Anleger haben bei der Suche nach den passenden Zertifikaten künftig ein weiteres Recherchetool zur Hand. Das Unternehmen Derixx aus Berlin bietet ein kostenloses Computerprogramm an, mit dem Investoren entsprechend ihrem Risikoprofil und ihrer Markterwartung diejenigen Produkte heraussuchen können, die die höchste Rendite bringen.
"Das Programm befindet sich zwar noch in der Testphase, ist aber bereits voll funktionstüchtig", sagt Marketingchef Petko Kostoff. Die Suchmaschine errechnet den fairen Wert und das Chance-Risiko-Potenzial für rund 130.000 Produkte, zunächst jedoch nur für Bonus-, Discount-, Twin-Win- und Outperformancezertifikate. Künftig soll das Programm um weitere Produkttypen ergänzt werden. Das Unternehmen, das von Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gegründet wurde, arbeitet nach eigenen Angaben emittentenunabhängig. Geld verdienen will Derixx mit einer lizenzpflichtigen Software, die um Funktionen wie eine Portfolioverwaltung ergänzt wird. Zielgruppe sind sowohl aktive Trader als auch Vermögensverwalter. "Für Privatanleger wird es weiterhin eine kostenlose Version geben", sagt Kostoff.
Derixx setzt mit dem Programm ähnlich wie die Ratingagenturen Scope und European Derivatives Group (EDG) auf mehr Transparenz im Derivatemarkt. Scope und EDG haben ihre Ratings zu jeweils mehr als 100.000 Zertifikaten bereits öffentlich gemacht. Sie erlauben ebenfalls einen Vergleich der Preise, Renditen und Handelsspannen (Spreads). Im Unterschied zu den Ratingagenturen berechnet Derixx die zu erwartende Rendite mit einer Abweichung von wenigen Minuten zum Marktpreis. Scope aktualisiert das Rating börsentäglich, EDG nur alle 14 Tage. Dafür zielt Derixx nur auf quantitative Kriterien wie die Rendite ab. Die Bonität des Emittenten oder die Qualität der Orderabwicklung spielt - anders als bei den Ratingagenturen - keine Rolle.
Die verschiedenen Bewertungen geben immerhin einen besseren Überblick über den riesigen Zertifikatemarkt, der aktuell rund 325.000 Produkte umfasst. Nach Einschätzung von Experten hat sich nicht zuletzt durch die Ratings die Transparenz in dem Markt deutlich erhöht. "Es ist einiges besser geworden", sagt ein Pressesprecher der Anlegerschutzvereinigung DSW. Allerdings gebe es bei einigen Produkten noch Verbesserungsbedarf. "Je komplizierter ein Zertifikat konstruiert ist, desto schwieriger ist die Preisgestaltung nachzuvollziehen", fügt der DSW-Sprecher hinzu.
Das gilt für exotische Themen- und Basketzertifikate wie generell für Produkte, bei denen die Rendite von der Kursentwicklung gleich mehrerer Basiswerte abhängig ist. An der Bewertung solch komplexer Strukturen scheitern bislang auch die Ratingagenturen. Sie konzentrieren sich daher auf vergleichsweise einfache Konstruktionen wie Bonus- oder Discountzertifikate.