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01.12.2009, 14:07
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Schifffonds in Not:
Fragwürdiges Rettungsmodell
Mindestens 185 Schiffonds haben keine Aufträge mehr. Schifffondsinitiatoren fordern Nachschüsse von Anlegern. Das aber darf nur der Insolvenzverwalter.
von Susanne Osadnik
Der Arbeitsauftrag ist klar: ein Rettungsplan für die Schiffsbranche. Am Montag diskutierten Banker mit Schiffsfinanzierungsexperten, Reedereivertretern und Wirtschaftsprüfern in Hamburg. Wann konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen werden, konnte eine Sprecherin der Hamburger Wirtschaftsbehörde am Montag nicht sagen. Wie auch immer die Pläne aussehen werden, die der Bürgermeister der Hansestadt, Ole von Beust, der Bundeskanzlerin unterbreiten wird: Für viele Anleger kommen sie zu spät. Sie wurden längst zur Kasse gebeten, um ihr Schiff zu stützen - zum Teil mit wenig zimperlichen Methoden.
Mindestens 185 Fondsschiffe haben keine Aufträge mehr, ergab eine Umfrage des Schifffahrtsexperten Jürgen Dobert unter deutschen Initiatoren. 490 von 1371 erfassten Frachtern tilgen ihre Kredite nicht wie geplant, und 140 können nicht einmal mehr die Zinsen bedienen. "Die Lage für die gesamte Branche ist sehr, sehr ernst. Auf breiter Front finden Überlebenskämpfe statt", sagt Dobert.
Jürgen Salamon vom Emissionshaus Dr. Peters
Über 13 Schiffsgesellschaften ist bereits das Insolvenzverfahren eröffnet worden. "Die Banken möchten sicher vermeiden, dass Schiffe in größerer Zahl Insolvenz anmelden", so Dobert. "Aber wer zahlt dafür?" Im Zweifelsfall die Anleger.
"Noch vor neun Monaten galt es als unvorstellbar, Anleger um Nachschüsse aufzufordern", sagt Werner Weimann von der Deutschen Schiffsbank. "Nunmehr ist das selbstverständlich." So fordert der Treuhänder TVP die Anleger der zur "Santa A"-Serie gehörenden Fondsschiffe auf, über einen Kapitalnachschuss abzustimmen. Die Frachter des Emissionshauses MPC Capital sind zurzeit beschäftigungslos. MPC und die Reederei Claus-Peter Offen haben gemeinsam bereits 500.000 Euro je Schiffsgesellschaft als Überbrückungskredit gewährt, jetzt muss frisches Kapital her. Für einen Anleger, der mit 100.000 Euro beteiligt ist, kämen 40.000 Euro Nachschuss zusammen - das Risiko eines Totalverlusts inklusive. Niemand kann sagen, wann die Schiffe wieder Gewinn einfahren. Da nutzt auch die in Aussicht gestellte zehnprozentige Verzinsung des Neukapitals wenig. Positiv in diesem Fall: Auch die Reederei beteiligt sich an der Kapitalerhöhung und sitzt so mit im Rettungsboot.
Schifffonds in Seenot
Der Druck, den die Emissionshäuser auf die Anleger ausüben, zeugt mitunter nicht nur von mangelnder Diplomatie. Hin und wieder ist er auch aus juristischer Sicht problematisch. "Fondsverwalter können keine Ausschüttungen zurückfordern", sagt Peter Mattil von der Münchener Kanzlei Mattil & Kollegen. "Das ist dem Insolvenzverwalter vorbehalten."
So weit wollen es die Anleger freilich nicht kommen lassen: Ist das Schiff pleite, kann der Insolvenzverwalter das Schiff zwar verwerten, die Erlöse reichen derzeit aber nicht aus, um die Ansprüche der Gläubiger auch nur annähernd zu befriedigen. Die Eigner, also die Anleger, würden leer ausgehen.
Teil 2: Wortwahl Stein des Anstoßes
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FTD.de, 01.12.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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