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Merken   Drucken   31.07.2012, 20:30 Schriftgröße: AAA

Aktienmärkte: Die Unruhe vor dem Sturm  

Die Gefahr ist groß, dass die Märkte in den kommenden Wochen stark schwanken - in Europa wie in den USA. Doch für Anleger gibt es Möglichkeiten, sich gegen einen Crash zu wappnen: etwa mit Put-Optionscheinen oder einem Turbo-Bear-Papier.
© Bild: 2012 FTD/Christina Bretschneider
Premium Die Gefahr ist groß, dass die Märkte in den kommenden Wochen stark schwanken - in Europa wie in den USA. Doch für Anleger gibt es Möglichkeiten, sich gegen einen Crash zu wappnen: etwa mit Put-Optionscheinen oder einem Turbo-Bear-Papier.
von Benjamin Feingold

Die Finanzmärkte schicken sich dieser Tage wieder an, manchem Anleger die Urlaubssaison zu vermiesen. Investoren kennen das bereits aus dem vergangenen Jahr. Damals verschärfte sich im Juli die Euro-Krise, der DAX  verlor anschließend in nur wenigen Wochen mehr als 2000 Punkte. In diesem Jahr ist die Situation etwas anders. Experten raten dennoch dazu, seine Depots abzusichern. Denn in den USA und Europa droht eine Rezession.

Die Notenbanken wollen zwar mit einer lockeren Geldpolitik gegensteuern, die Börsen zucken immer mit, wenn wieder die Hoffnung besteht, dass oberste Währungshüter weitere Anleihekaufprogramme ankündigen könnten. Aber zumindest für Amerika bezweifelt Cam Albright, Chefstratege beim US-Finanzinstitut Wilmington Trust, die Wirkung weiterer Notenbankaktionen: "Wir sehen einen abnehmenden Nutzen von manchen geldpolitischen Lockerungen, die bereits existieren."

Um sich gegen die drohenden Marktschwankungen über die kommenden Wochen abzusichern, gibt es mehrere Möglichkeiten für Anleger. Der Verkauf aller Aktien ist so eine, allerdings kann das teuer werden. Eine Alternative ist die Absicherung des Portfolios mit einem Put-Optionsschein oder einem Turbo-Bear-Papier auf einen Index. Beide Instrumente profitieren von fallenden Kursen und gleichen somit etwaige Depotverluste wieder aus. Für die Absicherung mit einem Index-Put oder -Turbo genügt meist schon ein Depot mit wenigen Werten. "Sechs bis zehn Indexschwergewichte reichen in der Regel beim DAX bereits aus, um eine hohe Korrelation zwischen Depot und DAX herzustellen", erklärt Nicolai Tietze, Derivateexperte der Deutschen Bank. Das heißt, DAX und Depot bewegen sich dann fast identisch.

Beruhigungstabletten: Ausgewählte Zertifikate zur Absicherung   Beruhigungstabletten: Ausgewählte Zertifikate zur Absicherung

Der Unterschied zwischen den Papieren besteht darin, dass der Turbo in etwa eins zu eins die Kursbewegungen des Index nachvollzieht und sich die Gewinne und Verluste beim Turbo-Kauf annähernd ausgleichen. Dagegen können Anleger mit einer Put-Absicherung noch an steigenden Kursen im Index teilhaben. Daher ähnelt diese Form des Depotschutzes einer Versicherung. Im Schadenfall, also sinkenden Kursen, greift die Versicherung, und bei steigenden Kursen verfällt die Versicherung und Anleger profitieren von einer Wertsteigerung. Das Risiko bleibt auf die zu zahlenden Prämien begrenzt, die aktuell aber vergleichsweise moderat ausfallen.

Ein Beispiel: Der DAX notiert bei rund 6800 Punkten, und ein Anleger will sich über die nächsten Sommerwochen vor einem Kursverfall schützen. Hierfür bietet sich ein DAX-Put mit einem Basispreis von 6800 Punkten und einer Laufzeit von etwa sechs Wochen an. Aktuell kostet ein solcher Put-Optionsschein 2 Euro, was bei einem Bezugsverhältnis des Optionsscheins von eins zu 100 genau 200 DAX-Punkten entspricht. Fällt der DAX bis zum Verfallstag unter 6800 Punkte, erzielt der DAX-Put einen positiven Wert, ab 6600 Punkten erreicht er die Gewinnzone. Da der Put ab 6800 DAX-Punkten die Depotverluste bis auf die gezahlte Prämie ausgleicht, entsteht im abgesicherten Depot bei Kursen unterhalb von 6800 ein Verlust von 2 Euro. Auch wenn der DAX stärker sinkt, erhöht sich der Verlust nicht. Steigt der Kurs dagegen an, kommt das abgesicherte Depot ab 7000 Punkten in die Gewinnzone.

Wie viele Puts notwendig sind, hängt vom Depotvolumen ab und davon, wie stark das Produkt auf eine Indexbewegung reagiert. Der 6800er-DAX-Put beispielsweise hat eine Sensitivität von rund 50, die im Fachjargon auch Delta heißt. Das bedeutet, dass der Put die Wertentwicklung des DAX zur Hälfte mitmacht. Ergänzt um das Bezugsverhältnis lässt sich die Anzahl der notwendigen Instrumente bestimmen. Bei einem Depotvermögen von 20.000 Euro, einem Indexstand von 6800 Punkten und einem Delta von 50 sind rund 600 Puts zur Absicherung notwendig, was insgesamt dann 1200 Euro an Kosten ausmacht.

Anleger, die es etwas günstiger haben wollen, können einen tieferen Put-Basispreis wählen, etwa 6600 Punkte. Dann fängt die Absicherung bei Fälligkeit auch erst ab diesem Niveau an. Anleger zahlen in diesem Fall eine geringere Versicherungsprämie, haben aber dafür eine leicht höhere Selbstbeteiligung, wenn die Kurse fallen.

  • Aus der FTD vom 01.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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