, Akkreditive auszustellen und anzuerkennen, mit denen sie dem Versender garantieren, dass seine Ware vom Empfänger bezahlt wird. Als Folge bleibt Ladung in den Häfen liegen.
Als Schifffahrts-Welt noch in Ordnung war, gab es auch an den ...   Als Schifffahrts-Welt noch in Ordnung war, gab es auch an den Terminals im Hamburger Hafen noch mehr zu bewegen
Die meisten Fondsschiffe sind von der derzeitigen Marktlage nicht direkt betroffen. Sie sind in der Regel langfristig zu festen Raten verchartert. Bekommt allerdings ein Charterer Probleme, kann es vorkommen, dass er trotz laufender Verträge Schiffe zurückgibt oder die Mietpreise nachverhandeln möchte. Zahlungsunfähig sind bereits die niederländische Europe West Indies Lines (EWL) und die ukrainische Industrial Carriers. Zudem ist die halbstaatliche chinesische Shandong Yantai International Marine Shipping (SYMS) schwer angeschlagen und hat bereits ihren Dienst eingestellt.
Neue Charterer gesucht
Bei EWL und SYMS fuhren auch Schiffe, die von deutschen Anlegern finanziert wurden und die jetzt eine neue Verwendung brauchen. Bei SYMS sind unter anderem Containerschiffe der Emissionshäuser Conti, Fondshaus Hamburg und Ownership betroffen. Für die Schiffe mussten kurzfristig neue Charterer gefunden werden. Diese zahlen aber deutlich weniger als die bisherigen Mieter, sodass die Fonds geringere Einnahmen haben. Die Mietpreise sind in den vergangenen Monaten stark gesunken. Im Fall der Marcliff, die vom Fondshaus Ownership platziert wurde, liegt die neue Charter nach Angaben von Ownership-Geschäftsführer Thomas Wenzel rund zehn Prozent unter dem alten Preis.
Die Entwicklung der Charterraten war auch der Grund, weshalb MPC seinen Fonds zurückzog. Das Beteiligungsmodell bündelte vier Containerschiffe, eines mit 8500 Standardcontainern (TEU), drei mit 1800 TEU. Die Charter für die kleineren Schiffe wäre im nächsten Jahr abgelaufen. "Wir glauben, dass wir in der jetzigen Marktsituation keine Anschlusscharter in der avisierten Höhe bekommen hätten", so ein MPC-Sprecher.
Probleme könnten vor allem Fonds bekommen, die ihre Schiffe auf dem Höhepunkt des Booms zu hohen Preisen gekauft haben und jetzt in der Krise eine neue Charter brauchen. "Banken haben in der Vergangenheit Weitsicht bewiesen, indem sie darauf geachtet haben, dass teure Schiffe mit Verträgen bei bonitätsstarken Charterern versehen waren", sagt Albrecht Gundermann, Geschäftsführer des Initiators Maritim Equity.
Die Emissionshäuser weisen darauf hin, dass die Schifffahrt ein zyklisches Geschäft ist und Krisen regelmäßig vorkommen. "Ein gut konzipierter Fonds hat Krisenzeiten eingeplant und kann eine solche Phase überstehen", sagt Lübbe Stecker, Geschäftsführer von GHF. Die Investition in einen Schiffsfonds ist eine unternehmerische Beteiligung. Ein Verlust des eingezahlten Kapitals ist grundsätzlich möglich. Ownership-Geschäftsführer Wenzel glaubt nicht, dass es so weit kommt. "Im Einzelfall gibt es vielleicht keine Ausschüttungen."
Auf die Zahl neuer Fonds wird sich die Krise auf jeden Fall auswirken. "Wir werden mit Sicherheit weniger Neuprojekte sehen", sagt Wenzel. Außerdem sind die Anleger mittlerweile zurückhaltender geworden. Schiffsfonds lassen sich zurzeit nur schleppend verkaufen. Schon in der ersten Jahreshälfte lag der Absatz von Schiffsfonds unter dem des Vorjahreszeitraums. Dieser Trend wird sich noch verschärfen, erwarten Beobachter.
Einnahmen sinken
Charter Die Mietpreise sind vor allem für Container- und Massengutschiffe kollabiert. Nach Zahlen der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten (VHSS) haben sich die Raten für ein Schiff mit 2500 Standardcontainern seit Anfang des Jahres mehr als halbiert. Fondsschiffe sind meistens langfristig verchartert.
Fracht Der Preis, den ein Verlader bezahlen muss, um Waren verschiffen zu lassen, ist vor allem auf der Strecke zwischen Asien und Europa stark eingebrochen. Für Anleger von Schiffsfonds hat das nur Auswirkungen, wenn das Schiff nicht fest verchartert ist, sondern im Spotmarkt fährt.
  • Aus der FTD vom 04.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6435,6  [104.56 +1,65%
  Euro Stoxx 50 2192,85  [42.69 +1,99%
  Dow Jones 12502,81  [-1.67 -0,01%
  Nasdaq Composite 2839,08  [-8.13 -0,29%
  Euro 1,2671 USD  [0.00107 +0,08%
  Brent-Öl 108,89 USD  [0.6 +0,55%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

FTD-SPEZIAL: FINANZKOMMUNIKATION

mehr FTD-Spezial: Finanzkommunikation

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote