Die Bankentürme in Frankfurt/Main: Die Zertifikatebranche ist verunsichert
Es wimmelt nur so von Gerüchten, Anfeindungen und Vorwürfen. So prophezeit ein Branchenmitglied dem Derivatechef eines großen Anbieters den baldigen Rauswurf, ein anderer bezeichnet die Arbeit des Deutschen Derivate Verbands (DDV) als "Kasperletheater". Und ein Dritter will beobachtet haben: "Merrill Lynch hat schon aufgegeben, und Sal. Oppenheim zieht sich eindeutig zurück."
Die Dementis lassen nicht lange auf sich warten. "Wir verabschieden uns bestimmt nicht vom Markt, auch wenn das der eine oder andere in einer solchen Marktphase von uns erwartet hätte", sagt Felix Pachernegg, Mitglied des Zertifikateteams von Merill Lynch in London. Ein Sal.-Oppenheim-Sprecher will das Gerücht öffentlich erst gar nicht kommentieren. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aus der Kölner Privatbank: "Wir drehen ein kleineres Rad als früher, ziehen uns aber nicht zurück."
So schnell will keiner aufgeben. "Die Eitelkeiten und Egos sind durch den jahrelangen Erfolg enorm groß bei den Protagonisten der Branche", sagt ein Personalberater. Zwar wächst der Markt längst nicht mehr so rasant wie einst. Im Jahr 2007 waren es 23 Prozent, zwei Jahre früher noch dreimal so viel. Doch noch immer sind Zertifikate ein bedeutendes Marktsegment: 90 Mrd. Euro haben Anleger in diese Papiere investiert.