Das Inflationsgespenst hat der Börse vorerst den Rücken gekehrt. Während die Preissteigerung in der Euro-Zone vor nicht einmal einem Jahr in der Spitze auf mehr als vier Prozent kletterte, rutschte die Teuerung jüngst bis fast auf ein Prozent ab. In dem Rückgang spiegeln sich der Absturz der Weltwirtschaft und der damit einhergehende Rückgang der Rohstoffpreise wider.
Nicht wenige Experten befürchten kurzfristig sogar ein Abgleiten in die Deflation, was Regierungen und Notenbanken in aller Welt um jeden Preis verhindern wollen. Die Währungshüter pumpen seit mehr als einem Jahr etliche Milliarden in den Wirtschaftskreislauf.
Mittlerweile hat die US-Notenbank sogar damit begonnen, Staatsanleihen aufzukaufen, was sie nur durch das Drucken von frischem Geld bewerkstelligen kann. Das Aufblähen der Geldmenge birgt gemäß der gängigen volkswirtschaftlichen Theorie ein gewaltiges Inflationspotenzial. Entladen könnte es sich, sobald die Konjunktur wieder anspringt.
Angesichts der dramatischen Entwicklung fragen sich immer mehr Anleger, wie sie ihr Erspartes vor einer möglichen Inflation schützen können. Der klassische Weg sind Investments in Edelmetalle. Vor allem Gold gilt bei Anlegern in aller Welt als sicherer Hafen. Der jüngste Anstieg über die Marke von 1000 $ je Feinunze war zwar nur kurzfristiger Natur. Sollte jedoch die Inflation stark anziehen, dürften vierstellige Notierungen zur Gewohnheit werden.
Eine der einfachsten Möglichkeiten, um an einem steigenden Goldpreis zu partizipieren, bieten Zertifikate, die den Preis einer Feinunze eins zu eins abbilden. Da Gold in Dollar gehandelt wird, sollten sich Anleger für ein Zertifikat mit Währungsabsicherung (Quanto) entscheiden. Um sich Kosten für Umschichtungen zu ersparen, empfiehlt sich zudem ein Papier ohne Laufzeitbeschränkung.
Diese Voraussetzungen erfüllt unter anderem ein Zertifikat von BNP Paribas. Die Quanto-Gebühr von derzeit 3,5 Prozent p.a. ist im Vergleich zu den Kosten bei anderen Anbietern moderat. Eine interessante Alternative ist die "Xetra-Gold"-Anleihe der Deutschen Börse. Sie räumt Investoren sogar das Recht auf die Lieferung von physischem Gold ein.
| Starkes Auf und Ab seit 2007 |
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| Hoch Getrieben vom hohen Ölpreis schnellte die Veränderungsrate des europäischen Verbraucherpreisindex im Sommer 2008 auf mehr als vier Prozent nach oben. |
| Runter Nun macht sich der umgekehrte Effekt bemerkbar: Der Ölpreis hat sich im Zuge des Niedergangs der Weltwirtschaft in etwa gedrittelt. |
Viele Zertifikate zielen auch direkt auf die Inflationsrate ab. Das Muster ist dabei stets ähnlich: Grundsätzlich sind die Papiere wie Anleihen konstruiert. Sie zahlen jährlich einen Kupon aus, dessen Höhe sich an der Inflationsrate bemisst. Zudem werden sie am Ende der meist drei- bis fünfjährigen Laufzeit zum Nennwert getilgt, sind also vollständig kapitalgeschützt.
Als Basiswert ziehen die Emittenten meist den europäischen Konsumentenpreisindex "HICP ex Tobacco" heran. Dieses Barometer wurde in der EU als einheitlicher Standard eingeführt. Dem HICP unterliegt ein Warenkorb, in dem Nahrungsmittel, Verkehr und Wohnen das stärkste Gewicht einnehmen. Ausgeschlossen sind lediglich Tabakerzeugnisse.
In der Ausgestaltung der Kupons unterscheiden sich die Produkte teils erheblich. Eher unattraktiv sind Zertifikate, die sich zunächst an der derzeit niedrigen Inflation orientieren und in späteren Laufzeitjahren einen von der angenommenen höheren Preissteigerung entkoppelten Mindestkupon zahlen.
Die "Inflations-Zins-Garant Anleihe IV" von Barclays beispielsweise bietet in den ersten beiden Laufzeitjahren einen Kupon in Höhe der 1,5-fachen jährlichen Inflationsrate. Im dritten Jahr erhält der Anleger eine fixe Verzinsung von 4,5 Prozent. In einem Szenario künftig stark steigender Preise ist das zu wenig, um sich vor der Geldentwertung zu schützen.
Teil 2: Umgekehrtes Auszahlungsprofil