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Merken   Drucken   04.11.2008, 12:45 Schriftgröße: AAA

CFD-Markt: Differenzkontrakte verlassen die Nische

Privatanleger erhalten künftig wesentlich leichter als bislang Zugang zu Differenzkontrakten. Die sogenannten Contracts for Difference (CFDs) erlauben Wetten auf Kursveränderungen von Aktien, Indizes und Rohstoffen. von Bernd Mikosch
Weil die Produkte nicht an der Börse gelistet sind, mussten Kunden bislang ein Konto bei einem spezialisierten Broker eröffnen. CFD-Anbieter planen nun Kooperationen mit Direkt- und Privatkundenbanken, um den CFD-Handel in das Internetangebot der Institute zu integrieren.
Für die Banken könnte ein eigenes Angebot die Kundenbindung stärken. "Viele Banken sehen CFDs zunächst als Konkurrenz zum normalen Wertpapiergeschäft. Sie wollen keine Kunden an die CFD-Broker verlieren", sagt René Diehl, Vorstand des neu gegründeten Anbieters Cefdex. "Wenn der Handel aber auf ihrer eigenen Internetplattform stattfindet und der CFD-Anbieter nur im Hintergrund agiert, schwindet diese Skepsis."
Anders als das Zertifikate- oder Fondsgeschäft verspricht der in Deutschland noch kleine CFD-Markt erhebliches Wachstum. 2007 gab es rund neun Millionen Transaktionen, mehr als dreimal so viele wie 2006, so eine Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin. Besonders in turbulenten Börsenzeiten sind CFDs gefragt: Allein für die Woche vom 6. bis 10. Oktober meldete der Marktführer CMC Markets fast 250.000 Transaktionen. Damit machen die Produkte riskanten Hebelzertifikaten Konkurrenz.
Die Postbank bietet schon CFDs an - sie vermittelt Kunden aber an ...   Die Postbank bietet schon CFDs an - sie vermittelt Kunden aber an einen Broker
Cefdex tritt anders als andere Broker nicht direkt an Anleger heran, sondern bietet Banken ein Komplettpaket an, mit dem diese ihren Kunden nach drei Monaten Vorbereitungszeit CFDs offerieren können."Die Bank bestimmt, welche Basiswerte sie ihren Kunden anbieten möchte und wie hoch der maximale Hebel für verschiedene Zielgruppen sein soll", sagt Diehl. Für den Anfang könne ein eher kleiner Hebel sinnvoll sein. "Wir wollen CFDs aus der Zockerecke rausholen, in der sie wegen der aggressiven Werbung einiger Konkurrenten stecken", so Diehl.
Projekte existieren bereits
Auch andere Wettbewerber haben die Banken als Kooperationspartner im Blick. "Was Cefdex macht, ist nicht neu", sagt ein Sprecher von CMC Markets. "Individualisierte Lösungen bieten wir Banken längst an." Es gebe einige Projekte, aber noch nichts Druckreifes.
Infrage kommen CFDs vor allem für Online Broker, deren Kunden schon Erfahrungen mit Hebelprodukten haben. Den Anfang macht noch in diesem Jahr der Online-Broker Flatex, das gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Flatex wirbt mit einem CFD-Countdown und gehört wie Cefdex zur BF Holding, einem Unternehmen von Bernd Förtsch, der zu Zeiten des Neuen Markts als Aktientippgeber Schlagzeilen machte. Cefdex befinde sich auch mit direkten Flatex-Konkurrenten im Gespräch und verhandle mit zwei herkömmlichen Privatkundenbanken, so Diehl.
Bislang bietet von den Privatkundenbanken nur die Postbank  CFDs an. Das Institut leitet die Kunden an den britischen Broker City Index weiter, der Handel findet also nicht auf der Internetseite der Bank statt. Genaue Zahlen nennt sie nicht, sondern spricht auf Nachfrage von einer "kleinen Zahl" von bestehenden als auch Neukunden, die das Angebot angenommen hätten.
Comdirect  prüft nach eigenen Angaben, inwieweit CFDs eine "sinnvolle Erweiterung des Leistungsangebots darstellen" könnten. Andere sind noch zurückhaltender: Die Sparkassentochter S Broker plane derzeit keine Einführung, beobachte die Entwicklung des Markts aber genau, so ein Sprecher. Die Deutsche Bank teilte auf Anfrage mit, sie habe zurzeit keine Pläne, CFDs einzuführen.
Ein Minimarkt boomt
Herkunft Ein Contract for Difference (CFD) ist ein nicht börsengehandelter Vertrag über den Ausgleich der Kursdifferenz eines Basiswerts. CFDs kamen in den 90er-Jahren in Großbritannien auf.
Verbreitung Deutschland gilt nach Großbritannien und Australien als drittgrößter CFD-Markt. Die Steinbeis-Hochschule schätzt das Kundenpotenzial kurzfristig auf 50.000, mittelfristig auf 200.000.
  • FTD.de, 04.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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