Rund 15 Prozent hat der DAX seit Anfang Juni zugelegt. Spekulative Anleger, die mit Hebelprodukten auf steigende Kurse gesetzt haben, erzielten noch weitaus höhere Gewinne.
Neben Optionsscheinen und Turbozertifikaten erfreut sich eine noch relativ junge Sparte von Hebelprodukten wachsender Beliebtheit: Faktorzertifikate. Sie spiegeln die Entwicklung des Basiswerts mit einem konstanten Hebel wider. Mit der Long-Variante spekulieren Anleger auf steigende Kurse, mit Short-Papieren auf fallende.
Ein Beispiel: Die Commerzbank offeriert ein Faktorzertifikat Long mit Hebel drei auf die Aktie von Daimler . Klettert die Aktie von Daimler von einem auf den anderen Tag um zwei Prozent, so legt das Faktorzertifikat um sechs Prozent zu. Umgekehrt verliert es sechs Prozent, wenn die Anteilscheine des Autobauers um zwei Prozent fallen. Bis hierher ähneln Faktorzertifikate klassischen Turboprodukten. Es gibt aber einen Unterschied: Bei Faktorzertifikaten wird der Hebel täglich auf das festgelegte Niveau zurückgesetzt. Im Beispiel beträgt dieser drei. Bei einem klassischen Turbo-Long hingegen sinkt der Hebel während eines Kursanstiegs.
Der Unterschied wird an dem folgenden, fiktiv gewählten Kursverlauf deutlich. Der Basiswert entwickelt sich wie folgt: Er startet bei 100 Euro, klettert am zweiten Tag auf 105 und am dritten auf 108 Euro. Ein Turbozertifikat mit Hebel drei hat eine Basis von 66,67 Euro und kostet 33,33 Euro. Es steigt am zweiten Tag auf 38,33 und am dritten auf 41,33 Euro. Das entspricht prozentualen Anstiegen von 15 beziehungsweise 24 Prozent gegenüber dem ersten Tag.
Anders beim Faktorzertifikat. Am ersten Tag legt es ebenfalls um 15 Prozent auf 38,33 Euro zu. Am zweiten Tag wird der Hebel wieder auf drei zurückgesetzt. Der Anstieg von 105 auf 108 Euro entspricht 2,86 Prozent. Der Anstieg beim Faktorzertifikat ist mit 8,57 Prozent dreimal so hoch. Beim Zertifikatekurs bedeutet dies einen Anstieg auf 41,62 Euro. Gegenüber dem Emissionskurs ergibt sich ein Plus von 24,85 Prozent.
An dem Beispiel wird deutlich: Liegt ein klarer Trend vor, erhöht sich durch das tägliche Zurücksetzen des Hebels die Performance im Vergleich zu klassischen Turbos oder Mini-Futures. In volatilen Märkten mit ständigem Auf und Ab der Kurse wirkt der Effekt aber in die entgegengesetzte Richtung. Daher sollten Faktorzertifikate nur von risikobereiten Anlegern gekauft werden, die auf relativ kurze Sicht agieren und einen klaren Trend erwarten.