Auf Handelsplattformen wie Zweitmarkt.de oder Deutsche Sekundärmarkt (DSM) stoßen Anleger, die dringend Geld benötigen, ihre Schiffsfondsanteile für Preise ab, die teilweise 60 Prozent unter denen vor einem Jahr liegen.
"Investoren, die heute die günstigen Einstiegspreise für selektive Käufe nutzen, legen damit den Grundstein für hohe Erträge und attraktive Wertsteigerungen", wirbt der Hamburger Initiator Nordcapital für seinen Zweitmarktfonds "Schiffsportfolio 6". Der Fonds soll inklusive Agio 21 Mio. Euro einsammeln und damit am Zweitmarkt Schiffsfondsanteile kaufen. Anleger können sich ab 15.000 Euro zuzüglich fünf Prozent Agio beteiligen.
Doch ein genauer Blick in den Prospekt zeigt exemplarisch, wie diverse Gebühren und Provisionen die mögliche Rendite der Anleger schmälern. "Bei einigen Zweitmarktfonds ist die Gebührenbelastung viel zu hoch ", sagt Mark Hülk, ein Hamburger Sachverständiger für geschlossene Fonds, der den Zweitmarkt seit 1997 beobachtet. "Bei manchen Angeboten können unter dem Strich nur rund 70 Prozent der Investorengelder wirklich in Fondsanteile investiert werden." Er rät Anlegern daher, genau nachzurechnen, wie viel Geld tatsächlich in Fondsanteile fließt.
Zu hohe Gebühren kann Nordcapital beim Schiffsportfolio 6 nicht erkennen. "Sowohl die Kosten in der Investitionsphase als auch die laufenden Kosten des Fonds sind im Wettbewerbsvergleich ausgesprochen gering", sagt Tim Richter, Geschäftsführer der Nordcapital Portfolio Management. Vergleichsweise billig muss allerdings nicht absolut billig bedeuten.
Bescheiden auf den ersten Blick
Auf den ersten Blick gibt sich der Initiator tatsächlich recht bescheiden: 86,4 Prozent der Anlegergelder sind für Schiffsbeteiligungen vorgesehen. Allerdings rechnet Nordcapital mit Nebenkosten von sieben Prozent der Kaufpreise. Zieht man diese Kosten ab, landen doch nur 17 der insgesamt 21 Mio. Euro in Schiffsanteilen. Fast jeder vierte Anleger-Euro bleibt demnach auf der Strecke. "Wir prüfen jede Beteiligung genau und legen einen Höchstbetrag fest, zu dem wir noch zu einer Investition bereit sind - natürlich inklusive aller Kosten", sagt Richter. "Für die Kaufentscheidung ist letztendlich entscheidend, dass die gesamten Anschaffungskosten unter dem Höchstbetrag liegen." Dieser Argumentation zufolge sind die Nebenkosten egal - solange das Gesamtpaket nicht zu teuer wird.
Wie hoch die Nebenkosten sind, zeigt ein Vergleich des Initialportfolios mit Kursen, die zuletzt auf der Zweitmarktplattform DSM erreicht wurden. Im Initialportfolio stehen Beteiligungen über 1,1 Mio. Euro, die Nordcapital schon vor Auflage des Prospekts erworben hat. Dort sind Anteile am Fonds E.R. India zu einem Kurs von 61,4 Prozent des Nominalwerts aufgeführt, die laut DSM zu 55 Prozent den Besitzer wechselten. "Ohne Nebenkosten haben wir für diese Beteiligung 55 Prozent des Nominalbetrags bezahlt", sagt Richter. "Dazu kamen eine marktübliche Provision für den Vertriebspartner, eine Abwicklungsgebühr von 2,85 Prozent für DSM und 300 Euro Übertragungsgebühren für den Treuhänder."