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Merken   Drucken   23.07.2008, 10:46 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Securenta-Anleger schöpfen Hoffnung

Der neue Insolvenzverwalter der Göttinger-Gruppe-Tochter Securenta AG hat geprellten Anlegern Hoffung auf Schadensersatz gemacht. Er wird aufgrund der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Forderungen all jener Anleger anerkennen, die nachweisen können, dass sie schlecht beraten wurden. von Ute Göggelmann
Das sagte Rolf Rattunde auf der Gläubigerversammlung am Dienstag. Damit ist geklärt, dass auch diejenigen Gläubiger ihre Forderungen anmelden können, die zugleich Anleger der Securenta waren. Bei diesen stillen Beteiligungen haften Anleger im Insolvenzfall auch für die Verluste, was unter Umständen eine Nachschusspflicht nach sich zieht. Das Finanzamt und die Banken, die ebenfalls Gläubiger sind, haben eine solche Lösung immer abgelehnt, um einen größeren Teil der Insolvenzmasse zu bekommen. Nun sind die Securenta-Anleger entsprechend ihrer Beteiligungshöhe auf der Gläubigerversammlung ebenfalls stimmberechtigt.
Die Pleite der Göttinger Gruppe ist einer der größten Anlegerskandale mit steuerbegünstigten atypischen stillen Beteiligungen in Deutschland. Die Finanzgesellschaft hatte im Juni 2007 einen Insolvenzantrag gestellt. Schätzungen zufolge sind 300.000 Anleger betroffen, die rund 2 Mrd. Euro investiert hatten. Rund 1 Mrd. Euro davon flossen in die Vorsorgeprodukte der Securenta. Der Insolvenzverwalter fand jedoch nur noch etwas mehr als 1 Mio. Euro in der Kasse.
Geschädigte können nun noch bis zum 30. September 2008 ihre Forderungen anmelden, sagte Anlegeranwalt Hartmut Göddecke. Laut Rechtsanwalt Hauke Maack sollten Gläubiger jedoch einen Nachweis über die Schlechtberatung erbringen - etwa einen Zeugen, der beim Gespräch mit dem Securenta-Vertriebsberater dabei war. Insolvenzverwalter Rattunde wies am Dienstag darauf hin, dass er noch keine Insolvenzquote nennen könne, da er noch nicht alle Unterlagen von seinem Vorgänger Peter Knöpfel bekommen habe. Knöpfel wurde im Frühsommer abgewählt. Beobachter rechnen erst im kommenden Jahr mit einem Ergebnis.
Knöpfel hatte während seiner Tätigkeit noch 1,7 Mio. Euro von Securenta-Anlegern eingezogen. "Noch ist unklar, was damit geschieht", sagte Göddecke. Inzwischen dürfte jedoch die Mehrheit der Gläubiger die Zahlungen eingestellt haben. Hoffung können Anleger auch daraus schöpfen, dass der Insolvenzverwalter die Jahresabschlüsse für die Jahre ab 2002 erneut anfertigen und einreichen möchte. Er wies darauf hin, dass sich hier eventuell für die betroffenen Anleger erheblich höhere Verluste aus der Gesellschafterbeteiligung ergeben können. "Wenn sich dieses bewahrheitet, könnten sich Steuerrückerstattungsansprüche für die Jahre ab 2002 ergeben", erklärte Maack.
Auch die rechtliche Auseinandersetzung mit der Finanzverwaltung Niedersachsen will der Insolvenzverwalter wieder aufnehmen. Bei Erfolg könnte daraus auch noch ein kleiner Betrag in die Insolvenzmasse fließen, sagte Göddecke.
Schrecken ohne Ende
Angelockt An den Anlagen der seit Juni 2007 insolventen Göttinger Gruppe waren die Investoren am Gewinn beteiligt, hafteten aber auch für die Risiken des Unternehmens. Das Management der Gruppe war in der Politik bestens verdrahtet: Für die Produkte warben unter anderem Altkanzler Helmut Kohl und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher.
Abgezockt Die Securenta hatte vor der Insolvenz vorwiegend lang laufende Rentensparpläne verkauft. Der ursprünglich eingesetzte Insolvenzverwalter Peter Knöpfel forderte Anleger zur weiteren Vertragserfüllung auf und sammelte die vereinbarten Sparbeträge ein. Anlegervertreter empfahlen jedoch, die Zahlungen einzustellen.
  • Aus der FTD vom 23.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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