In der Schweiz schon längst die Nummer eins unter den Anlageprodukten, finden Aktienanleihen auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Allein 2009 hat sich ihre Anzahl auf rund 15.500 gehandelte Produkte verdoppelt. Das Angebot dürfte weiter steigen, denn Aktienanleihen verfügen über eine leicht verständliche Funktionsweise, sind in der Regel mit überschaubaren Laufzeiten versehen und bieten Anlegern bei ihrer Geldanlage die Chance, auch in Seitwärtsmärkten attraktive Erträge zu erzielen.
Aufgrund dieser Merkmale werden sie häufig mit Discountzertifikaten verglichen. Tatsächlich sind beide Produkttypen nicht nur ähnlich "gebaut", sie weisen auch vergleichbare Renditen aus. Und doch gibt es einige wichtige Unterschiede zu beachten. Während Anleger mit Discountern mit einem Rabatt in einen Basiswert einsteigen, erwirbt man mit Aktienanleihen ein Wertpapier, bei dem am Laufzeitende eine feste Zinszahlung (Kupon) erfolgt. Während der Kupon garantiert ist, hängt die volle Rückzahlung des Nennwerts der Anleihe davon ab, ob der Basiswert mindestens auf dem bei Emission festgelegten Basispreis (Strike) notiert.
Dazu ein Beispiel: Eine Aktienanleihe von Sal. Oppenheim auf die Aktie der Deutschen Post zahlt am Laufzeitende im einen fixen Kupon von 10,75 Prozent pro Jahr. Steht die Aktie (aktueller Kurs: 12,98 Euro) am Bewertungstag auf oder über dem Basispreis von 12,75 Euro gibt es 100 Prozent zurück. Wenn nicht, werden entsprechend dem Bezugsverhältnis Aktien geliefert. Die sind dann allerdings weniger Wert als zum Emissionszeitpunkt. Der Anleger würde also auf einem Buchverlust sitzen, dem allerdings der Kuponertrag gegenübersteht. Bei Discountzertifikaten gibt es diese sichere Ertragskomponente nicht. Hier liegt die Gewinnchance im billigeren Einkauf.
"Aktienanleihen werden aufgrund des Kupons stärker als Alternative zu festverzinslichen Wertpapieren wahrgenommen", sagt Christopher Maaß, Zertifikate-Experte bei Sal. Oppenheim. Sie kämen eher für zinsorientierte Investoren in Frage. "Bei Discountpapieren", so Maaß weiter, "hängt die Rückzahlung ausschließlich von der Kursentwicklung des Basiswerts ab." Bei Käufern von Discountzertifikaten handle es sich daher meist um aktienaffinere Anleger.
In vielen Fällen sind Aktienanleihen mit einer unter dem Basispreis liegenden Barriere ausgestattet (Namenszusätze: "Protect" oder "Plus"). Das sorgt für einen zusätzlichen Sicherheitspuffer. Bei einer Aktienanleihe Plus der Commerzbank auf BMW liegt die Schwelle zum Beispiel bei 24,50 Euro. Fällt die BMW-Aktie bis zum Laufzeitende niemals auf oder unter diese Marke, wird der volle Nennwert zurückgezahlt. Allerdings geht dieser Schutz in der Regel zulasten des Kupons, der im Vergleich zu entsprechenden klassischen Aktienanleihen meistens niedriger ausfällt.
Grundsätzlich hält Maaß sowohl Aktienanleihen als auch Discountzertifikate für die Geldanlage für geeignete Anlagevehikel in Seitwärtsmärkten. Für welche Variante man sich letztendlich entscheidet, sei aber eine Frage der persönlichen Präferenz.