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Merken   Drucken   24.11.2009, 10:24 Schriftgröße: AAA

Private Equity: Ausgang verschlossen

Vor zehn Jahren gingen die ersten Private-Equity-Dachfonds an den Start. Nun versperrt ihnen die Finanzkrise den geplanten Exit. von Stephanie von Keudell
Zehn Jahre nachdem die ersten Dachfonds Private Equity in Deutschland für Privatanleger zugänglich machten, sollte die Laufzeit der Vorreiterfonds nun planmäßig enden. Doch die Krise hat den Initiatoren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ausstiegskanäle wie der Gang an die Börse und Trade-Sale, der Verkauf an einen anderen Finanzinvestor, sind derzeit fast gänzlich versperrt.
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Wer die Möglichkeit hat, verlängert die Fondslaufzeit, so Axel Jensen von MPC Portfolio Advisors. "Die meisten Anleger wollen in der aktuellen Situation nicht verkaufen und unterstützen das." RWB, das für seine ersten beiden Fonds keine Verlängerungsoption vorgesehen hatte, operiert mit einem Rückkaufangebot.
Die Lernkurve ist unverkennbar: Da die standardmäßige zehnjährige Laufzeit bereits bei einem einzigen länger laufenden Zielfondsinvestment Notverkäufe am Sekundärmarkt erzwingt, ist die Verlängerungsoption heute die Regel. In Sachen Professionalität hat die Branche in den vergangenen zehn Jahren hinzugelernt. "Die Zeiten, in denen Private-Equity-Fonds das Geld allein wegen der schönen blauen Augen der Zielfondsmanager anvertraut wurden, sind eindeutig vorbei", sagt Christian Brezina, Bereichsleiter Private Equity bei Wealth Cap. Transparenz ist für ihn das Gebot der Stunde.
Wie Wealth Cap versuchen auch andere Initiatoren, Licht ins Dunkel der Blackbox Private Equity zu bringen, zumal in unruhigen Märkten immer weniger Anleger bereit sind, zehn Jahre lang blindes Vertrauen in das Management aufzubringen. Das gilt insbesondere dort, wo es in den Management-Teams zu häufigen Veränderungen kommt. Während bei BVT, HCI, MPC und RWB die entsprechenden Teams beziehungsweise externen Asset-Manager von Anfang an relativ stabil geblieben sind, gab es in anderen Häusern deutlich mehr Bewegung. Ein Umstand, der bei der Bewertung des Track-Record, das heißt des Erfolgs des Managements, nicht außen vor bleiben darf.
"Ein elementarer Aspekt ist für den Anleger beim Vergleich die Einbeziehung aller Gebühren und Währungseinflüsse. Bei den Ausschüttungen ist die Frage nach dem Volumen von Recallables wichtig, das sind Ausschüttungen der Zielfonds, die von diesen zurückgefordert werden können", gibt Jensen zusätzlich zu bedenken.
Einen weiteren wichtigen Punkt spricht Jeremy Golding an: "Heute würden wir 15 bis 20 Zielfonds pro Dachfonds zeichnen." Für den Asset-Manager von HCI Capital ist neben einer ausreichenden Diversifizierung auch eine schlanke Kostenstruktur entscheidend: "Der Investitionsprozess wird durch Zeichnung der Zielfonds vor Platzierungsstart deutlich beschleunigt." Das erhöhe die Kapitalproduktivität, so Golding. Aber auch die Kosten aufgrund der notwendigen Zwischenfinanzierung. Ein Dilemma, dem Dachfonds durch die Beschränkung auf wenige Zielfonds begegnen.
Für den Dachfondsmanager Equitrust hat sich wie für die meisten institutionellen Investoren das Buyout-Segment zum wichtigstes Investitionsstandbein entwickelt, so Equitrust-Vorstand Peter Welge. "Im Bereich Venture-Capital ist der Zugang zu den wenigen langfristig erfolgreichen Fondsmanagern sehr eingeschränkt." Ähnlich sieht das Andreas Schläth, Director Alternative Investments bei der BVT: "Infrastruktur kann zukünftig ein eigenes Thema sein." Nischenthemen wie Cleantech seien zunächst als Anteil in breit diversifizierten Dachfonds angedacht, um sich die Auswahlmöglichkeiten im noch begrenzten Universum dieser Zielfonds nicht zu beschneiden. Breit diversifizierte Dachfonds ohne oder mit nur geringem Venture-Capital-Anteil haben in der irregulären Marktphase der letzten zehn Jahre am besten abgeschnitten.
Den hohen Erklärungsbedarf, den die Asset-Klasse mit sich bringt, hatten die meisten Initiatoren zu Beginn wohl unterschätzt. Das ist - neben der Exitfalle - ein weiterer Grund, warum einige von ihnen in der derzeitigen hochvolatilen Marktphase darauf verzichten, neue Fonds anzubieten. Bei den Unentwegten BVT, MPC, Nordcapital und RWB läuft die Platzierung denn auch nicht annähernd so flüssig wie in den Boomjahren 2006 und 2007, als diverse neue Wettbewerber den Markt stürmten, die sich inzwischen aus dem Segment größtenteils wieder verabschiedet haben.
  • Aus der FTD vom 24.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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