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Merken   Drucken   03.04.2010, 08:00 Schriftgröße: AAA

Derivate: Wenn die Aktie stillhalten soll

Niedrige Volatilität können Anleger vor allem mit Bonuszertifikaten nutzen. Doch Vorsicht! Sie sollten die Eigenarten der Produkte kennen, um Verluste zu begrenzen. von Daniel Saurenz 
Es ist so ziemlich der Albtraum aller Käufer von Derivatestrukturen: Die Volatilität stagniert auf äußerst niedrigem Niveau, die Zinsen sind niedrig und dazu werden bei vielen Unternehmen die Dividenden gekürzt. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Volatilität von rund 50 Punkten auf aktuell nur noch knapp 19 Punkte zurückgefallen. Doch es gibt Anleger, denen ein solches Szenario entgegenkommt.
Den größten Vorteil im Vergleich zum Direktinvestment in Aktien oder Indizes haben Investoren nämlich dann, wenn sich mit einem direkten Kauf wenig holen lässt, auf dem Umweg eines Bonuszertifikats mit entsprechender Bonusrendite aber doch noch einiges rausspringt. Dies ist bei vielen Basiswerten nach wie vor der Fall, weshalb sich Anleger ausgesuchte Papiere genau ansehen sollten. Wichtig ist jedoch, auf ein paar Eigenarten zu achten und nicht blind nach der höchsten Bonusrendite zu streben und zuzugreifen.
Denn eben dies wurde in der Krise 2008 und zu Beginn des vergangenen Jahres zum Verhängnis. Nicht allein die Barrieren wurden vielfach durchbrochen und der Bonusanspruch ging damit verloren, was in Abwärtsmärkten allerdings auch kaum zu vermeiden ist, hinzu kam überdies, dass häufig auch noch ein bei der Investition mitbezahltes Aufgeld unwiederbringlich verloren war. Um zu taxieren, welche Rolle das Aufgeld spielt, ist es wichtig, zunächst die Konstruktion eines Bonuspapiers zu betrachten. Bonuspapiere der klassischen Art ohne Obergrenze werden ebenso wie die Variante Capped-Bonus nach dem Prinzip Baukasten aufgelegt. Die Klassiker bestehen aus einem sogenannten Zero-Strike-Call, also einer Call-Option mit Basispreis Null sowie einer exotischen Option. Der Exot ist in diesem Fall ein Down-and-out-Put, der einer Verkaufsoption mit einer Barriere entspricht, bei deren Durchbrechen die Option sofort wertlos verfällt. Finanziert wird dieser Down-and-out-Put durch die Dividende, die den Anlegern entgeht, oder durch andere Anlageerträge.
Wann Bonuszertifikate besonders geeignet sind
Für die Auszahlung am Laufzeitende ist die Sache dann recht einfach. Hat die Barriere gehalten, etwa im Fall des von uns ausgesuchten Bonuszertifikats auf Eon in Höhe von 22 Euro, gibt es als Auszahlung auf jeden Fall den ausgewiesenen Bonus in Höhe von 31 Euro. Vorausgesetzt, der Kurs des Basiswerts liegt zwischen Barriere und Bonuslevel. Sollte Eon im Dezember 2010 höher als 31 Euro notieren, erhalten Anleger dann diesen höheren Betrag, da das Zertifikat nach oben unbeschränkt ist. Schon hieran sieht man, welche Marktszenarien für Bonuszertifikate am besten geeignet sind. Den größten Vorteil im Vergleich zum Direktinvestment in die Aktie haben Anleger nämlich dann, wenn es sich um klassische Seitwärtsmärkte handelt und die Bonusrendite die Performance der Aktie deutlich übertrifft, da sich diese per saldo fast nicht bewegt hat.
Bei Capped-Bonuszertifikaten ergänzt der Emittent zusätzlich zu den beiden Bestandteilen noch eine Call-Option in Höhe der Obergrenze, des Cap. Mit diesem Kniff lassen sich die Konditionen des Bonuszertifikats verbessern, der Anleger muss allerdings in Kauf nehmen, dass er bei den Gewinnen nur bis zum Cap partizipiert. Neben den Bausteinen des Zertifikats ist das Aufgeld eine Möglichkeit, die Bonusrendite eines Papiers zu verbessern. Unter Aufgeld versteht man dabei jenen Betrag, den das Zertifikat mehr kostet als der aktuelle Kurs des Basiswerts. Ein Beispiel: Liegt der Dax bei 5900 Punkten und ein Zertifikat kostet 63,20 Euro, so weist das Produkt ein Aufgeld in Höhe von umgerechnet 420 Punkten aus. Dies muss bei manchem Basiswert nicht per se schlecht sein, da sich gerade dividendenschwache Titel sowie äußerst volatile Papiere ohne Aufgeld fast nicht konstruieren lassen.
Ausgewählte Bonuszertifikate mit Cap   Ausgewählte Bonuszertifikate mit Cap
Warum sich eine Investition in die Dax-Schwergewichte lohnt
Bei Dax-Aktien wie beispielsweise Eon , Deutsche Telekom , RWE , BASF , Munich Re  oder Allianz  lassen sich jedoch ausreichend Papiere finden, die ohne Aufgeld auskommen und dennoch attraktiv erscheinen. Hier lohnt ein genauer Blick, der dabei hilft, gute Chancen ohne unnötige Risiken einzukaufen. Dazu sollten Anleger bedenken, dass sie bei Bonuspapieren ohne Cap zwar im Gewinn unbegrenzt sind, aber bis zum Laufzeitende auch erst einmal noch das Aufgeld aufholen müssen.
Ein leidiger Punkt bei der Auswahl der Bonuszertifikate ist nach wie vor das Thema Rating. Viele Anleger sind gerade bei Bonuspapieren unsicher, nach welchem Kriterium sie die Papiere auswählen sollen. Hilfreich sollte dabei eigentlich ein gutes Produktrating sein. Doch in der Praxis zeigt sich leider zu oft, dass der Blick auf das Rating kaum weiterhilft, da selbst Produkte mit guter Bonusrendite, wenig Aufgeld und guter Emittentenbonität manchmal nur unerklärlich mäßige Noten erhalten.
In jedem Fall kaufenswert sind die ausgesuchten Papiere auf die Dax-Schwergewichte Allianz, BASF und Eon. Sie kommen ebenso wie die Bonuszertifikate auf Adidas , K+S  sowie den Dax  und Euro Stoxx 50 als Gesamtindex fast ohne Aufgeld aus. Dafür sind die annualisierten Renditen immer noch sehr ordentlich, und auch die Geschäftsentwicklung der fünf genannten Unternehmen sollte in den kommenden zwölf Monaten nicht überraschend negativ sein. Hinzu kommt, dass die meisten Werte auch charttechnisch gerade den Ausbruch nach oben geschafft haben. Selbst wenn die Märkte per saldo noch eine Zeit lang seitwärts laufen und die Volatilität nicht so recht in die Gänge kommt, haben Anleger damit gute Chancen.
  • FTD.de, 03.04.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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