Als Schifffahrts-Welt noch in Ordnung war, gab es auch an den Terminals im Hamburger Hafen noch mehr zu bewegen
Die meisten Fondsschiffe sind von der derzeitigen Marktlage nicht direkt betroffen. Sie sind in der Regel langfristig zu festen Raten verchartert. Bekommt allerdings ein Charterer Probleme, kann es vorkommen, dass er trotz laufender Verträge Schiffe zurückgibt oder die Mietpreise nachverhandeln möchte. Zahlungsunfähig sind bereits die niederländische Europe West Indies Lines (EWL) und die ukrainische Industrial Carriers. Zudem ist die halbstaatliche chinesische Shandong Yantai International Marine Shipping (SYMS) schwer angeschlagen und hat bereits ihren Dienst eingestellt.
Neue Charterer gesucht
Bei EWL und SYMS fuhren auch Schiffe, die von deutschen Anlegern finanziert wurden und die jetzt eine neue Verwendung brauchen. Bei SYMS sind unter anderem Containerschiffe der Emissionshäuser Conti, Fondshaus Hamburg und Ownership betroffen. Für die Schiffe mussten kurzfristig neue Charterer gefunden werden. Diese zahlen aber deutlich weniger als die bisherigen Mieter, sodass die Fonds geringere Einnahmen haben. Die Mietpreise sind in den vergangenen Monaten stark gesunken. Im Fall der Marcliff, die vom Fondshaus Ownership platziert wurde, liegt die neue Charter nach Angaben von Ownership-Geschäftsführer Thomas Wenzel rund zehn Prozent unter dem alten Preis.
Die Entwicklung der Charterraten war auch der Grund, weshalb MPC seinen Fonds zurückzog. Das Beteiligungsmodell bündelte vier Containerschiffe, eines mit 8500 Standardcontainern (TEU), drei mit 1800 TEU. Die Charter für die kleineren Schiffe wäre im nächsten Jahr abgelaufen. "Wir glauben, dass wir in der jetzigen Marktsituation keine Anschlusscharter in der avisierten Höhe bekommen hätten", so ein MPC-Sprecher.
Probleme könnten vor allem Fonds bekommen, die ihre Schiffe auf dem Höhepunkt des Booms zu hohen Preisen gekauft haben und jetzt in der Krise eine neue Charter brauchen. "Banken haben in der Vergangenheit Weitsicht bewiesen, indem sie darauf geachtet haben, dass teure Schiffe mit Verträgen bei bonitätsstarken Charterern versehen waren", sagt Albrecht Gundermann, Geschäftsführer des Initiators Maritim Equity.
Die Emissionshäuser weisen darauf hin, dass die Schifffahrt ein zyklisches Geschäft ist und Krisen regelmäßig vorkommen. "Ein gut konzipierter Fonds hat Krisenzeiten eingeplant und kann eine solche Phase überstehen", sagt Lübbe Stecker, Geschäftsführer von GHF. Die Investition in einen Schiffsfonds ist eine unternehmerische Beteiligung. Ein Verlust des eingezahlten Kapitals ist grundsätzlich möglich. Ownership-Geschäftsführer Wenzel glaubt nicht, dass es so weit kommt. "Im Einzelfall gibt es vielleicht keine Ausschüttungen."
Auf die Zahl neuer Fonds wird sich die Krise auf jeden Fall auswirken. "Wir werden mit Sicherheit weniger Neuprojekte sehen", sagt Wenzel. Außerdem sind die Anleger mittlerweile zurückhaltender geworden. Schiffsfonds lassen sich zurzeit nur schleppend verkaufen. Schon in der ersten Jahreshälfte lag der Absatz von Schiffsfonds unter dem des Vorjahreszeitraums. Dieser Trend wird sich noch verschärfen, erwarten Beobachter.