Geld verdienen und gleichzeitig die Umwelt schützen liegt schwer im Trend: Derzeit erleben Fonds einen Boom, die nachhaltig anlegen. von Olaf Wittrock
In fünf Wochen nimmt die Weltgemeinschaft mal wieder Anlauf zur Rettung des Planeten: Wenn vom 7. bis zum 18. Dezember in Kopenhagen der Klimagipfel tagt, geht es um die Verhandlung eines Nachfolgeabkommens zum Kioto-Protokoll, also um neue, möglichst verbindliche Vereinbarungen zum Schutz der Umwelt.
Man mag solche Veranstaltungen fortschrittlich finden, ambitioniert oder auch verlogen. Für die Investmentbranche ist die Bewertung leichter: Sie macht mit dem Klimaschutz schlicht ein riesiges Geschäft. Seit immer öfter von ökologischer Verantwortung und dem gewissenhaften Umgang mit Ressourcen die Rede ist, boomen auch die Fonds, die genau das versprechen. Als 2008 die Aktienmärkte einbrachen, konnten Fonds der Kategorie Sustainable and Responsible Investment (SRI) gegen den Trend 5,7 Prozent frisches Kapital einsammeln. Aus konventionell gemanagten Aktienfonds zogen Anleger nach Analysen des Fondsdatenlieferanten Lipper FMI im gleichen Zeitraum 6,1 Prozent ab. Im ersten Halbjahr 2009, das den Aktienmärkten einen Wiederaufstieg bescherte, dasselbe Bild: Rechnet man die Kursgewinne heraus, flossen traditionellen Fonds gerade 0,6 Prozent Gelder zu. Die SRI-Fonds dagegen konnten 29,5 Prozent gewinnen. Über 49 Mrd. Euro stecken mittlerweile in den Fonds - immerhin ein Prozent des insgesamt in Europa verwalteten Kapitals.
Investmentbanker Wim Vermeir
Wim Vermeir vom Anbieter Dexia, der nach eigenen Angaben 17,5 Mrd. Euro nachhaltig verwaltet, sieht die Branche als Gewinnerin der jüngsten Verwerfungen: "Durch die Krise stellen langfristig orientierte Investoren immer höhere Ansprüche an Unternehmen", ist Vermeir überzeugt - und zwar mit Blick auf Corporate Governance und auf verantwortungsvolle Geschäftsmodelle. Da Dexia die SRI-Fonds nach diesen Kriterien bestücke, gewinne man stets neue Kunden hinzu.
Auch Andreas Knörzer, Leiter des Teams Sustainable Development bei der Schweizer Bank Sarasin, die sich als Vorreiterin in der Ökonische positioniert hat, ist optimistisch: "Kommt in Kopenhagen ein Abkommen zustande, würde gewissermaßen die Nachhaltigkeit des Nachhaltigkeitstrends verstärkt", sagt Knörzer. "Die Folge wäre ein globales Stimuluspaket, das eine Innovationsflut und einen Boom bei Nachhaltigkeitsinvestitionen bewirken dürfte."
Ob allerdings gerade die SRI-Fonds dem Klima nützen, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.
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