Dossier
Edle Weine gelten als krisensichere Anlage. Doch der Markt für guten Bordeaux hat Tücken, müssen Fondsanbieter erfahren. von Heiko Metzger
In rauen Börsenzeiten wird edler Wein gerne als Renditeobjekt beworben. Hohe Wertsteigerungen, geringer Gleichlauf mit den Aktienmärkten - das klingt nach einem idealen alternativen Investment. Inzwischen räumen die Macher diverser Weinfonds aber ein, dass die Erwartungen enttäuscht wurden. Guter Wein, so der Tenor, muss nicht unbedingt in den Tresor, sondern darf auch auf den Tisch.
"Die enormen Preiszuwächse konzentrieren sich auf wenige Weingüter", sagt Hans-Georg Acker, Geschäftsführer der Unicredit-Tochter Wealthcap, die geschlossene Fonds anbietet. "Automatische Wertsteigerungen für alle Lagen haben sich in der Vergangenheit nicht ergeben." Die Banken fordern bei Neuauflagen hohe Fondsvolumen. Außerdem ist der Markt zu klein, um große Mengen zu hohen Preise abzusetzen. Das treibt die Weinfondsanbieter aus dem Markt oder lässt sie ihre Geschäftsmodelle überdenken.
Besondere Schwierigkeiten bereitet der Verkauf des Weins am Laufzeitende. Dieses hatten die Wealthcap-Fonds "VB Bordeaux" und der "Blue Capital Vinum 2000" Ende vergangenen Jahres erreicht. "Mit großen Mengen kommt auch ein gewisser Druck auf die erzielbaren Verkaufspreise", sagt Acker. Dieses Problem umgeht Paulson, indem er immer nur kleine Tranchen auf den Markt bringt. Im Januar hat er mit dem Ausverkauf seines Fonds "Rare Wine Pool I" begonnen, doch erst in eineinhalb Jahren soll das Depot vollständig aufgelöst sein.
Preise renommierter Weine
Bei den Renditeaussichten halten sich die Fondsanbieter bedeckt. Acker sagt nur, dass seine Anleger keine Verluste erleiden würden. Ein ehemaliger Geschäftsführer hatte sich deutlicher geäußert: Die Rendite habe die Erwartungen enttäuscht. Hans-Werner Busch, Geschäftsführer von Wine Capital Selection, sieht dagegen immer noch "hervorragende Renditeaussichten". Er spricht von 50 bis 80 Prozent auf fünf Jahre für seinen "Zum Wohle 2006", den ersten Fonds, der nur auf deutsche Weine setzt.
Die anderen Fonds haben meist ausschließlich in roten Bordeaux investiert, auch Wealthcap. Laut Acker war der Kerngedanke seiner Fonds die Auslieferung der Weine am Laufzeitende. Man habe den Anlegern den Zugang zu exklusiven Châteaus eröffnen wollen. Von 109 Anlegern haben sich allerdings 102 gegen die Auslieferung des Weins entschieden. Vielleicht haben die Depotweine nicht den persönlichen Trinkgeschmack der Anleger getroffen, vermutet Acker. Er gesteht, dass man sich beim Auflegen der Fonds von einzelnen Preisbeispielen habe verleiten lassen. Aus den Fehlern aber habe man gelernt: "Weitere Weinfonds haben wir nicht geplant." Auch Paulson will keinen neuen Fonds initiieren. Lieber berät er Anleger und handelt für sie teure Weine. Auch künftig wird er seinen Kunden nur zu ausgewählten Weinen hoher Qualität mit einem stark begrenzten Angebot raten. Nur bei rotem Bordeaux der besten Châteaus findet er seine Ansprüche vereint. Deshalb könne er nur 3 bis 4 Mio. Euro im Jahr vernünftig anlegen, für einen neuen Fonds würden "die Banken aber das zehnfache Volumen fordern".
Live-ex 100 Index
Solche Summen schrecken Wine-Capital-Geschäftsführer Busch nicht. 30 Mio. Euro soll ein neuer Fonds einsammeln - und sich dafür von seiner bisherigen Strategie verabschieden: Künftig will er auch ausländische Weine einlagern, etwa aus Italien und Frankreich.
Strategieänderungen sind für Acker keine Lösung. Er sagt, Wein habe sich als Anlageklasse nicht etablieren können. Der Rebensaft sei nur als Beimischung geeignet, sagt Acker und vergleicht Wein mit Kunst. Das sieht Jochen Becker-Köhn vom renommierten Weingut Robert Weil ähnlich: "Wein ist primär kein Objekt zum Sammeln, sondern zum Trinken."
Aus Sicherheitsgründen möchten wir Ihre E-Mail-Adresse bestätigen.
Klicken Sie bitte dazu den Aktivierungs-Link, den wir Ihnen
gerade per E-Mail an zugesendet haben.
Das politische Geschacher in Athen um weitere Milliardenkürzungen zieht sich hin. Der deutsche Finanzstaatssekretär zeigt sich genervt. Auch in Hellas wächst der Unmut. Wirtschaftsminister Chrysochoidis sieht den sozialen Frieden in Gefahr. mehr
Die Regierungsparteien in Athen haben sich zu tiefen Einschnitten durchgerungen. Beim Ausmaß der Kürzungen für Pensionäre eskaliert jedoch der Streit. Deutschland zeigt sich genervt von dem Hickhack. mehr
Die Regierungsparteien in Athen verkünden eine Einigung über ein neues Sparpaket, teilen aber keine Details mit. Die Euro-Partner zeigen sich misstrauisch. Bundesfinanzminister Schäuble lehnt ein rasches Ja zu weiteren Hilfsgeldern ab. mehr
Öl ist teuer, die Referenzsorte Brent notiert deutlich über 100 Dollar je Fass. Kanadisches Öl gibt es dagegen schon für gut 60 Dollar. Denn die Förderer leiden unter den Besonderheiten des nordamerikanischen Ölmarkts. Eine Posse mit technischen und politischen Implikationen mehr
Im FTD-Überblick geht es diesmal um Abschleppkosten, Trendsportgeräteversicherung, Urlaubserkrankung, Abwasseranschluss sowie Wohngebäudeversicherung. mehr
Im vergangenen Jahr zogen private Investoren Milliarden aus Publikumsfonds ab. Grund ist laut Branchenverband die Krise in Europa und mangelndes Vertrauen in die Politik. mehr
Was bekommen Sie - nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben - auf die Hand? Prüfen Sie mit dem kostenlosen Gehaltsrechner für 2011 und 2012, ob eine Gehaltserhöhung, ein Krankenkassen- oder Jobwechsel den gewünschten Gehaltssprung bringt. mehr
Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions
AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!